Kochbuch: Täglich Früchte | Hugh Fearnley-Whittingstall

Esst mehr Obst! Das ist das Motto des neuen Buches von Hugh-Fearnley-Whittingstall. Das heißt, ganz so neu ist es nicht. Das britische Original gibt es schon länger, aber nun ist auch eine deutsche Übersetzung erschienen.

Hugh findet, dass wir zu wenig Obst essen und es zu phantasielos verarbeiten. Und was mich angeht, so hat er ganz klar recht. Das meiste Obst landet einfach pur in meinem Magen. Ab und zu backe ich damit, mache Eis oder koche Marmelade. Ganz schön langweilig im Grunde. Gut, dass Abhilfe in Sicht ist….

Das Buch kommt vom AT-Verlag, und wie man es von dort gewohnt ist, ist es hochwertig aufgemacht: Fadenbindung, festes, mattes Papier. Passsend zum Thema „Obst“ ist das Layout ein bisschen bunt: die Rezepttitel sind zweifarbig gedruckt. Einführungen zu den einzelnen Kapiteln sind auf farbigen Papier gedruckt und starten mit einer hübschen, thematisch passenden Grafik. Die Rezepte nehmen jeweils eine Doppelseite ein: eine Seite für das geschriebene Rezept, die gegenüberliegende Seite für das Foto. Die Fotos von Simon Wheeler sind hübsch arrangiert, haben aber ganz klar das Essen im Focus.

Die Rezepte sind geordnet nach Obstsorten: es gibt Sommerbeeren, Rhabarber, Steinobst, Äpfel, Birnen und Quitten, Wildfrüchte, Feigen, Melonen und Ähnliches, Tropische Früchte, Zitrusfrüchte und Trockenobst. Das Buch sprüht vor Ideen – ich hätte besser die Rezepte markiert, die mich nicht interessieren. Es warten noch Panzanella mit Erdbeeren, Wurstsandwich mit Stachelbeer-Ketchup, Fischpäckchen mit Rhabarber, Hagebutten-Apfel-Sorbet, Brathühnchen mit Granatapfel und vieles mehr.

Einiges habe ich schon ausprobiert. Logischerweise habe ich mich an den Obstsorten orientiert, die gerade saisonal verfügbar waren. Beeren und Steinfrüchte müssen leider noch warten. Und noch etwas: ich habe herzhafte Gerichte ausprobiert. Es gibt gibt auch viel Süßes in dem Buch – Kuchen, Obstsalat, Sirup, Eiscreme, Obst-Desserts….aber ist ja genau das, was ich ohnehin dauernd mache. Also habe ich das Obst in herzhafte Gerichte gesteckt – für’s Erste ;-).

Die Rezepte sind gut umsetzbar – da gibt es keine Tücken. Ich mag besonders gern, dass es zu jedem Rezept eine kleine, charmant und persönlich geschriebene Einführung gibt. Auch die einzelnen Kapitel haben eine eine Einleitung – man erfährt alles über Kauf, Lagerung und Anbau der einzelnen Obstsorten. Und dann gibt es da noch ein nach Zutaten geordnetes Register; für mich ist so etwas wichtig.

salat-mit-gegrillten-orangen

Erst mal ein Salat, und zwar einer mit gegrillten Orangen und Karotten. Orange und Karotte sind ja ein bewährtes Team und auch hier hat die Kombination gut funktioniert. Die Orangenscheiben zerfallen beim Grillen etwas. Das sieht nicht so schön aus, aber sie geben dadurch ihr Aroma noch besser an die übrigen Zutaten ab. Eigentlich hätte noch gegrillter Halloumi dazu gehört, aber wir haben das Ganze ohne den Käse als Salatbeilage gegessen.

wirsing-mit-apfel

Noch eine Gemüsebeilage: Wirsing mit Apfel. Vorgedämpfte Wirsingstreifen werden in der Pfanne mit Apfel und Kümmel gebraten. Das Ganze harmoniert wunderbar; besonders toll fand ich die Kümmel-Note, die rundet alles perfekt ab.

Früchtepizza klingt wilder, als es in Wahrheit ist. Auf meiner Pizza waren Spinat, pikant marinierte Birne und Blauschimmelkäse. Mit hat es gut gefallen. Die Kombination Birne-Blauschimmelkäse ist ja ein Klassiker und hat auch auf der Pizza gut funktioniert. Es gibt auch alternative Vorschläge für Beläge – zum Beispiel Rote Bete, Apfel, Cheddar, was bestimmt ebenso gut schmeckt.

Kedgeree ist das klassische anglo-britische Reisgericht mit Curry und geräuchertem Fisch. Hier kommt zusätzlich noch gebratene Banane mit hinein. Dank Vollkornreis und selbst angemischtem Currypulver ist das Ganze etwas monochron geworden, hat aber sehr gut geschmeckt. Der Reis wird schön aromatisch, weil er in der Flüssigkeit gegart wird, in der zuvor der Fisch pochiert wurde.

Ausnahmsweise mal ein Bild vom ungegarten Gericht – ich fand die Farben so hübsch. Geschmorte Kartoffeln, Äpfel und Karotten sind eine schöne Idee. Wir haben das Ganze als Beilage zu einem Fleischgericht gegessen. Ich könnte mir das Gericht aber mit einem Salat dazu auch als leichtes Hauptgericht vorstellen.

Fazit? Hugh Fearnley-Whittingstalls Plädoyer für mehr Obst in unseren Mahlzeiten ist gelungen. Das Buch steckt voller gut umsetzbarer Ideen, was man mit Obst alles kochen kann – jenseits von Kuchen und Obstsalat. Die Rezepte sind gelingsicher. Vegetarier werden bei den herzhaften Gerichten allerdings nicht so ganz fündig.

Wer sich für andere Sichtweisen auf das Buch interessiert: hier könnt Ihr die Meinung von Becky nachlesen. Und da lest Ihr, was Ira von dem Buch hält.

  • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: AT Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3038009269
  • 28,00
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9 thoughts on “Kochbuch: Täglich Früchte | Hugh Fearnley-Whittingstall

      1. Ich freue mich sehr über Deine Rezension, zeigt es doch noch mal wunderbar die ganze Bandbreite, die das Buch bietet! Ich habe den Slater auch und war bei diesem Buch auch erst skeptisch, mir geht es aber inzwischen so wie Dir, dieses ist mir im Moment lieber.

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  1. Sein Buch „Täglich vegetarisch“ ist ja mein Lieblingskochbuch, aber ich fürchte, ich bin eine Verschmäherin von Obst am Essen. Obwohl, manchmal werde ich überrascht, sollte vielleicht mal wieder was in der Art probieren. 😉

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  2. Obst ist auch bei mir eine vernachlässigte Größe, von daher könnte das Buch durchaus für mich interessant sein. Wobei ich auch den Slater hab, bis mir der langweilig wird dauerts vermutlich noch eine Weile. Wieder sehr schön und informativ, deine Rezension

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