Kochbuch-Rezension: Das Buchweizen-Kochbuch * Karin Marek, Thomas Deutsch

Marek_Buchweizen

Meine Liebe zum Buchweizen begann auf der allerersten Bretagne-Reise mit der allerersten Galette. Seitdem mag ich nicht nur die herzhaften, dünnen Pfannkuchen, sondern auch den nussigen, leicht erdigen Geschmack des Buchweizens. Ich habe immer ein Päckchen davon zuhause und benutze ihn für alles Mögliche. Ein Buch, in dem Buchweizen der Hauptdarsteller ist, interessiert mich also sehr.

Ich fange wie gewöhnlich außen an: das Buch hat ein praktisches, handliches Format, etwas größer als DIN A 5. Das Layout ist klar und übersichtlich: am Rand die fett gedruckten Zutatenlisten, in der Mitte der Seite die Arbeitsanleitungen. Das Buch ist eine Neuauflage aus dem Jahr 1995 – und das merkt man an den Fotos; die sind etwas aus der Zeit gefallen. So mancher Teller, auf dem das Essen präsentiert wird, würde heute seinen Weg wohl nicht mehr auf unsere Esstische finden und auch das Styling wirkt etwas bieder.

Aber nun, es kommt ja auf den Inhalt an. Der beginnt mit einer sehr ausführlichen Einführung zum Thema Buchweizen. Wir erfahren zuerst etwas über Geschichte und Anbau, dann über die gesundheitliche Bedeutung. Da geht es zum Beispiel um die optimale Aminosäurezusammensetzung des Buchweizens – das Korn enthält alle 8 essentiellen Aminosäuren; besonders erwähnenswert ist hier das Lysin. Das kommt in anderen pflanzlichen Lebensmitteln nur eingeschränkt vor; Buchweizen ist also für besonders für Vegetarier eine wertvolle Quelle. Mit seinen Inhaltsstoffen stärkt Buchweizen die Funktionen von Gehirn und Nerven und unterstützt Hautfunktionen und Immunsystem.

Klingt gut, oder? Essen wir also Buchweizen. Damit das nicht langweilig wird, brauchen wir Rezepte. Der Rezeptteil beginnt mit Grundrezepten, auf die später immer wieder zurückgegriffen wird: Crêpeteig, Blini, Hefeteig, außerdem zwei Grundrezepte für Grütze und ein Nudelteig.

Der eigentliche Rezeptteil ist dreigeteilt: zunächst gibt es schnelle Gerichte für jeden Tag. Da finden wir zum Beispiel einen Walnuss-Cognac-Aufstrich, Tomaten-Buchweizen-Suppe mit verlorenen Eiern oder einen süßen Buchweizenschmarren. Danach kommen etwas aufwändigere Rezepte: Buchweizen-Zucchini-Soufflé, eine Winterlasagne oder Kastanien-Buchweizen-Kroketten. Im dritten Teil geht es um traditionelle Rezepte: Brot, Pizoccheri, Crêpes oder Heidensterz.

Die Rezepte sind gut strukturiert und funktionieren vernünftig. Einzig bei den Rezepten für Hefeteig bin ich etwas ins Straucheln geraten…die finde ich unübersichtlich. Die Zutatenliste ist da immer unterteilt in Vorteig und Hauptteig. Die gesamte Mehlmenge steht aber unter Vorteig, das führt dazu, dass ich beim Bereiten des Hauptteigs stirnrunzelnd nach der zuzugebenden Mehlmenge gesucht habe. Für mich ist es außerdem so, dass so manches Rezept gerne noch einen kleinen Zusatzkick vertragen könnte – mit Gewürzen wird eher sparsam umgegangen.

Bei vielen Rezepten finden wir zusätzliche Tipps oder Variantionsmöglichkeiten. Abgeschlossen wird der Rezeptteil durch ein nach Gerichtgruppen geordnetes Register.

buttermilch-gewürzbrot

Das Buttermilch-Gewürzbrot sah auf dem Foto nicht eben vielversprechend aus: flach und mit einer sehr festen Krume. Beim Zusammenrühren des Teiges war mir klar, warum: sehr viel Hefe, viel zu wenig Flüssigkeit. Ich musste ordentlich mehr Flüssigkeit nehmen. Und in einer Auflaufform habe ich das Brot auch nicht gebacken. So ist es dann ein einfaches, aber gutes Brot geworden.

poffertjes

Poffertjes sind diese kleinen Pfannkuchen aus Hefeteig aus den Niederlanden. Eigentlich braucht man dafür eine spezielle Pfanne mit Vertiefungen. Wenn aber die Teigkonsistenz stimmt, dann bekommt man es auch ohne Spezialwerkzeug hin – und das war bei diesem Rezept der Fall.

buchweizen-pasta

Nudeln aus Buchweizen mag ich sehr gern. Am Selbermachen reiner Buchweizennudeln bin ich schon öfter gescheitert. Im Buch wird eine Mischung aus Buchweizen- und Weizenmehl verwendet; das funktioniert gut. Ich habe etwas weniger Flüssigkeit gebraucht als im Rezept angegeben, aber das hängt ja immer auch vom verwendeten Mehl ab. Das Topping aus Walnüssen und Zitrone war auch fein.

käse-pfefferminz-beutel

Teigtaschen – müssen probiert werden. In diesem Käse-Pfefferminz-Beutel. Der Teig ließ sich wunderbar verarbeiten; mit der Füllung war ich nicht ganz zufrieden. Diese besteht aus Hüttenkäse, Minze und Eigelb. Das Eigelb machte sie ziemlich flüssig; die Füllung zeigte deutliche Fluchtreflexe, wenn man die Taschen füllen wollte. Ich konnte nur sehr wenig Füllung in die Taschen geben, damit nicht alles wieder herausläuft. Beim nächsten Mal würde ich das Eigelb einfach weglassen.

Fazit? Das ist ein sehr umfassendes Buch über Buchweizen mit einem ausführlichen, interessanten Grundlagenteil und vielfältigen Rezepten, die gut umsetzbar sind. Wer gerne Buchweizen mag, findet eine schöne Ideensammlung vor. Für mich könnten manche Rezepte etwas mehr Kick vertragen – ein wenig mehr Gewürz. Wichtig ist in diesem Zusammenhang – nicht alle Rezepte sind glutenfrei, es wird bei Backwaren und Pasta in der Regel mit einer Mischung aus Buchweizen- und Weizenmehl gearbeitet. Kleinere Schwächen gibt es außerdem bei der Optik.

  • Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
  • Verlag: Stocker, L; Auflage: 2
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3702008628
  • 14,95
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11 thoughts on “Kochbuch-Rezension: Das Buchweizen-Kochbuch * Karin Marek, Thomas Deutsch

  1. Ich hoffe auf das eine oder andre rezept.. Poffertjes? Galettes`Mein erster Buchweizen-Versuch führte nämlich dazu dass
    er gänzlich aus der Küche verschwand…

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    1. Poffertjes? Gerne 🙂 Das Galette-Rezept habe ich nicht ausprobiert, das nehme ich immer von woanders: Für ca. 16 Crêpes brauchst du 200 g Buchweizenmehl, 90 g Weizenmehl, 1 Ei, 500 ml Milch und 1 Prise Salz, daraus rührst Du einen Pfannkuchenteig. Den lässt Du eine Stunde ruhen. Danach kannst Du die Galettes backen.

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  2. Aus der Zeit gefallen?? Hihi. Das erste, was ich beim Anblick des Covers dachte, war, hey, das sieht so ähnlich aus wie mein „Biologisch Backen“ aus den 80ern. Wobei es natürlich auf den Inhalt ankommt und der scheint gut zu sein. 🙂

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    1. Ich hab mich um eine neutrale Formulierung bemüht 🙂
      Der Inhalt ist in Ordnung. Aber ich habe festgestellt, dass sich die Fotos auf die Lust aufs Nachkochen aus auswirklen. Wenn keine Fotos da sind, ist es mir meist egal, aber wenn sie so altbacken daherkommen, muss ich mich zusammenreissen 🙂

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