Buchvorstellung: Die Kunst, Tee zu mischen | Sebastian Pole

Sebastian Pole bereiste Indien. Anfangs nur die Touristen-Hotspots, aber bald wollte er mehr erfahren. Er fing an, sich mit indischen Heilkräutern und Yoga zu befassen. Nachdem ein Kräuterkundiger auch noch Sebastian Poles Durchfallerkrankung kurierte, wollte der endgültig alles über Kräuterheilkunde wissen. Er ging zurück nach Großbritannien, zog in einen Wohnwagen und studierte ayurvedische, chinesische und westliche Kräuterheilkunde. Klingt nach einem Hippie-Lebenslauf? Nun, Sebastian Pole ist der Gründer von Pukka-Herbs, einem inzwischen sehr etablierten Anbieter von von Bio-Tees. Ich oute mich als Pukka-Fan und freue mich, dass Sebastian Pole sein Wissen nun auch in einem Buch zur Verfügung stellt.

Was die Pukka-Tees angeht, so bin ich ein bisschen auch Verpackungsopfer – die Packungen sind wirklich hübsch.  Und auch das Buch ist eine Zierde im Bücherregal: das weiß-goldene Cover mit seinem Muster erinnert an die Teepackungen. Auch innen findet man immer wieder pukka-typische Verzierungen, aber sie sind dezent. Es gibt viele Fotos von den Tees und den verwendeten Produkten. Die sind schön in Szene gesetzt, aber auf’s Wesentliche fokussiert. Und sie machen Lust, die Tees auszuprobieren. Im Übrigen ist die  Aufmachung hochwertig – Fadenbindung, mattes Papier in ruhigen Farben.

Jetzt aber zum Inhalt: es geht um Tee; um Kräutertee vorrangig, aber nicht nur. Es gibt nicht nur Rezepte für die unterschiedlichsten Teemischungen, sondern auch ganz viel Wissen drumherum. Ziel des Buches ist es auch, dass man selbst ein Gespür für Kräuter entwickelt und lernt, seine eigenen Mischungen herzustellen. Entsprechend umfangreich sind die Grundlagen-Kapitel. Das beginnt damit, dass man in die Sprache der Kräuter einsteigt. Kräuter enthalten ihre Wirkstoffe ja aus verschiedenen Gründen, zum Beispiel um Abwehrmechanismen zu entwickeln oder um sich fortzupflanzen. Entsprechend ist dann auch die Wirkung der Stoffe auf den menschlichen Körper. Wir erfahren auch etwas über die umstrittene, aber interessante Signaturenlehre. Die kennt Ihr bestimmt alle – man sagt ja zum Beispiel, dass Walnüsse, die einem Gehirn ähneln, gut für die Hirnfunktion sind. Es geht darum, was eine perfekte Teemischung ausmacht, wie man die Tees am besten zubereitet. Schließlich gibt es auch noch ein Lexikon mit nützlichen Begriffen und ein Register für Beschwerden und die entsprechenden Teemischungen. Im Anhang werden wir außerdem in die Grundbegriffe des Ayurveda eingeführt und finden im Kapitel „Pukkapedia“ ein Lexikon der verwendeten Pflanzen und ihrer Wirkung.

Jetzt aber zu den Teemischungen: da sind die Rezepte in unterschiedliche Themenbereiche unterteilt. Es gibt Reinigen und Entgiften, Ernährung und Verdauung, Aktivieren und Verjüngen, Ruhe und Harmonie, Glück und Freude, Abwehr und Schutz, Mann, Frau und Kind sowie ein Kapitel, in dem es nicht nur um Tee geht. Da gibt es dann auch ein paar Cocktails und Aufsatzschnäpse. Verwendet werden heimische Heilkräuter, solche aus dem Ayurveda und solche aus der chinesischen Medizin, außerdem einige klassische Teesorten. Die Tees sind sehr ausführlich beschrieben: zunächst gibt es eine kleine Einführung, in der erklärt wird, wobei der Tee uns helfen kann. Dann folgen grammgenau die Zutaten und die Zubereitungsanleitung. Und schließlich wird auch noch jede einzelne Zutat beschrieben, und zwar nach Geschmack und Wirkung.

Die Bandbreite der verwendeten Zutaten ist groß. Das reicht von der heimischen Brennessel und den geläufigen Ingwer über schwerer erhältliche Weißdornbeeren und Haferblütenspitzen bis zu Exoten wie Shativariwurzel oder Ginseng. In Bioladen, Apotheke oder Reformhaus sollte man das meiste auftreiben können. Und im Anhang gibt es auch noch Bezugsquellen im Internet. Was man aber unbedingt braucht, ist eine Fein- oder Löffelwaage. Die Teemischungen sind meist für 0,5 Liter ausgelegt und so bewegen sich die benötigten Zutatenmengen im Bereich von einem bis höchstens 5 g.

Das Teemischungen sind sehr ausführlich und  – ich möchte sagen liebevoll – beschrieben. Man merkt dem Buch an, dass es sich um ein Herzensprojekt handelt. Bei Zutaten, die etwas kritisch in der Anwendung sind – Süßholz zum Beispiel, das in Massen genossen Wirkungen auf den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel haben kann – wird genau erklärt, worauf man achten muss.

Also, ich habe so einiges gemischt und getrunken:

Als erstes das Goldene Ingwer-Trio: Ingwertee gehört zu meinen Standards –  den trinke ich wirklich oft; und zwar unabhängig davon, ob er etwas auskurieren soll oder nicht. Hier kommt der Ingwer in Begleitung von Kurkuma (links oben), Galgant (oben Mitte) und Süßholz (unten auf dem Tellerchen) daher. Ingwer wärmt, regt die Verdauung und den Kreislauf an. Galgant hat ähnliche Eigenschaften und tut zudem noch der Lunge gut. Kurkumawurzel ist ja zur Zeit sowieso in aller Munde – sie schmeckt leicht bitter und erdig und bringt Immunystem und Stoffwechsel auf Trab. Süßholz kennen die meisten aus Lakritz. Die Wurzel stärkt Nervensystem, Verdauung, Nebennieren und Lungen. Und sie sorgt dafür, dass der Tee aromatisch ausgeglichen schmeckt. Ich trinke den Tee jetzt regelmäßig – ich mag ihn einfach.

Wenn man etwas müde ist, dann kommt der „Grüne Matcha-Zen“ gerade richtig. Hierfür wird ein grüner Tee gekocht und dann zusätzlich mit ordentlich Matcha-Pulver aufgepeppt. Das macht nicht nur wach. Matcha hilft auch dank seiner Inhaltsstoffe, die Neurotransmitter im Gehirn zu versorgen, die unsere Stimmung positiv beeinflussen. Ruhe und Wachsamkeit werden gefördert.

„Im Zitronenhimmel“ – der blumige Titel der Mischung trifft es ziemlich genau. Für Fans von zitronigen Aromen ist die Mischung aus Zitronenverbene, Zitronenmelisse und Zitronengras mit dem Spritzer Zitronensaft nämlich tatsächlich himmlisch. Außerdem hebt sie die Stimmung.

Dass Brennnesseln gesund sind wissen wir ja. Ich musste bei Brennnesseltee erst mal an die entwässernde Wirkung denken. Laut Sebastian Pole kann die Pflanze aber viel mehr: sie enthält reichlich Mineralstoffe, wirkt adstringierend, regenerierend und entgiftend  – ein kleines Kraftwerk. Der „nährende Brennnesseltee“ ist sozusagen ein Cold Brew – er wird kalt angesetzt und nach frühestens zwei Stunden abgeseiht. Ich hatte zugegebenermassen etwas Angst vor dem Ergebnis, denn das ganze sieht schon sehr nach Medizin aus. Der Tee war aber überraschend angenehm im Geschmack. Nichts, was man sich schnell hinter die Binde kippt, aber auch keine bittere Medizin.

Fazit? Teetrinkerin und heilpflanzeninteressiert, wie ich bin, finde ich dieses Buch klasse. Es präsentiert die verschiedensten Teemischungen und legt dabei den Fokus nicht nur auf die Wirkung, sondern auch auf den Geschmack. Mich motiviert es, mich näher mit den Wirkungen verschiedener Kräuter zu befassen und mir meinen Tee öfter mal selber zu mischne.

  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Stocker, L;
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3702016579
  • 24,90
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6 thoughts on “Buchvorstellung: Die Kunst, Tee zu mischen | Sebastian Pole

  1. Rein zufällig ist mir am Freitag eine Teemischung von Sebastian Pole in den Einkaufswagen gesprungen: Zimt und Sternanis – herrliche Aromen und wenn man ihn tatsächlich 15 Minuten wie empfohlen ziehen lässt, wir der von alleine süßlich. Sehr lecker!

    Liebe Grüße, Britta

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  2. das klingt ja fast nach Fachliteratur für mich…. wobei das Mischen von Tee garnichtmehr so häufig vorkommt, geschweige denn das Komponieren einer Mischung. Schade eigentlich…

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