Kochbuchrezension: Herzhaft und süß I Alfons Schuhbeck, Angelika Schwalber

So, das war spannend für mich. ich muss nämlich gestehen, ein allzu großer Fan von Alfons Schuhbeck bin ich nicht. Möglicherweise liegt das zum Teil auch daran, dass ich in München wohne – und da ist seine Präsenz übermächtig. Und zwar nicht nur am  Platzl, wo sein Imperium liegt oder im Fernsehen, nein, die Gewürze und Convenience-Produkte, die gibt es bald schon an jeder Tankstelle. Aber nun – kochen kann der Mann, und so war ich dann doch neugierig, sein neues Buch auf Herz und Nieren zu testen.

Aber halt – Alfons Schuhbeck hat das Buch nicht allein geschrieben. Er ist verantwortlich für den Teil mit den herzhaften Gerichten. Die süßen Sachen hat die Konditormeisterin Angelika Schwalber gemacht, die auch seit einigen Jahren zusammen mit Alfons Schuhbeck eine Kochsendung am Sonntag Nachmittag im Bayerischen Fernsehen moderiert.

Das Buch ist also zweigeteilt – es gibt einen herzhaften und einen süßen Teil. Das bringt einen witzigen Aufbau mit sich; es ist sozusagen ein 2-in-1-Buch: wenn man das Buch auf den Kopf stellt, hat man entweder den süßen oder den herzhaften Teil vor sich. Beide Teile sind komplett mit Inhaltsverzeichnis und Register. Das Layout ist klar, übersichtlich und freundlich: Am Seitenrand eine Spalte mit den benötigten Zutaten, daneben das Rezept, die Überschriften farblich abgesetzt. Es gibt nicht zu jedem Rezept ein Bild – aber das ist, jedenfalls für mich, auch nicht nötig.

Und der Inhalt? Der ist, wie gesagt, zweigeteilt. Im herzhaften Teil erwarten uns Gerichte wie Nudelsalat mit Chorizo, Gemüsecurry mit Blumenkohl und Brokkoli, Felchen-Duett mit Kräutersauce und Gemüsesalat oder weißes Coq au vin mit Spargel und Pfifferlingen. Im süßen Teil gibt es Nachtisch und Gebäck. Es locken Mandelmilchreis mit Sauerkirschperlen, Apfel-Rösti mit gebrannter Creme, Bayerische-Creme-Törtchen mit Rosmarin-Streuseln oder spanische Mandelküchlein mit Portweinfeigen.

Die Rezepte – ob herzhaft oder süß – sind ordentlich strukturiert und durchdacht und funktionieren wunderbar. Man kann sich einfach auf sie verlassen – ich habe während des Probekochens entspannt gekocht und wir haben gut gegessen. Natürlich verweist Alfons Schuhbeck immer wieder mal auf seine Gewürzmischungen…..ich bin trotzdem ohne sie klargekommen. „Chilisalz mild“ – das war bei mir Salz mit einer Prise Piment d’Espelette 😉  Bei den süßen Sachen hätte ich gerne mehr probiert – es sind viele schöne Sachen mit Obst dabei, das gerade nicht Saison hat. Ein andermal also. Ein wenig irritiert mich der Titel – den Snack-Charakter konnte ich nicht so recht erkennen. Die Rezepte sind für 6-8 Personen ausgelegt – macht man sie aber für 4 sind alle mit einem vollwertigen Hauptgericht oder einem schönen Nachtisch zufrieden.

Ich hab ja gesagt: wir haben gut gegessen – schaut mal:

topfenpflanzerl

Richtig klasse waren die Topfenpflanzerl: Abgetropfter Quark und kräftiger Bergkäse sind die Basis des Gerichts. Die Pflanzerl werden paniert und in der Pfanne gebraten. Sie waren fluffig und dank verschiedener Gewürze auch schön aromatisch. Dazu hätte es eigentlich Kopfsalat mit Radieschen geben sollen – ich bin saisonbedingt auf Feldsalat ausgewichen.

fingernudeln auf rahmspinat

Nicht so begeistert haben uns die Fingernudeln: der Rahmspinat, auf dem sie serviert werden, war sehr fein. Aber an die Fingernudeln selbst kam sehr viel Stärke und Grieß, dadurch waren sie sehr fest.

gedämpfte cannelloni

Wieder alles gut war bei den gedämpften Cannelloni. Die Nudeln werden mit einer gut abgeschmeckten Hackfleischmasse gefüllt und im Dampf gegart. Auf diese Idee wäre ich von alleine nicht gekommen. Übrigens hat mich die die exakt bemessene Menge der Füllung nachhaltig beeindruckt – für 8 Cannelloni sollte sie reichen. Und sie hat wirklich ganz genau für 8 gereicht. Serviert wurde das ganze auf einem Lauchgemüse mit Champignons. Obwohl die Zutatenliste gar nicht mal so kurz ist, stand das Essen rasch auf dem Tisch.

aperol-spritz im glas

Die Aperol-Spritz-Creme im Glas hat uns gut gefallen: dafür werden in Karamell marinierte Orangenfilets mit einer Sektsahne bedeckt, darauf kommt noch ein Spiegel aus Aperol und Orangensaft. Der Nachtisch ist schön aromatisch und leicht – und relativ rasch und einfach gemacht, wenn man die Wartezeiten außen vor läßt.

brownies

Angelika Schwalber backt auch Brownies – selbstverständlich in einer Luxus-Variante: Die saftigen, schokoladigen Brownies bekommen ein Topping aus einer Schoko-Nougat-Ganache und etwas Salzkaramell. Die Brownies waren schlicht und ergreifend ein Gedicht und werden hier bestimmt noch öft auf den Tisch kommen.

beerengelee

Ich habe es ja erwähnt – für viele der schönen Nachtische braucht man Obst, das gerade keine Saison hat. Für das Beerengelee mit Rahmjoghurt habe ich deshalb auf tiefgekühlte Beeren zurückgegriffen – ein feiner Nachtisch wurde trotzdem daraus: die Beeren wandern in ein Gelee aus einreduziertem Fruchtsaft, dazu gibt es ein mit Vanille und Orangenschale abgeschmecktes Joghurt.

Fazit? Ich bin ja leicht misstrauisch an das Buch herangegangen, aber letztendlich hat es mir gut gefallen. Es gibt viele schöne Rezeptideen, und die sind gut nachvollziehbar dargestellt. Die Zutatenlisten sind gerne mal etwas länger und gerade im süßen Teil schließt die Zubereitung ein paar Wartezeiten ein. Trotzdem: alles ist so aufgebaut, dass sowohl fortgeschrittene Köche als auch Anfänger aus dem Buch kochen können.

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6 thoughts on “Kochbuchrezension: Herzhaft und süß I Alfons Schuhbeck, Angelika Schwalber

  1. Mir geht es auch so, dass ich dem Schuhbeck eher skeptisch gegenüberstehe, aber andererseits entdecke ich immer wieder: seine Rezepte funktionieren! Da gibts nix zu meckern.
    Falls du noch nicht wissen sollstes, welches Rezept du vorstellen willst, würde ich mich anstellen bei den Topfenpflanzerln.

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    1. Ja, die funktionieren. Ich hab ja gehofft, dass ich was zu Meckern finde…das war nix. Auch gut 🙂
      Soso. Die Topfenpflanzerl. Na, dann gehe ich mal tippen. Weißt Du eigentlich, bei den österreichischen Kollegen vom Gaumenkino, da gibt es auch welche. Die habe ich aber nicht ausprobiert.

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  2. Ich teile deine latente Schuhbek-Aversion, ist mir bei einem Münchenbesuch vor ein paar Jahren auch unangenehm aufgefallen, aber wenn Rezepte wirklich so perfekt funktionieren – schon ein Argument… 🙂

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    1. Ja, seufz….man kommt nicht herum um ihn. Es ist schon penetrant, und im Supermarkt stehen die Fertiggerichte, von denen einen der Alfons angrinst mit einem Konterfei, das so retuschiert aussieht, das einem ganz anders wird. Aber die Rezepte, die haben eins a funktioniert.

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