Kochbuch: Feel Good Kitchen | Georgina Hayden

Es ist wieder so weit – nächste Woche öffnet die Buchmesse in Frankfurt ihre Tore. Ich schaffe es dieses Jahr leider nicht, hinzufahren. Aber ich nehme die Messe zum Anlass, um Euch ab heute und in der kommenden Woche einige neue Kochbücher vorzustellen. Da hat sich ein bisschen was angesammelt….und den Anfang, den macht georgiepuddingnpie.

Georgina Hayden ist sozusagen in der Küche aufgewachsen. Ihre Großeltern hatten eine griechisch-zypriotische Taverne in London; dort hat sie viel Zeit verbracht. Nach der Schule studierte sie zunächst Kunst, folgte dann aber doch der Liebe zum Essen und begann, für Jamie Oliver zu arbeiten – 10 Jahre lang war sie Teil seines Teams. Ihr war immer schon klar, dass Essen mehr kann als nur den Magen zu füllen. Dass es die Familienzusammengehörigkeit stärken kann, Erinnerungen weckt, dass es nach einem schlechten Tag die Stimmung hebt, dass man in der Küche Entspannung finden kann – sie wusste es schon immer. Dann musste sie vor einigen Jahren einen schweren Schicksalsschlag durchleben, merkte sie, wie sehr das Kochen half, wieder mit dem Leben zurecht zu kommen. Und nun möchte sie uns mit diesem Buch zeigen, wie sehr Kochen (und natürlich Essen) das Leben bereichern können.

Das Buch beginnt mit dem Frühstück. Da reichen die Rezepte vom Porridge mit Banane, Zimt und Mohn über Nasi Goreng mit Spinat bis hin zu Chorizo, Tomaten und Kichererbsen auf Toast und zu Smoothies zum Mitnehmen.  Das Porridge habe ich schon oft gemacht, es wird aus groben Haferflocken und Haferschrot gekocht und ist toll. Ich bin bloß früh morgens noch nicht in der Lage, mein Essen zu fotografieren.

Dann geht es um Suppe. Ich bin völlig einer Meinung mit Georgina Hayden – Suppe ist toll. Wärmend, nahrhaft und tröstend. Und man muss sich beim Essen noch nicht mal anstrengen ;-). Insofern gibt es da noch viel, dass ich ausprobieren möchte. Blumenkohlsuppe mit Kokos zum Beispiel, oder Pastinakensuppe mit Senf und Comté.

Kennt Ihr das, wenn man zu ermattet ist zum Kochen und im Grunde auch keinen rechten Appetit hat? Mit diesem Szenario befasst sich das Kapitel mit Gerichten, die schnell gehen und nicht schwer im Magen liegen. Mich locken das Rahmgemüse auf Röstbrot mit pochiertem Ei, die Linguine mit Fleischbällchen und Bärlauch oder die Rotzunge mit Salzzitrone, Koriander und Kapern.

Und dann gibt es Tage, die möchte man am liebsten in der Küche verbringen. Dann kann man gut die herzhaften, etwas zeitaufwändigeren Gerichte aus dem nächsten Kapitel zubereiten. Belohnt wird man dann mit Graupenrisotto mit Topinambur und Thymian, mit japanischen Teigtaschen, also Gyoza, oder mit einer deftigen Schweinshachse mit Fenchel und Bohnen.

Georgina Hayden ist kein Gesundheitsapostel; sie findet aber schon, dass Essen nur dann wirklich gut tut, wenn es auf Dauer ausgewogen ist. Und so gibt es ein umfangreiches Kapitel mit Gemüserezepten – großartiges Grünzeug, so heißt es. Lust auf gegrillten Brokkoli mit Tahin-Dressing und Sumach, auf Apfel-Birnen-Salat mit Estragondressing oder auf Röstkartoffeln mit Oregano und Chilidressing? Ich jedenfalls schon.

Und natürlich gibt es auch Süßes – Bananenkuchen mit Erdnussbutterfrosting, Nektarinen-Granita mit Kamille und Honig oder Milchreis mit Backpflaumenpüree klingen gut in meinen Ohren. Schließlich ist es ja oft so, dass die kleinen Extras unser Essen zu etwas besonderem machen, und deshalb gibt es auch Rezepte Kleinigkeiten wie Kürbiskernbutter, Meersalzkaramell oder Kurkumatee mit Zitrone und schwarzem Pfeffer.

Die Rezepte sind gut aufgebaut und leicht nachkochbar. Es sind auch keine schwer erhältlichen Zutaten erforderlich. Mit gefällt, dass es zu jedem Rezept ein paar persönliche einleitende Worte gibt. Abgerundet wird der Rezeptteil durch Tipps für Einkauf, Lagerung und Zubereitung und durch ein ausführliches Register.

Noch ein paar Worte zur Optik: Georgina Hayden hat Kunst studiert, malt und fotografiert gerne und liebt es, auf Flohmärkten zu stöbern. Entsprechend hübsch ist das Buch geworden; man merkt durchaus, dass sie ein Händchen für das Styling hat. Aber nichts ist überstylt, nichts überdeckt den Star des Buches  – das Essen. Und sonst – mattes, leicht raues Papier, Fadenheftung, Lesebändchen. Gefällt mir.

Menemem – da kann man gewisse Ähnlichkeiten mit Shakshouka nicht abstreiten. Ich weiß auch, dass es da durchaus Diskussionen gibt, was nun was ist, und wie man das alles nun rechtmäßigerweise nennen darf, ohne jemandem auf die Füße zu treten. Aber wisst Ihr was – egal. Paprikapfanne mit Tomaten und Ei schmeckt eben. Georgina Hayden serviert dazu gebackenen Feta mit einem Topping aus schwarzen Oliven und Zitronenschale. Das ist toll. Ich habe dazu außerdem das einfache Vollkornfladenbrot aus der Pfanne serviert; das ist ein simpler Backpulverteig aus Weizenvollkornmehl und Joghurt. Das hat gut gepasst.

Linsenpuffer mit Spinat – oder, wie in meinem Fall, Mangold. Ein bisschen schwierig war es sie beim Braten zu wenden, aber dafür wird man mit saftigen, aromatischen Puffern belohnt. Dazu gibt es einen Joghurtdip mit Knoblauch und Kräutern.

Das Chiliöl ist einfach klasse. Neben Chilis spielen auch noch Knoblauch, Sichuanpfeffer udn etwas gerösteter Sesam mit – so wird das Öl herrlich aromatisch; ich werde davon ab jetzt immer eine Flasche im Vorrat haben.

Wir essen zu wenig Fisch, da kam die Fischsuppe mit Mandel-Skordalia gerade recht. Die Suppenbasis besteht aus Zwiebel, Knoblauch, Staudensellerie und Fenchel, dazu kommen Fischfond, Tomaten und Weißwein. Verschiedene Fischsorten, Fregola und Kalmar bilden die Einlage. Das Ganze braucht seine Zeit, ist aber dafür dann auch ein feines, wohltuendes Essen.

Ich bin eine begeisterte Senf-Anhängerin; man kann nie genug Senf vorrätig haben, finde ich. Im Augenblick bin ich gerade ein großer Fan des Senfs von Savora, ich habe mir einige Gläser aus dem Urlaub mitgebracht. Der selbstgemachte Senf von Georgina Hayden gefällt mir aber auch: es ist ein wenig Honig und Estragon drin, das macht den Senf schön ausgewogen.

Mac and Cheese. Kennen wir ja. Ab und zu muss das einfach haben, Kohlehydrate und Käse. Georgina Hayden setzt noch einen drauf – an ihren Auflauf kommen zusätzlich Schinken und Wurstbrät. Und die Kruste besteht auch nicht aus Semmelbröseln, sonder aus gehackten Pekannüssen und Rosmarin. Das Ganze ist mächtig gut. Und auch mächtig mächtig. Ich habe die Rezeptmengen halbiert und wir waren hinterher alle gut satt.

Fazit: „Ein Kochbuch für alle, die das Kochen lieben“, so lautet der Untertitel des Buches.  Ich finde, das trifft es nicht ganz. Ich denke, das Buch ist durchaus auch gut geeignet, weniger Erfahrene, die noch nicht wissen, ob sie das Kochen lieben, hinter den Herd zubringen. Die Rezepte sind vielfältig, gut in den Alltag integrierbar und setzen keine schwer zu beschaffenden Zutaten voraus. Und der Charme und Begeisterung die der Autorin schwingen zwischen den Buchdeckeln mit – das macht einfach Spaß.

  • Gebundene Ausgabe: 280 Seiten
  • Verlag: Dorling Kindersley 
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN 978-3831032617
  • 24,95
Advertisements

Published by

8 thoughts on “Kochbuch: Feel Good Kitchen | Georgina Hayden

  1. Bei dem Buchtitel war ich ehrlich gesagt ein bisschen skeptisch – das hörte sich sehr nach auf gesund getrimmten Rezepten an. Aber du klingst ziemlich begeistert also werde ich in jedem Fall mal reinschauen. Danke für die Rezension!

    Gefällt mir

      1. Ah, ja im Original klingt das schon deutlich weniger nach Gesundheitsessen 🙂 Versteh mich nicht falsch – grundsätzlich habe ich überhaupt nichts dagegen, wenn es Kochbücher zu gesundem Essen gibt, aber leider ist dann oft die Hälfte der Sachen mit ein bisschen Chia-Samen hier und etwas Quinoa und Leinsamen da irgendwann nicht mehr normal 🙂

        Gefällt mir

Kommentare sind toll. Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit dafür nimmst. Ich bemühe mich, ganz schnell zu antworten. Nur bei Spam bin ich ungnädig. Und Kommentare, die nur dazu dienen, Werbelinks zu platzieren, lösche ich auch.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s