Kochbuch: Ein Sommer wie damals * Claudio Del Principe

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„Was ich fast noch mehr liebe als den Kaffeeduft am Morgen, ist der Geruch vom ausgehenden Streichholz, mit dem man in der Ferienwohnung den Gasherd angezündet hat, um die Moka Express zu befeuern. Jetzt kann der Tag kommen.“

Das Buch kam überraschend. An einem dieser Frühlingstage an denen vom Frühling nicht viel zu spüren war. Trübe, kalt, dunkel war es. Da ist ein Buch, in dem es um einen Sommer in Italien geht natürlich eine erfreuliche Sache. Es wurde gleich ein wenig heller 😉

Geschrieben hat das Buch Claudio del Principe – den muss ich Euch doch vermutlich nicht mehr vorstellen, oder? Sein Blog gehört zu denen, die ich immer unbedingt lesen muss. „Ein Sommer wie damals“ ist immerhin schon sein drittes Buch.

Schön ist es geworden. Die Ausstattung ist so hochwertig, wie man es vom Brandstätter Verlag gewohnt ist: stabiler, hochwertiger Einband mit Prägung, Fadenbindung, mattes, dickes Papier und drei (!) Lesebändchen in den italienschen Nationalfarben. Das Buch hat eine schicke Bauchbinde – es wird sich erweisen, wie gut die den Einsatz in der Küche übersteht. Einen kleinen Minuspunkt gibt es – das Buch bleibt nur sehr ungern aufgeschlagen liegen, sowas ist in der Küche etwas lästig.

Fotos? Gibt es! Claudio hat sie selbst gemacht: Food-Fotos von den gekochten Gerichten, Fotos von verwendeten Produkten, von Menschen, Landschaften – alle sind wunderbar und verstehen es, Appetit und Fernweh zu wecken.

Jetzt aber mal zum Inhalt. Worum geht es? Wir sprechen nicht von (noch) irgendeinem italienischen Kochbuch. Vielmehr geht es um ein Gefühl, um die Erinnerung, die geweckt wird, wenn man an einen Urlaub in Italien denkt. Claudio ist seinen Erinnerungen hintergereist und wir dürfen  mitreisen durch sein Italien. Natürlich stehen die Rezepte im Mittelpunkt. Die sind nach der klassischen Speisefolge geordnet: Antipasti, Primi, Secondi und natürlich Dolci. In den Kapiteln gibt es kleine Schwerpunkte: Focaccie und Pizze, Pasta und Risotti zum Bespiel. Ich habe ja die Eigenart, so kleine Klebezettel zum Markieren interessanter Rezepte zu benutzen  – und davon hat es noch einige in dem Buch. Wenn es endlich tolle Tomaten gibt muss ich noch die Foccacia barese machen, die Crespelle-Timbale mit Fisch wartet auf ihren Einsatz, die Kichererbsenpizza mit Artischocken, das Risotto mit Sepiatinte…..und, und, und.

Mit gefällt die Mischung der Rezepte. Bekannte Klassiker wie Saltimbocca alla Romana sind dabei aber auch mir bisher unbekannte Ideen wie Olivenblätter(pasta) mit Steinpilzen und Garnelen. Oft ist es eine unkomplizierte Küche, bei der die Qualität der verwendeten Produkte das Entscheidende.

Wobei das Buch sich nicht auf Rezepte beschränkt – es gibt auch viele Geschichten und Hintergrundinformationen. Claudio hat einen Bäcker besucht, der mit einem lievito madre backt, er erzählt, warum es gut ist, das in italienischen osteria die Frauen in der Küche das Sagen haben, geht der Frage nach ob es nun Alice oder Acciuga heißt und so vieles mehr. Es macht Freude, das zu lesen. Kurzurlaub, so fühlt sich das an. Und als Extra gibt es ausserdem noch eine Playlist mit den liebsten Urlaubsliedern. Ich hab sie mir auf Spotify zusammengestellt und beim Kochen gehört. Das macht Laune.

Die Rezepte sind vernünftig strukturiert. Bis auf ein paar Kleinigkeiten hatte ich keine Schwierigkeiten beim Ausprobieren. Der Rezeptteil wird abgeschlossen durch ein Register  – leider gibt es da „nur“ die Rezepte in alphabetischer Reihenfolge und nicht auch einen nach Zutaten geordneten Teil. Ihr wisst ja  – Register sind mein Steckenpferd….

thunfischbällchen

Bällchen sind hier immer sehr beliebt; also habe ich mich erst mal über die Thunfischbällchen mit Tomatensauce gemacht. Thunfisch, etwas Kartoffel, Ei und Parmesan sind in der Masse. Die Masse hatte genau die richtige Konsistenz und die Bällchen haben gut geschmeckt. Sie sind sehr reichhaltig – 8 Bällchen gibt die Masse her, jeder von uns hat nur eines geschafft.

zucchini-krapfen

Sucht Ihr schon nach Ideen für die Zucchini-Schwemme? Wie wäre es mit Zucchini-Krapfen an Zucchini-Creme? Die sind toll. Dünne Scheiben Zucchini, frittiert in einem Ausbackteig. Fein und luftig. Auch die Creme hat es hier sicher nicht zum letzten Mal gegeben. Kleines Manko: in der Zutatenliste kommt eine gekochte Kartoffel vor, im Rezept nicht. Ich bin mal davon ausgegangen, dass sie zur Bindung unter die Creme gemixt wird.

pasta genovese

Pasta Genovese – im Grunde ist das eine Zwiebelsauce. Die Zwiebeln werden geschmort, bis sie süß und cremig sind. Im Buch gesellt sich am Ende Thunfisch dazu. Ich habe die alternative Zubereitung mit Rindfleisch gewählt. Die falsche Pasta-Sorte hatte ich auch; Ziti waren gerade nicht aufzutreiben. So oder so – das Gericht ist ein Traum. Sagt eine, die Zwiebeln durchaus verhalten gegenüber steht.

Selbstgemachte Pasta darf natürlich nicht fehlen, wenn es um italienische Küche geht. Mein Mann durfte aussuchen und er hat sich für die weiße Lasagne entschieden – was ganz gewiß kein Fehler war.

reis mit kartoffeln und muscheln

Reis mit Kartoffeln und Muscheln klingt erst mal ungewöhnlich? Die Mischung aus Risotto und Auflauf ist aber ein richtig schönes, rustikales Wohlfühlessen.

Fazit? Ein Buch für Italienfans wollte ich eigentlich schreiben. Stimmt aber nicht. Ich bin mir nämlich recht sicher, dass das Buch auch geeignet ist, Italienskeptiker (gibt es doch, oder?) zu Fans zu machen. Das liegt zum einen an den Rezepten, die so machen Schatz beinhalten, aber auch an den Bildern und Geschichten. Und nicht zuletzt an der Begeisterung und der Liebe, mit der Claudio den Sommer in Italien beschreibt.

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Brandstätter Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3850339681
  • 29,90
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15 thoughts on “Kochbuch: Ein Sommer wie damals * Claudio Del Principe

  1. Sehr gelungene Rezension! Ich habe das Buch schon auf dem Schirm. Und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch nie wirklich in Italien war… wird vielleicht diesen Herbst geändert. 🙂

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  2. Zum Glück ist Italien das am häufigsten vertretene Land in meiner Kochbuchabteilung, daher lese ich deine Rezension ausnahmsweise mal mit einem nicht zuckenden Bestellfinger, sondern genieße einfach, was du da schreibst. 🙂

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