Kochbuch: Hand in Hand

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….Spitzenköche und Flüchtlinge gemeinsam am Herd, so der Untertitel des Buches.

Das ist eine tolle Idee, die vier Studenten der Hotelfachschule Heidelberg im Frühjahr 2016 hatten. Sie wollten etwas beitragen zum Brückenschlag zwischen den Kulturen und hatten die Idee, das über das Kochen und Essen zu tun. Sie haben Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern mit Spitzenköchen zusammengebracht.  Das Ganze war ursprünglich als kleines Studienprojekt gedacht, aber das Echo war großartig, und so wurde ein Buch daraus.

Es geht in diesem Buch nicht nur um das Kochen, auch wenn man viele Rezepte darin findet. Für mich geht es hauptsächlich  die Menschen. Vorgestellt werden Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, aus Afghanistan und Pakistan, aus Nepal, Marokko und Gambia. Zunächst gibt es zu jedem Land ein ausführliches Portrait: Lutz Jäkel stellt die Länder mit Ihrer Geografie, ihrer Geschichte und ihrer Esskultur vor. Pro Land kommen bis zu drei Flüchtlinge zu Wort: sie erzählen von ihrem Leben in der Heimat, warum sie dort nicht mehr bleiben konnten und wie ihre Flucht verlief. Die Fluchtgeschichten sind zum Teil dramatisch – ich habe mehr als einmal schwer geschluckt. Es macht einen Unterschied, ob man solche Geschichten in den Nachrichten hört oder ob man sie von tatsächlich Betroffenen erzählt bekommt. Die Not bekommt ein Gesicht – und ich glaube, das ist bitter nötig.

Es konnten sehr viele Köche für das Projekt gewonnen werden – 50 an der Zahl sind es. Die Bandbreite ist groß  – sie reicht von Joannis Malathounis über Frank Oehler und Sonja Baumann bis hin zu Nils Henkel. Jeder Koch wird kurz vorgestellt, erzählt von seiner Motivation, an dem Buch mitzuwirken, und von seiner Beziehung zu Flüchtlingen. Und steuert natürlich ein Rezept bei.

Was für ein gelungener Übergang zu den Rezepten 😉 . Jeder Flüchtling präsentiert ein Rezept aus der Heimat. Das sind klassische, einfache Gerichte. Halt das, was man vermisst, wenn man weit weg ist von Zuhause. Ich kenne das von früher: ich habe im internationalen Studentenwohnheim gewohnt. Die Mitbewohner von weit her waren die, die immer in der Küche standen, weil sie das Essen von Zuhause so vermisst haben. So manch einer hat da Kochen gelernt, was er zuhause wohl eher nicht getan hätte. Im Buch gibt es Kibbeh aus Syrien, nepalesische  Momos, oder Biryani aus Pakistan.

Eine andere Hausnummer sind die Rezepte der Köche. Man hat Zutaten und Ideen aus den Ländern der Flüchtlinge genommen und sich inspirieren lassen. Da gibt es Schaumgefrorenes vom Arrak, eine Inspiration aus Syrien. Makrele Marrakesch von Nils Henkel mit Aubergine, Kichererbsencouscous und Paprika, oder afghanisch inspiriertes Schwarzfederhuhn im Halbmond mit Lakritze und zweierlei Rundkornreis. Die Gerichte haben einen gewissen Anspruch und sind nicht unbedingt ohne weiteres nachkochbar. Es ist aber spannend zu sehen, wie die Köche die Ideen der Länderküchen umgesetzt haben.

Jetzt habe ich noch gar nichts zur Optik gesagt. Das ist ein schönes, hochwertig gemachtes Buch geworden. Das Layout ist hell, freundlich und übersichtlich. Es gibt sehr viele Bilder: die Foodfotos sind schön, aber ohne allzu Großes Drumherum. Und  es gibt ganz viele Portraits von den Flüchtlingen, Bilder vom  gemeinsamen Kochen und Portraits der Köche. Die vielen Länderfotos hat Lutz Jäkel gemacht.

Ich habe mir überlegt, dass ich je zwei Gerichte, die von Flüchtlingen präsentiert werden, versuche und zwei, die von den Köchen vorgestellt werden.

domoda1

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass Gerichte aus Schwarzafrika bisher noch nicht den Weg auf unsere Teller gefunden haben. Deshalb war mir aber schon beim ersten Durchblättern des Buches klar, dass ich ein Gericht aus Gambia ausprobieren muss: Domoda ist ist ein einfacher Eintopf aus Hähnchenschenkeln und Gemüse, der mit Erdnussbutter abgerundet wird.

kabsa

Kabsah ist ein einfacher Eintopf mit Lamm und Reis aus Syrien. Die Würze kommt von Baharat und getrockneten Limetten.

shahi-paneer-korma

Das Rezept für das Shahi Paneer Korma kommt von Boris Rommel. Meine Version sieht nicht ganz so elegant aus, hat uns aber gut geschmeckt.

hachis

Hachis Parmentier ist eigentlich ein französischer Klassiker: Hackfleisch oder Bratenreste werden mit Kartoffelpüree überbacken. Die marokkanisch inspirierte Version von Michael Szofer ist etwas komplexer: das Fleischragout wird auf Humus gebettet, darüber kommen mit Olivenöl gestampfte Kartoffeln, eine Gremolata und knusprig frittierte Kichererbsen.

Fazit? Ich finde, Ihr solltet dieses Buch kaufen. Die Rezepte sind spannend. Und ich finde es wichtig, dass den Menschen und ihren Geschichten Raum gegeben wird. Und noch ein Grund, das Buch zu kaufen: von jedem verkauften Buch werden 4 € an Flüchtlingsorganisationen gespendet.

Wer sich für weitere Meinungen interessiert: Wili hat das Buch ebenfalls rezensiert: klick.

  • Gebundene Ausgabe: 424 Seiten
  • Verlag: ars vivendi verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3869137179
  • € 34,00
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3 thoughts on “Kochbuch: Hand in Hand

  1. ohh das ist schon wieder eine wunderbare Geschenk-Idee, ich weiß schon mindestens 2 Menschen die ich damit beglücken könnte/werde . Gerichte aus Afrika- eigentlich sind die recht unkompliziert, ich greif aber auch nur selten darauf zu. Beer Can Chicken… das war mein erstes.

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      1. ich hab das Kochbuch von Andre Hellers Zirkusprojekt Afrika-Afrika, jeder Artist stellt ein Rezept seiner Heimat vor und da kommt Beer Can Chicken vor. Macht auch Sinn, denn es ist eine einfache Improvisation und Hühnchen wird in Afrika ja recht häufig gegessen.

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