Rezension: Obst und Gemüse als Medizin – Klaus Oberbeil, Dr. Christiane Lenz

Obst und Gemuese als Medizin von Klaus Oberbeil
Obst und Gemuese als Medizin von Klaus Oberbeil

Um dieses Buch bin ich ziemlich lange herumgetänzelt. Ein paar Jahre, genaugenommen. Die erste Auflage dieses Buches ist nämlich schon 2002 erschienen und das Exemplar, das nun vor mir liegt, ist eine aktualisierte Neuauflage. Nun habe ich aber vor einigen Monaten beschlossen, meinem Leben einen Schubs in eine andere Richtung zu geben und eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin begonnen. Da werden die Inhaltsstoffe von Obst und Gemüse dann nochmal ein Stück interessanter und deshalb habe ich mir das Buch jetzt mal näher angesehen.

Äußerlich ist es ein solide gemachtes Buch mit einem praktischen, freundlichen Layout. Die verschiedenen Kapitel sind mit unterschiedlichen Farben hinterlegt, das erleichtert die Orientierung. In den Texten weisen kleine Piktogramme den Weg. Und appetitanregende Fotos der einzelnen Obst und Gemüsesorten gibt es auch.

Inhaltlich ist das Buch grob in drei Teile geteilt: nach einer Einleitung, in der wir Wissenswertes über Vitamine, Mineralstoffe und Fette erfahren und in der erklärt wird, warum Bio-Lebensmittel gesünder sind als konventionell hergestellte, kommt ein Kapitel über Obst, eines über Gemüse und im Anschluß daran ein Kapitel mit den häufigsten Gesundheitsproblemen. In der Neuauflage gibt es außerdem noch einen Anhang mit Rezepten für die derzeit so hippen grünen Smoothies.

Die Kapitel über die Obst- und Gemüsesorten sind gleich aufgebaut. Behandelt werden Obst- und Gemüsesorten von Ananas bis Zitrone und von Agar-Agar bis Zwiebel. Da gibt es jeweils eine kurze Beschreibung des Obsts oder Gemüses, Informationen zu Herkunft, enthaltenen Wirkstoffen, zu Einkauf und Verarbeitung. Am oberen Seitenrand ist jeweils noch ein farblich abgesetzter Infokasten mit grundlegenden Informationen zur heilenden Wirkung.  Manchmal gibt es auch noch ein Rezept.

Ich picke mal ein Beispiel heraus: Erbsen mag doch im Grunde jeder, oder? Nun, wir erfahren vieles über dieses beliebte Gemüse. Zum Beispiel, dass sie viele B-Vitamine enthalten, besonders B1, das für eine stabile Stimmungslage und hohe Belastbarkeit sorgt. Erbsen wirken verjüngend und vitalisierend, helfen beim Muskelaufbau, senken das Cholesterin und aktivieren den Zellstoffwechsel. Das verdankt die Erbse ihrer speziellen Zusammensetzung von Magnesium und Nukleinsäuren und ihrem Ballaststoffgehalt. Im Mittelalter galt Sie als Zaubermittel gegen böse Geister. Es wird zu frischer Ware geraten, wenn es sie nicht gibt, sind TK-Erbsen akzeptabel. Erbsen nur kurz garen und in wenig Wasser, sonst ist es dahin mit den Wohltaten für die Nerven. Ich könnte noch eine Weile so weitermachen, es steckt sehr viel Information in den zweiseitigen Abhandlungen über die einzelnen Pflanzen.

Jetzt zum nächsten Teil des Buches: da geht es um häufige Gesundheitsprobleme und wie man mit Obst und Gemüse vorbeugen und heilen kann. Auch die Beschwerden sind alphabetisch geordnet von Akne  bis Zahnfleischentzündung.  Da werden Symptome und Ursachen beschrieben, es gibt Infos zur Entstehung und Behandlung – und natürlich erfahren wir, wie Obst und Gemüse helfen können. Hier gibt es auch jeweils ein Rezept.

Ich mache es mir einfach – ich picke wieder ein Beispiel heraus. Ich nehme mal…..Gelenkschmerzen. Ich spare mir die Beschreibung der Symptome und Ursachen und komme auf den Punkt: können Obst und Gemüse da helfen? Nun, die Tipps sagen zunächst, dass man bei Gelenkproblemem weniger Fleisch essen sollte, da eine darin enthaltene Fettsäure für Gelenkentzündungen mitverantwortlich ist. Essentielle Omega-Fettsäuren sind statt dessen angesagt. Die stecken in Mais, Soja, Oliven, Zwiebeln, Knoblauch und Bohnen sowie in Samen, Kernen und Keimen. In Spargel, Knoblauch, Pilzen und Kohl befindet sich eine ordentliche Portion Selen. Das schützt die Gelenkschmiere vor freien Radikalen, besonders, wenn man es mit Vitamin E aus Soja, Oliven und Pflanzenölen kombiniert. Vitamin C aus frischem Obst hemmt den schmerzerzeugenden Histaminausstoß und eiweißzersetzende Enzyme aus Ananas und Papaya helfen gegen Schwellungen. Ein Rezept gibt es auch: Spargelsalat mit Champignons und Tomaten.

Die in den einzelnen Kapiteln versteckten Rezepte sind einfach gehalten – es sind schnelle Alltagsgerichte, mit denen man sich mal eben etwas Gutes tun kann.  Der Schwerpunkt des Buches liegt für mich nicht bei den Rezepten, sondern auf den breit gefächerten Informationen – aber ein bisschen was musste ich doch ausprobieren.

karottensalat indisch

Den indischen Karottensalat zum Beispiel: dafür werden gegarte Karottenscheiben mit einem Dressing serviert, das mit Piment und Koriander abgeschmeckt wird. Etwas bitter-scharfes Blattgrün (original Brunnenkresse, bei mir Rucola) gibt einen zusätzlichen Kick.

tofu-stroganoff

Im Tofu-Strogonoff kommt der Tofu gleich zweimal vor: einmal püriert in der Sauce, das zweite Mal zusammen mit Pilzen als Einlage. Das wichtigste aber ist, dass er schmeckt. Wofür das Ganze gut is, erkläre ich Euch in aller Ausführlichkeit morgen 🙂

brokkoli-buttermilch-suppe

Auch die Brokkoli-Buttermilch-Suppe ist ein einfaches Gericht: Brokkoli wird gedämpft, dann mit Buttermilch und Gemüsebrühe zu Suppe verarbeitet. Die säuerliche Note der Buttermilch macht das Gericht schön frisch.

Jetzt brauchen wir noch ein Fazit: „Obst und Gemüse als Medizin“, der Titel ist vielleicht ein wenig hoch gegriffen. Niemand wird eine ernste Krankheit alleine dadurch heilen, dass er das „richtige“ Obst und Gemüse isst. Interessant ist das Buch dennoch, denn man erfährt viel Wissenswertes über die Inhaltsstoffe von Obst und Gemüse. Für mich ist das auch eine Motivationshilfe: klar esse ich gerne und viel Obst und Gemüse. Aber wenn ich konkret nachlesen kann, was ich mir mit einem Apfel so alles Gutes tue, dann ist das wirklich eine Motivation, noch mehr davon zu essen. Und auch bei dem einen oder anderen Zipperlein kann man vobeugen oder Linderung schaffen. Insgesamt also ein empfehlenswertes Buch  für alle die sich näher mit den Inhaltsstoffen und von Obst und Gemüse und ihren Wirkungen beschäftigen möchten.

  • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
  • Verlag: Südwest Verlag (2. März 2015)
  • ISBN: 978-3517093048
  • 24,99

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17 thoughts on “Rezension: Obst und Gemüse als Medizin – Klaus Oberbeil, Dr. Christiane Lenz

  1. Das ist ja spannend, dass Du so eine Ausbildung machst, Susanne, ganz viel Erfolg dafür! Das Buch klingt sehr interessant. Ich denke zwar, dass man mit einer einzelnen bestimmten Sorte weniger erreicht als mit einer generell Obst- und Gemüse-lastigen Ernährung. Kann ja aber trotzdem nicht schaden zu wissen, was die jeweiligen Pflänzchen so alles können, daher merke ich mir den Titel mal. Und werde jetzt ganz viele Erbsen essen für einen jugendlichen Teint ;-). Lieben Gruß!

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    1. Hihi, viel Spaß mit den Erbsen 🙂
      Ich denke auch, dass es beim Essen die Mischung macht. Nicht nur, was die Wirkstoffe angeht – der Spaß soll ja auch nicht zu kurz kommen 🙂

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  2. Viel Erfolg bei der Ausbildung! Die Inhaltsstoffe der Lebensmittel mögen gleich geblieben sein, ich habe da als Machwerk den Souce Fachmann Kraut, aber die Bewertung der einzelnen Stoffe wird alle naselang – je nach Politik, Wetter, Ernährungshype etc. neu bewertet. Aber der alte Spruch auf den Obsttüten ist wohl immer noch richtig: Esst mehr Obst (und Gemüse) und ihr bleibt gesund 😉

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  3. Ich wünsche dir ganz viel Glück und Erfolg mit dem „neuen Schubs“, liebe Susanne.
    Mich hast du nun doch mal wieder erwischt und angeschubst. Ich werde deinen Blog nun definitiv auf meine Liste „der gefährlichen Blogs“ setzen, denn schon wieder MUSSTE ich ein neues Buch bestellen 😉 )))

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  4. Wie kamst du auf die Idee zur Ausbildung?
    Das Thema der inhaltsstoffe fasziniert mich schon seit Jahren, schade finde ich bloß, dass alle paar Jahre für „wahr“ Befundenes revidiert wird und immer wieder neue Teorien aufkommen. Das hat mein Interesse etwas erlahmen lassen. Nun lasse ich mich von meinem Bauchgefühl und meinem Appetit leiten und seitdem (gut 2,5 Jahre) hatte ich noch nicht einmal einen Schnupfen… 😉

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    1. Ach, das treibt mich schon lange um. Mein alter Job ist so weit weg….und ich hatte immer diese Idee im Kopf….“irgendwas mit Lebensmitteln“. Hab mich aber nie getraut. Den letzten Kick hat mir dann mehr oder wenig zufällig eine bloggende Kollegin gegben.
      An das Bauchgefühl glaube ich auch….und an die ständig aufkommenden neuen Theorien nicht. Aber wenn man sich so anschaut, wie sich ein Großteil der Leute ernährt, dann kann es wohl nicht schaden, wenn jemand dabei hilft, das Bauchgefühl wiederzufinden.

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  5. Na, das ist ja mein Thema- wobei ich einen Zugang zu einer riesigen Lebensmittel-Datenbank habe mit der ich arbeite wenn ich Ernährungstipps gebe. Viel Glück für deine Ausbildung!

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