[Kochbuch]: A modern way to eat * Anna Jones

A Modern Way to Eat von Anna Jones

„…aber ich finde auch, dass Essen eine fröhliche Angelegenheit sein sollte – und sobald Regeln, Druck und starre Ernährungskonzepte ins Spiel kommen, geht der Spaß flöten. Ich ernähre mich fast immer gesund, bin jedoch davon überzeugt, dass Essen ein Teil unseres so wunderbar perfekten Menschseins ist. Dieser unwiderstehliche Brownie mit Salzkaramell hat daher seine Daseinsberechtigung neben der „korrekten“ Schüssel voll Körner und Grünzeug.“

Anna Jones ist Köchin, Autorin und Foodstylistin aus Berufung. Ursprünglich hatte sie etwas anderen gelernt. Und an einem tristen Arbeitstag ihren Job gekündigt, um ihren Leidenschaften zu folgen – kochen und essen. Angefangen hat sie in Jamies Olivers „Fifteen“; und letztlich hat sie einige Jahre für ihn als Autorin und Foodstylistin gearbeitet, bevor sie sich selbständig machte. Dieses Buch hier ist ihr erstes eigenes.

Ich fange wie üblich von außen an: das Buch gefällt mir. Ich mag die hochwertige Aufmachung mit Leinenrücken und Lesebändchen. Das Layout ist sehr ruhig: mattes Papier, gedeckte Farben, keine zuwilde Mischung an Schrifttypen. Die Fotos sind hübsch, aber nicht überfrachtet. Einen Zusatzbonus gibt es auch noch: das Buch wurde ganz nachhaltig auf Papier gedruckt, das komplett aus Apfelresten hergestellt wurde.

Jetzt zu den Rezepten: wir unterhalten uns über ein vegetarisches Kochbuch. Die Rezepte sind nach Themenblöcken gegliedert: Frühstück, Zwischenmahlzeiten, Suppen, Salate, einfache, schnelle Gerichte, Herzhaftes, Gemüsebeilagen, Nachtisch, Brot und Kuchen und auch Getränke und Rezepte für den Vorrat. Äh…ja. ich habe ja die Eigenart, Dinge, die ich irgendwann mal ausprobieren möchte, mit diesen kleinen Klebezetteln zu markieren. In diesem Fall hätte ich das besser anders gemacht und nur das markiert, was mich nicht anspricht. Kostproben? Eggs Bénédict mit grösteten Süßkartoffelscheiben statt Brot und einer Mayonnaise aus Avocado und Cashews, Walnuss-Misobrühe mit Udon-Nudeln, Röstpaprika-Eintopf mit Halloumi, Popcorn-Tacos, grüne Gemüse-Puffer, Zitronen-Mangold-Aloo, Kardamom-Karottenküchlein mit Ahorn-Topping….

Gut, ich habe ein bisschen was gekocht. Und dabei, meinem Gefühl nach, diesmal wirklich nur an der Oberfläche gekratzt:

kartoffelplätzchen mit dosa-gewürz

Die Kartoffelküchlein mit Dosa-Gewürz sind genau meine Kragenweite. Aromatisiert werden sie mit Senfsaat, Kurkuma und Curryblättern, dazu gibt es Avocado und schnelle Gurken-Pickels. Obwohl der Kartoffelmasse kein Bindemittel zugesetzt wird, haben die Küchlein einwandfrei zusammengehalten.

tomaten-kichererbsensuppe

Tomaten-Kichererbsen-Suppe mit Salzzitrone – wunderbar aromatisch. Die Suppe wird hergestellt auf der Bais von Dosentomaten, dazu gesellt sich Salzzitrone (in meinem Fall Salz-Kumquat).  Für Sättigung sorgen Kichererbsen und Fregola Sarda. Und dann noch ein zusätzlicher Kick durch Safran-Joghurt mit etwas Knoblauch. Ein Essen für jeden Tag mit dem gewissen Etwas.

tarte mit braunem zucker

Es gibt eine Menge Süßkram in diesem Buch, und an fast jedem Rezept klebt ein Zettelchen in meinem Exemplar. Ausprobiert habe ich die Tarte mit braunem Zucker: der Boden besteht aus Haferflocken, die fein vermahlen werden, etwas Mehl, Kokosöl und Honig. Auf den vorgebackenen Boden kommt eine Füllung aus Pecannüssen (bei mir Walnüsse), Rohrohrzucker (bei mir Rapadura) und Kokosöl – kompakt, karamellig und unwiderstehlich. Die Füllung allerdings ließ sich nicht, wie im Rezept angegeben, aufschlagen. Dazu war zu wenig Flüssigkeit dran.

zucchini-polpetti

Zucchini-Polpetti – die waren auch toll. Die Bällchen werden aus gegarten Linsen, Ricotta, Semmelbröseln, reichlich Petersilie Minze und natürlich Zucchini gemacht; sie sind fluffig und aromatisch. Der Clou ist das dazu servierte Pistazien-Pesto.

süß geschmorter fenchel

Fenchel ist oft ein eher weniger gern gesehenes Gemüse. Hier wird er in dicke Scheiben geschnitten, kräftig angebraten und dann mit etwas karamellisiertem Zucker, Fenchelsaat und Chili weitergeschmurgelt. Das steht dem Fenchel und unterstreicht sein Aroma perfekt.

Die Rezepte sind gut strukturiert und funktionieren. Zu jedem Rezept gibt es eine nette, sehr persönlich geschriebene Einführung: wir erfahren Wissenswertes über Rezept und Zutaten, aber auch über die persönlichen Vorlieben der Autorin. Es macht großen Spaß das zu lesen. Außer den Rezepten gibt es auch immer wieder Doppelseiten mit Grafiken: da findet man einen Saisonkalender, Infos, wie man ein Rezept selbst kreiert, und immer wieder so etwas wie Baukästen: für Suppe, für Pesto, für Hummus….da ist viel Inspiration zu finden. Außerdem im Programm: ein gut funktionierendes Register sowie Verzeichnisse der veganen und glutenfreien Rezepte.

Fazit? Im Grunde folgt Anna Jones mit ihrem Buch ja einem Trend….ich werfe ein paar Schlagworte in die Runde: vegetarisch, vegan, Superfood, glutenfrei, Clean Eating – um all das geht es. Da ist es fast ein Wunder, dass ich das Buch trotzdem mag. Ich bin sogar geneigt, von einem „Must-Have“ zu reden. Aber dafür gibt es gute Gründe: das Buch folgt nicht irgendeinem hippen Ernährungskonzept – es stellt Spaß und Genuss in den Vordergrund. Enstsprechend viel Freude machen die Rezepte – da gibt es keinen Mainstream, es ist immer eine Idee dabei, die das Rezept zu etwas Besonderem macht. Also kurz gesagt: wer auf der Suche nach Inspiration für eine originelle, gut umsetzbare vegetarische Alltagsküche ist, der kaufe dieses Buch.

  • Gebundene Ausgabe: 360 Seiten
  • Verlag: Mosaik
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3442392865
  • € 19,99

 

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7 thoughts on “[Kochbuch]: A modern way to eat * Anna Jones

  1. Also, wenn du das Gelingrezept für Masala Dosas beisammen hast, dann melde ich mich gerne zum Probeessen an 🙂 Habe zwei, drei Rezepte aus Indien mitgebracht, aber bisher hatte ich noch keine Zeit zum Ausprobieren. Evt. fehlt mir aber auch die typische Riesenpfanne, die sie da verwenden 😉

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  2. Cooketeria war nicht so begeistert wie du, oder erinnere ich das falsch? Ich halte wie immer Ausschau, weißt schon. 😉
    Und derweil hätte ich großes Interesse an der Tomaten-Kichererbsen-Suppe!

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  3. Beim Betrachten des Titels dachte ich ebenfalls, vegetarisch geht ja noch, vegan schon eher nicht- was du aber schreibst gefällt mir doch außerordentlich gut, – wenig Kohlehydrate ist nur ein Stichwort.
    Kann ich bittebitte gleich sofort die Acocado-Mayo haben, also das Rezept? Mir liegt hier eine Avocado im Kühlschrank die dringend weg muß…

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    1. Für die Hollandaise brauchst Du 1/2 Avocado, 1 Handvoll Cashews, über Nacht in Wasser eingeweicht, Estragon oder Dill und den Saft einer halben Limette. Die Cashews lässt Du abtropfen und mixt sie zu einer krümeligen Paste, gibst Du die restlichen Zutaten dazu und mixt weiter, bis alles eine Paste ist. Wenn Du noch etwas warten kannst – morgen kommt ein anderes Rezept mit Avocado.

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