Kochbuch: Microgreens – Microleaves | Manuela Rüther

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Als Gärtnerin bin ich eine Niete. Eigentlich merkwürdig, bin ich doch mit einem Selbstversorger-Garten aufgewachsen. Trotzdem, so richtig gedeihen will bei mir das Wenigste. Aber ich gebe nicht auf, irgendwann wird das. Da ist es eine gute Idee, klein anzufangen. Mit Microgreens zum Beispiel.

Was ist das denn? Im Prinzip sind das junge Pflanzenblättchen. Und ja, es ist ein Trend – natürlich aus den USA. Wir sprechen von den ganz jungen Blättern verschiedener Pflanzen – von Kräutern bis Brokkoli ist alles möglich. Es sind sozusagen Baby-Pflänzchen. Zum ersten Mal darüber gestolpert bin ich vor langer Zeit hier bei Petra. Und finde die Idee seither faszinierend. Es gibt jederzeit frisches Grün. Das ist übrigens auch etwas anderes als Sprossen. Sprossen isst man, wenn der Samen anfängt zu keinem. Microgreens werden gezüchtet, bis die ersten grünen Blättchen kommen. Microgemüse, sozusagen. Und die kleinen Pflänzchen sind nicht nur vollgepackt mit Vitalstoffen, sondern sie schmecken auch ganz deutlich wie ihre erwachsenen Verwandten. (Plus: sie werden gegessen, bevor mein brauner Daumen die Chance hat, die Ernte zu vermasseln).

Geschrieben hat das Buch Manuela Rüther. Nach dem Abitur hat sie eine Ausbildung zur Köchin gemacht und in verschiedenen Sterne-Restaurants gearbeitet. Heute arbeitet sie als Foodfotografin und Autorin.

Schön ist das Buch geworden. Wie man es gewohnt ist vom AT-Verlag ist die Gestaltung hochwertig – Hardcover, Fadenbindung, Papier, das sich gut anfühlt. Manuela Rüther hat eine Menge Fotos beigesteuert. Die liegen durchaus auf der Linie dessen, was gerade angesagt ist, manche ein wenig dunkel, gerne etwas Vintage-Style. Aber im Mittelpunkt stehen ganz klar Essen und Produkte und nicht das Drumherum. So mag ich das.

Jetzt aber zum Inhalt. Der ist zweigeteilt. Zunächst gibt es einen großen Theorie-Teil. Darin wird erklärt, was Micro-Leaves eigentlich sind und wie man sie kultiviert. Es gibt Informationen zu allem: Saatgut, Erde, Töpfe, Standort, Pflege, Ernte, Lagerung und Hygiene. Und natürlich gibt es auch ein Kapitel zum Gesundheitsaspekt. Das Prinzip ist einfach: das Saatgut wandert in kleine Töpfchen mit Erde, wird mit Frischhaltefolie abdeckt, um ein Gewächshaus zu simulieren und täglich mit etwas Wasser besprüht. Ich habe nach dieser Anleitung Microgreens gezogen. Und wenn das bei mir klappt, dann klappt das bei Euch auch.

Im nächsten Kapitel gibt es Sortenportraits. Von Alfafa bis Wirsing werden Inhaltsstoffe, Geschmack und Verwendung und Anbautipps aufgelistet. Eine wahre Fundgrube!

Gut, wir haben fleissig gezüchtet, jetzt kochen wir. Da gibt es ein Kapitel über Haltbarmachung: Trocknen, Würzsalz, Essig, Pesto, Buttermischung – alles da, um die kleinen grünen Schätze zu konservieren. Der eigentliche Rezeptteil ist dann unterteilt in Salate, Wraps und Sandwiches, Dips, Saucen  und Dressings, warme Gerichte zum Sattwerden, Smoothies und Desserts. Im Prinzip werden die Micro-Greens dabei verwendet wie frische Kräuter.

Die Rezepte sind ordentlich strukturiert und funktionieren. Immer gibt es auch alternative Ideen zu den verwendeten Microgreens. Ich muss gestehen, dass ich mich beim Nachkochen nicht ganz an die vorgeschlagenen Sorten gehalten habe. Manchmal habe ich auch einfach Leaves aus dem gezogen, was ich gerade vorrätig hatte.

sandwich

Erstversuch war ein Sandwich. Mit gegrillten Süßkartoffeln, Halloumi, einer Ajvar-Creme und natürlich Micro-Greens. Ich hatte Linsen und Buchweizen – ich hatte versuchsweise einfach Greens aus Körnern gezogen, die ich ohnehin da hatte.

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Es gibt einige Rezepte für Dips oder Buttermischungen. Ich habe den Frischkäsedip ausprobiert. Schön abgeschmeckt mit Senf und Limette, dazu eine Handvoll Greens für die Frische. Im Rezept ist es Winterkresse; ich habe Brokkoli verwendet. Fein.

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Mein Liebling unter den Microgreens sind die Erbsen – sie haben ein wirklich feines Erbsenaroma, und sie sind außerdem so hübsch. Die Greens wandern, in etwas Zitrone mariniert in eine grüne Minestrone. Eine Suppe, die gut schmeckt und gut tut.

Fazit: Microgreens sind eine spannende Alternative, wenn man gerne frisches Grün in sein Essen einbaut, es aber an Platz mangelt. Die Pflänzchen lassen sich wirklich auf jeder Fensterbank ziehen und mit den Anleitungen aus dem Buch klappt das auch hervorragend. Auch die Rezepte sind reizvoll und funktionieren ohne Wenn und Aber. Letztendlich habe ich mich aber doch ein wenig schwer getan. Ich werde wohl nur ab und zu Micro Greens ziehen. In den Rezepten werden oft sehr viele verschiedene Greens verwendet, da muss sich schon fast den ganzen Balkon mit Töpfen vollstellen. Und irgendwie finde ich es auch etwas verschwenderisch, so viele Pflänzchen heranzuziehen und dann nur einen Bruchteil davon zu essen.

  • Gebundene Ausgabe: 152 Seiten
  • Verlag: AT Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3038009481
  • 24,00

 

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17 thoughts on “Kochbuch: Microgreens – Microleaves | Manuela Rüther

  1. Liebingsautorin und Lieblingsverlag – das muss ein supergutes Buch sein! Wenn ich nicht zu faul wäre, um mir diese Micro-Greens selber zu ziehen. Mit Erbsensprossen hört es sich bei mir schon auf.

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    1. Lieblingsverlag ja. Mit dem Buch bin ich nicht so recht warm geworden. Für die meisten Rezepte braucht man viele verschiedene Sorten Microgreens….da darf man wirklich nichts anderes züchten….

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  2. Bei deinem Schlussgedanken bin ich ganz bei dir! Das ist irgendwie so ähnlich wie Milchlämmer oder -kälber zu schlachten. Mag ja sensationell schmecken, ist aber irgendwie eine ganz schöne Verschwendung…

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  3. Hallo Susanne,
    das ist ja ein tolles Buch! Bisher habe ich nur Erbsensprossen gezogen – die waren total super! Aber eigentlich bereichert das ja noch viel mehr die Optionen! Allein an Linsen und Co. Dankeschön fürs Teilen :-).
    Liebe Grüße,
    Eva

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  4. Danke für diese schöne Rezension. Ich habe auch schon mit diesem Büchlein geliebäugelt, jetzt tu ich das noch mehr. Meine ersten Microgreens aus Linsen und Weizen sind ja bereits fertig. Allerdings wollte ich diese in 9 Tagen mit guten Wünschen für 2017 in der Leine davonreiten lassen 😊

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      1. Nouruz – Fest dauert 13 Tage. Jetzt werden die Familien besucht und der Haft Sin Tisch steht in jedem Haushalt. Am 13. Tag endet die feierliche Zeit mit einem Picknick und da wird das Sabzi dann in den Fluss geworfen.

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  5. Lustig, genau deinen Schluß-Gedanken hatte ich zu Anfang gleich im Kopf, – ein wenig verschwenderisch mutet das ganze schon an. Und wo kriegt man bitte Samen z.B. von Broccoli in solcher Masse? In den üblichen Samen-Tütchen für den Garten sind 4-6 Körnchen drin… interessant find ich das Thema trotzdem, – wer Sprossen zeiht kriegt automatisch immer wieder solche Micro-Greens, wenn die nämlich länger auf ihre Verwendung warten. Linsen, Kresse, Rettich, die könnte ich mir gut vorstellen. Also danke, wieder einmal , für eine sehr gute, informative und auch kritische Buch-Präsentation.

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