Kochbuch-Rezension: Yemek – Rezepte aus Istanbul

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So, das wäre dann die letzte Rezension für diese Woche – es geht um türkische Küche. Istanbul ist ja weiterhin in aller Munde. Und so ist dieses schon das dritte Buch dieses Jahr, das sich mit der Küche in dieser quirligen Metropole befasst.

Und auch dieses Buch musste ich mir näher anschauen. Nicht nur, weil ich die türkische Küche so liebe. Da gibt es noch was –  eine der Autorinnen ist Isabel Lezmi, deren Blog „lecker lezmi“ ich so gerne lese. Die beiden anderen anderen Autorinnen sind die Grafikerin und Fotografin Lisa Rienermann und Veronika Helvacioglu, die schon seit 10 Jahren in Istanbul lebt.

Das Buch ist erst mal sehr hübsch und nimmt einen beim Blättern richtig gefangen: so wie das Titelbild ein wenig an ein Mosaik erinnert, so geht es innen weiter – es gibt viele schöne Fotos. Die Foodfotos sind schön, konzentrieren sich aber auf das Essen. So mag ich das. Aber es gibt noch viele andere Fotos – Szenen aus der Stadt, nette Fotos von den Autorinnen. Am besten gefallen mir die, ich habe es schon gesagt, mosaikartig gestalteten Seiten mit denen verschiedene Produkte vorgestellt werden. Im übrigen finde das Layout peppig, aber übersichtlich.

Nun zu den Rezepten: Die sind – eine schöne Idee –  nach Tageszeiten sortiert und nehmen uns mit auf einen Tagesausflug nach Istanbul. Von Morgens bis Nachts gibt es fünf Tageszeiten. Morgens gibt es logischerweise erst mal Frühstück. Da gibt es Mokka und Tee, meine heißgeliebten Fetabrötchen Pogaca und verschiedene Aufstriche. Mittags essen wir winzige Manti, Linsennocken oder Kalte Joghurtsuppe. Nachmittags ist Teatime: zum Tee gibt es die gefüllten Teigfladen Gözleme, Ofenmilchreis oder Karottenriegel. Abends gibt es Meze: Karottenjoghurt, Portulaksalat, Sardellen im Weinblatt mit Queller. Und die Nachtschwärmer stärken sich mit Pide, Lahmacun oder gefüllten Auberginen. Nun ist das ja nicht das erste türkische Kochbuch, das ich in den Händen halte. Wenn man sich schon ein wenig mit der türkischen Küche befasst hat, dann trifft man hier viele alte Bekannte wieder. Neuentdeckungen gab es trotzdem für mich: das liegt an den kleinen, liebevoll illustrierten (habe ich schon das Wort „Mosaik“ ins Spiel gebracht?) Kapiteln über Zutaten, Menschen und türkische Essgewohnheiten, die in den Rezeptteil eingeschoben sind. Da erfährt man Neues und Interessantes über Portulak, über gern verwendete Fische, über Oliven und Auberginen, über kulinarische Mitbringsel, über Streetfood…..und….lest einfach selbst.

Die Rezepte sind übersichtlich strukturiert und funktionieren….naja, bis auf eins….Als Dreingabe gibt es noch je einen Rezept-Index mit türkischen und deutschen Rezept-Namen und ein Zutaten-Glossar. Da wird praktischerweise immer mit angegeben, wie man nicht so leicht erhältliche Zutaten ersetzen kann.

karotten-joghurt

Das Ganze begann mit einem Fehlschlag. Die Bulgurklösschen sollten es sein. Diese Klösschen aus feinem Bulgur haben mich schon lange angelacht. Ich war misstrauisch, ob die Masse, die tatsächlich nur aus Bulgur, Wasser und Gewürzen besteht, tatsächlich hält und garte ein Probeklösschen, genauggenommen sogar zwei.. Das Probeklösschen hielt, und so machte ich mich fröhlich ans Formen der restlichen kleinen Klösschen. Und die haben sich beim Garen dann in Wohlgefallen aufgelöst. Und zwar alle. Wir haben etwas anderes gegessen – glücklicherweise finden sich ja in der Tiefkühle immer Überbleibsel vergangener Mahlzeiten 🙂 Das Karottenjoghurt, das Ihr auf dem Foto seht, wollte ich zu den Klösschen servieren – es hat auch ohne sie geschmeckt.

manti

Manti liebe ich, bin aber meist zu träge, sie zu machen. Denn die winzigen Teigtaschen machen richtig viel Arbeit. Bisher habe ich immer die klassischen Manti mit Hackfleischfüllung gemacht. Im Buch gibt es Manti mit Kartoffelfüllung; die musste ich probieren. Wir haben spät gegessen an diesem Abend, aber der Aufwand hat sich gelohnt. Nur die zu den Teigtäschchen servierte Paprikabutter fand ich nicht so toll: die wird mit Paprikapaste gemacht statt mit Pulver. Die Paste wollte sich in der geschmolzenen Butter so recht auflösen, später hat sich das ganze immer wieder getrennt. Paprikapulver funktioniert da besser.

pilaw

Der Streetfood-Pilaw ist eine einfache Sache: Gegarter Reis wird mit gegarten Kichererbsen gemischt. Dazu kommt zerfaserte Hühnerbrust, die mit Suppengrün gekocht wurde, und etwas von der so entstanden Hühnerbrühe. Sehr einfach, aber ein echtes Wohlfühlessen.

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Richtig klasse war die türkische Nusspizza: der Teig wunderbar zu bearbeiten, der Belag  – mit Walnüssen statt mit Hackfleisch – würzig und mit Biss. Diese Lahmacun-Variante wird es bestimmt noch öfter auf unseren Esstisch schaffen.

linsensuppe

Die Linsensuppe ist einfach und schnell gekocht. Langweilig ist sie dennoch nicht – dank einer Würzung mit Kreuzkümmel, Sumach und Paprikapaste. Minze und Petersilie tun ihr Übriges dazu, dass die Suppe richtig Spaß macht.

karottenkonfekt

Was Süßes zum Schluß – ein Konfekt aus Karotten. Dafür reicht ein Wort: Toll! Hier geht es zum Rezept.

Fazit? Ich vermute, Ihr habt gemerkt, dass ich Spaß an dem Buch hatte. Die Autorinnen nehmen uns mit auf eine (nicht nur) kulinarische Reise nach Istanbul. Man trifft viele türkische Rezept-Klassiker wieder und macht einige Neuentdeckungen. Die interessanten, schön gestalteten Einschübe zu Zutaten und türkischer Esskultur machen Spaß und das tut auch das hübsche, fröhliche Layout. Wer sich für die türkische Küche und Esskultur interessiert, der wird an diesem Buch seine Freude haben.

  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: Edel Germany;
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3841903112
  • 17,95
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9 thoughts on “Kochbuch-Rezension: Yemek – Rezepte aus Istanbul

  1. Ich liebe die orientalische und türkishe Küche ja auch sehr und so fand ich deine Rezension sehr spannend. Welches der Istanbul-Bücher, die du kennst, würdest du denn am meisten empfehlen? Besondere Highlights für mich wären: Viele vegetarische Gerichte und gern viele Süßspeisen und Gebäcke. 😉
    Wäre toll, wenn du mir einen Tipp geben würdest.
    Liebe Grüße, Becky

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    1. Hm, gar nicht so einfach. Also, die meisten vegetarischen Gerichte gibt es sicher in Yemek. Mir persönlich am besten gefällt das Buch von Andi Harris und David Loftus. Abgesehen von den schönen Rezepten ist das auch sehr liebevoll gemacht und gleichzeitig ein kleiner Reise- und Restaurantführer durch die Stadt.

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  2. Ich hatte es kürzlich schon in der Hand, aber eben, das meiste ist schon bekannt. Und ansonsten stimme ich wie Christine für die vegetarische Lamhacun. 🙂

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