Wild Food – Carolyn und Chris Caldicott

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Ich mag die Bücher von Carolyn Caldicott – sie liefern schöne Ideen, die im Alltag gut umsetzbar sind.  So ist es auch bei diesem Buch: Wild Food befasst sich mit Obst, Gemüse und Kräutern, mit dem, was man am Wegesrand findet oder leicht selbst anbauen kann.

Auf den ersten Blick ist das Buch schon mal schön. Allein das Cover strotzt schon vor opolenten Farben. Innen gibt es zu jedem Gericht ein Foto. Es gibt schöne Fotos von den Grundprodukten und das eine oder andere Landschaftsbild. Die Bilder vermitteln ein wenig die Freude am Landleben – was ja grade im Trend liegt. Auch das Layout ist sehr ansprechend. Die einführenden Worte zu den Grundprodukten sind farblich hervorgehoben, die Rezepte schön gerahmt.

Das Buch ist unterteilt in verschiedene Kapitel: wir starten mit kostenlosen Köstlichkeiten; also mit den Dingen, die man am Wegesrand sammeln kann: Bärlauch, Brennesseln, Holunder, Brombeeren, Hagebutten und Schlehen stehen auf der Liste. Alles auch hierzulande zu bekommen. Ein kleines Vorwort klärt uns auf, was wir beim Sammeln und Verarbeiten beachten müssen, damit alles klappt. Im Rezeptteil gibt es zum Beispiel klare Bärlauchsuppe, Brennessel-Risotto, Holunderbeeren-Nachtisch, Brombeer-Essig oder den britischen Klassiker Schlehen-Gin.

Dann geht es in den eigenen Garten. Dort ernten wir Rhabarber, Sauerampfer, den schnell wachsenden Rucola, Chilis, Topinambur und Mangold. Carolyn Caldicott hat für dieses Kapitel bewußt Pflanzen ausgesucht, die sich leicht anbauen lassen, bei Schädlingen nicht beliebt sind (welche Schnecke mag schon Sauerampfer) und guten Ertrag bringen. Mit unserer Ernte bringen wir einiges auf den Tisch. Rhabarber-Marmelade mit Ingwer oder Kardamom zum Beispiel, Blätterteigauflauf mit Sauerampfer, Mangold und Ricotta, Vichysoise mit Rucola  oder Peperoni-Eis mit Limette.

Im nächsten Kapitel geht es um den Überfluss. Ernten macht Spaß. Aber was tun mit der Masse an Zucchini, Saubohnen oder Tomaten? Carolyn Caldicott hat hier eine sympathische Grundeinstellung: „Man kann von einer guten Sache nie genug haben.“ Und so landen die Dicken Bohnen in einem Auflauf mit grünem Spargel, für die Tomaten gibt es ein Passata-Rezept, das ich unbedingt ausprobieren muss (das gilt auch für die Tomaten-Peperoni-Marmelade), es gibt die bekannten grünen Bohnen mit Pasta und Kartoffeln, die Zucchini landen im Bananen-Kuchen und aus den Pastinaken werden Gnocchi gemacht.

Habt Ihr eine Gemüse-Kiste? Ich schon. Und im Grunde handelt das letzte Kapitel von dem blöden Gesicht, das man manchmal macht, wenn man seine Abokiste auspackt. Du meine Güte…..schon wieder eine Sellerieknolle. Machen wir Remoulade damit. Stachelbeeren? Eine Soße. Rote Bete, Quitte, Rosenkohl oder Grünkohl? Alles wird untergebracht.

Die Rezepte sind übersichtlich strukturiert und funktionieren. Zu jedem vorgestellten Produkt gibt es eine Einführung, und hier lohnt sich genaues Lesen; denn in der Einleitung sind Zubereitungshinweise und zusätzliche, kurz gefasste Rezepte versteckt. Einen Kritikpunkt habe ich allerdings, und der bezieht sich auf die vielen Marmeladenrezepte. Womöglich ist das ja ein Übersetzungsfehler, aber da ist in den Zutatenlisten gerne einfach von Zucker die Rede. Und ich habe mich immer wieder gewundert, warum zum Beispiel eine Rhabarber-Marmelade in so kurzer Zeit gelieren sollte. In der Einleitung zum Rezept steht dann aber Gelierzucker. Auch beim Hagebuttengelee und der Apfelmarmelade taucht Gelierzucker auf. Da gibt es ja, zumindest hierzulande, verschiedene Möglichkeiten, was den Pektingehalt angeht. Etwas konkretere Angaben wären hier sinnvoll.

Rein vegetarisch ist das Buch übrigens nicht; ein wenig Fleisch, Fisch und Meeresgetier kommt vor. Der Anteil ist aber recht gering, so dass auch Vegetarier eine schöne Inspirationsquelle finden.

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Mein einziges Gericht mit Bärlauch in dieser Saison war das würzige, cremige Kartoffel-Dauphinois mit Bärlauch. Dazu habe ich die paar Blättchen benutzt, die in meinem Kräutertopf aufgetaucht sind. Meine Sammelstelle ist leider im Eimer, weil nette Mitmenschen da tonnenweise Strauchschnitt entsorgt haben, statt ihren Müll zum Wertstoffhof zu bringen 😦 .

Mit Brennnesseln hat man derartige Probleme nicht, die wachsen immer und überall. Gegessen habe ich sie trotzdem bislang noch nicht. Für das Brennessel-Risotto bin ich nur mal kurz zum Gartentürchen raus, habe Brennnesseln geholt und damit gekocht – was soll ich sagen: ich weiß jetzt, wie ich der Nesseln Herr werde. Aufessen ist ein sehr guter Plan 🙂

Dicke Bohnen mag ich sehr gern. Es ist zwar keine Saison, aber ich hatte noch einen Rest in der Tiefkühle. Davon habe ich das Dicke-Bohnen-Kreuzkümmel-Püree gemacht, das als Unterlage für kurz geschmorten Chicorée herhält – ein Gemüsegedicht.

Zucchini waren in der Gemüsekiste; und sie sind in die feinen Zucchini-Röllchen mit Schinken und Ricotta gelandet. Die Röllchen haben mit besonders gut gefallen – gerüstet für die Zucchini-Schwemme!

Das Graupenrisotto mit Roter Bete und Meerrettich war klasse  – Rote Bete geht bei mir immer….alleine schon die Farbe! Dazu ein Topping aus Crème fraîche und Meerettich, das war gut.

Den allerersten Spargel der Saison gab es gleich mit Hollandaise – Sauerampferhollandaise stand im Rezept; ich habe dafür meinen Blutampfer geplündert. Die Hollandaise hat nach dem Rezept gut funktioniert; allerdings war sie mir etwas zu dick. Aromatisch hat mir die leichte Säurenote aus dem Ampfer gut gefallen.

Am Sellerie-Karoffelpüree mit Frühlingszwiebeln gab es nichts auszusetzen; eine schnelle, schöne Beilage und eine nette Möglichkeit, meinem Anhang den nicht ganz so geliebten Knollensellerie einzuverleiben.

Fazit: ein schönes Buch mit vielen Rezepten und Tipps für Wald, Wiese und Garten. Das Buch macht Lust, herumzustreifen und die Schätze zu ernten, die um uns herum wachsen – oder es mal mit eigenem Anbau zu versuchen. Ich werde sicher noch oft darauf zurückgreifen – denn für viele Produkte kommt ja die Erntezeit erst noch.

Wer sich für das Buch interessiert, kann es beim Verlag Freies Geistesleben kaufen. Dort gibt es auch einen Vorabblick ins Buch. Und ich gehe inzwischen mal schauen, ob die Brennesseln schon wieder nachgewachsen sind 🙂 .

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18 thoughts on “Wild Food – Carolyn und Chris Caldicott

  1. Eine tolle Rezension. Vielen Dank für die ausführliche Besprechung. Bei Kräutern vom Wegesrand habe ich immer etwas Horror vor den Hinterlassenschaften von Hunden. Aber da auch auf dem Balkon ein paar Kräuter wachsen, könnte ich mir die Anschaffung des Buchs noch mal überlegen. Es klingt jedenfalls wie eine echte Bereicherung!

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    1. Das Hinterlassenschafts-Problem kenne ich. Ich schlage mich immer recht weit in die Büsche, in der Hoffnung, dass das reicht. Wir haben so einen kleinen Handtuch-Garten, in dem habe ich inzwischen recht viele Pflanzen verbuddelt, da kommen keine Hund hin.

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  2. Eine sehr aufschlussreiche Vorstellung. Da bekomme ich immer Lust, gleich solch ein Buch zu kaufen. Dankenswerter Weise habe ich aber diese Phase überwunden. Und doch manchmal ….

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    1. Nein….der gleiche wie immer. Sieht man es da besser als in der Galerie? Die gepuzzelte Galerie wollte partout nicht in den Beitrag, da habe ich die Slideshow genommen….

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  3. Das Buch klingt wirklich sehr interessant! Ich „gärtner“ zwar nur auf dem Balkon, aber selbst da können Mengen zusammen kommen, zumal wir nur ein kleiner Haushalt sind. Und mit den vielen Wald und Wiesen ringsrum gibt es auch einiges, das geerntet werden kann.

    Ich schau mal beim Berlag vorbei, Danke fürs Vorstellen 😀

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  4. Du wieder mit deinen Buchrezensionen! Der Bücherschrank quillt über, das Konto ist in den roten Zahlen und ich hätt schon wieder gern ein Buch, das du besprichst … 😉

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