Kochbuch: Hayas Küche * Haya Molcho

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Sommerferien! Das wurde aber auch wirklich Zeit. Hier wird es ein wenig ruhiger werden als sonst üblich. Zum Ferienstart stelle ich Euch aber erst mal ein Buch vor, das durchaus geeignet ist, Urlaubsstimmung zu verbreiten:

Ich hatte ja schon einmal ein Buch von Haya Molcho in den Fingern. Die Ideen darin haben mich begeistert, die Umsetzung nicht. Eigentlich wollte ich mir kein weiteres Buch von ihr ansehen, aber Susis Begeisterung hat mich neugierig gemacht.

Muss ich Haya Molcho noch vorstellen? Dann mache ich das hiermit: Haya wurde in Tel Aviv geboren. Ihr Leben wurde anfangs geprägt von vielen Wohnortwechseln und Reisen. Später heiratete sie den Pantomimen Samy Molcho. Sie begleitete ihn bei seinen Tourneen und beschäftigte sich dabei immer mit den Küchen der bereisten Länder. Haya Molcho hat 4 Söhne: Nuriel, Elior, Nadiv und Ilan. Die Anfangsbuchstaben der Vornamen ergeben zusammen den Namen ihres 2009 am Naschmarkt in Wien eröffneten Restaurants NENI.

Hayas Küche ist ein hübsches Buch geworden: es ist großformatig, in stabile Pappe gebunden und bleibt wunderbar aufgeschlagen liegen. Der dicke Pappeinband in Kombination mit mattem Papier, ruhigem Layout in gedeckten Farben und großformatigen Food-Fotos wirkt natürlich und hochwertig und lädt zum Blättern und Stöbern ein. Fotos von der Familie Molcho und von Lebensmittelproduzenten machen das Buch sehr persönlich.

In diesem Buch stellt uns Haya Molcho die Inspiration für ihre tägliche Küche vor. Es gibt vier Kapitel: Frühstück und Snacks, Salate und Suppen, Hauptgerichte und Desserts. Jedes Kapitel ist einem Sohn zugeordnet: So ist Nuriel der Frühstücksexperte, der auch ein Vorwort zu diesem Kapitel geschrieben hat und kleine Details des Molchoschen Familienlebens preisgibt. Beispiele: Im Frühstücks-Kapitel warten Burekas, Haferflocken-Rote-Bete-Müsli oder Shakshouka auf uns. Bei den Salaten und Suppen gibt es Feigen-Kaktusfrucht-Salat, Käferbohnensalat mit Flanksteak oder Mungbohnen-Curry-Suppe. Die Hauptgerichte warten auf mit Koreanischem Crispy-Chicken, Persischem Reis mit Safran-Huhn, Makhni mit Paneer oder Oktopus-Ceviche.  Und Süßmäuler finden Rezepte wie Semifredo-Schokotorte, Karotten-Ananas-Kuchen oder Blumigen Couscous.

Abgeschlossen wird der Rezeptteil durch ein Glossar in dem wir Wichtiges über Lagerung, Frische und Zubereitung von Lebensmitteln erfahren. Zwei Register, eines nach Gerichten und ein alphabetisches sowie ein Nachwort von Sami Molcho runden das Buch ab.

Die Rezepte sind ordentlich strukturiert und funktionieren. Die Mengen sind auf eine Großfamilie mit hungrigen Jungs abgestimmt, aber das kann man ja herunterrechnen. Inhaltlich sind die Rezepte orientalisch inspiriert, aber dennoch eine bunte Mischung aus allen möglichen Ländern. Ihr erinnert Euch an Daniel Kohn-Bendit und den Begriff „Multi-Kulti“? Der passt hier.

Ich habe mich anfangs etwas am Untertitel des Buches gestört: regionale Produkte, orientalische Rezepte, so steht es da. So unglaublich regional sind Auberginen, Tahin und Curry ja nun nicht. Aber gemeint ist etwas anderes: Haya Molcho stellt in kurzen Kapiteln ihre Einkaufsquellen in Wien vor: Gemüse von Serkan und Yusuf Bulut oder Käse von Robert Paget. Wer ihn Wien wohnt, findet hier gute Einkaufsideen, alle anderen lesen die schönen Portraits und erfreuen sich an den Fotos.

brot

No Knead Bread und ich – das ist kein besonders gutes Team. Und so ist mein erster Versuch auch gründlich schief gegangen. Es hatte sich Flüssigkeit abgesetzt nach dem Gehen und aus dem Topf kam ein Fladenbrot.  Ich war mir aber sicher, dass das nicht am Rezept liegt, die angegebene Flüssigkeitsmenge ist zwar hoch, aber nicht zu hoch. Ich wollte es wissen und wagte einen zweiten Versuch. Der hat dann überzeugt – sowohl optisch als auch geschmacklich.

karamellisierte auberginen

Die karamellisierten Auberginen gehen beim Rennen um das schönste Essen bestimmt leer aus – geschmacklich sind sie aber toll – ein wenig scharf (dank Harissa), ein wenig süß. Da braucht man nichts anderes mehr.

jemenitisches brot

Kubbaneh sind kleine Brotschnecken aus dem Jemen. Sie sind leicht süß und wunderbar zart und fluffig. Das Geheimnis, das darin steckt? Nun, das ist eine gewisse Menge Butter 😋.

chraime mit mabucha

Matbucha  – das ist marokkanischer Tomatensalat. Die Tomaten werden mit reichlich Chili und Knoblauch im Ofen geschmort – es ist also eigentlich eher eine Soße. Eine der Verwendungsmöglichkeiten ist Chraime mit Matbucha – weißer Fisch wird im Ofen auf einem Bett aus der Tomatensauce gegart. Das ist köstlich und steht – wenn man die Soße im Vorrat hat – rasch auf dem Tisch. Allerdings haben alle außer mir etwas Feuer gespuckt.

mais-falafel

Die Mais-Falafel sind ein Geniestreich: Mais aus der Dose, gemahlenes und ganzes Popcorn machen zusammen mit Gewürzen die Masse aus; das schmeckt nicht weniger als genial. Ich habe die Falafel mit dem restlichen Matbucha serviert, da hat die Schärfe dann auch gut gepasst.

Fazit: das ist ein Buch mit schönen Ideen für eine bunte, fröhliche Alltagsküche. Es gibt eine Vielfalt an gut funktionierenden Rezepten für jeden Gusto und für jeden Anlass. Auch Vegetarier werden fündig.

  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Südwest Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3517094243
  • € 29,99