Kochbuch: Die grüne Stadtküche | Claudia Hirschberger, Arne Schmidt

Claudia Hirschberger ist eigentlich Kulturwissenschaftlerin; Arne Schmidt kommt aus der IT-Branche. Heute arbeiten beide zusammen als Filmschaffende. Und seit 2013 führen sie auch zusammen den Foodblog „Food with a View„, der ebenso schön wie erfolgreich und preisgekrönt ist. Den Blog führen die beiden als Team – sie sehen sich als Geschichtenerzähler. Ursprünglich wollte man Claudias Rezepte mit den fotografierten Berlin-Impressionen von Arne verbinden, aber inzwischen drehen sich die Geschichten immer mehr um das kulinarische Leben.

Die beiden leben in der Großstadt. Dennoch ist da der Wunsch, ein naturverbundenes Leben zu führen. Und das geht. Indem man Kräuter, Sprossen oder Microgreens auf der Fensterbank zieht, Wildkräuter von unterwegs mitnimmt oder gemeinsam mit Freunden in deren Garten feiert. Es ist viel Landleben möglich in der Stadt.

Entsprechend dieses Konzepts ist das Buch nach Jahreszeiten eingeteilt; außerdem gibt es noch ein Kapitel mit tollen Basisrezepten. Es gibt da nicht nur Rezepte  – die beiden sind nicht umsonst Geschichtenerzähler. Die einzelnen Kapitel sind in viele kleine Themenbereiche unterteilt, und zu jedem Bereich gibt es eine persönlich geschrieben Einführung. Wir spazieren durch die Stadt und entdecken ihre Natur.

Die Rezepte sind größtenteils vegan. Es werden naturbelassene Zutaten verwendet, abgesehen von der einen oder anderen Pflanzenmilch greift man nicht auf Ersatzprodukte zurück. Das sind keine Rezepte für die schnelle Feierabendküche. Der Genuss wird zelebriert, das braucht ein wenig Muße. Die meisten Gerichte sind etwas aufwändiger und die Zutatenlisten nicht kurz. Es wird von der Currypaste bis hin zum Strudelteig alles selbst gemacht. Das mag ich. Was ich auch mag, sind die ungewöhnlichen Kombinationen – es locken Ideen wie Winterpizza mit Röstselleriehummus und Belugalinsen-Vinaigrette, Grillauberginenterrine mit Mirabellen-Rohkostkonfitüre und Blätterteigstangen oder Rhabarber-Bienenstich mit Sonnenblumenkernen.

Ich habe noch gar nichts zur Optik gesagt. Vor mit liegt zunächst mal ein hochwertig aufgemachter Band mit Fadenbindung, zwei Lesebändchen und einem ruhigen Layout in gedeckten Farben. Und dann wären da noch die Fotos. Nicht nur, dass es viele sind, von Mahlzeiten, von Landschaften, von Lebensmitteln, nein, sie sind auch wunderschön, atmosphärisch und detailreich und laden dazu ein, in ihnen zu schwelgen.

Süße Stärkung für unterwegs? Da kommen die Trockenpflaumenkugeln gerade recht. Früher hieß sowas ja Energiebällchen (oder, als Steigerung Stillkugeln 😉 ) und ich habe mich schon manches Mal daran verschluckt. Hier nicht. Das liegt nicht nur am zarten Aroma von Orangenabrieb, sondern auch daran, dass eine Portion Kaffee in den Kugeln ist. Der guten Ordnung halber: im Rezept werden die Kugeln in Pistazien gewälzt. Ich war mir sicher, noch welche zu haben. Dem war nicht so, also mussten die Kokosflocken herhalten.

Kartoffelpuffer sind hier sehr beliebt – warum also nicht Kartoffelpuffer-Waffeln machen? Das Backen dauert etwas, aber dann sind die Püfferchen knusprig und hübsch anzusehen. Das Ganze ist ein Rezept aus dem Frühjahrskapitel und wird eigentlich mit einem Salat aus Hopfentrieben, Postelein und Löwenzahn serviert. Nun, es war Herbst, und so gab es Feldsalat. Auch fein :-).

Veggieschnitzel kann man ja aus allem möglichen machen. Austernpilze sind aufgrund ihrer Form ideal, schreibt Claudia. Nachdem ich das ausprobiert habe, muss ich sagen – nicht nur aufgrund ihrer Form. Die Schnitzel schmecken toll. Dazu ein schöner Kartoffelsalat, bei dem ich etwas geschummelt habe – der Portulak aus den Rezept musste Feldsalat weichen.

Die Erbsensuppe ist schon frisch und aromatisch und hat einen schöne Konsistenz. Es stehen verschiedene Toppings zur Verfügung; ich habe nicht alle probiert, weil wir nur zu zweit gegessen haben. Es gab Frühlingszwiebelröllchen, Cashew-Zitronencreme und Kakao-Dukkah. Besonders die die Dukka hat es mir angetan; die leicht bitteren Kakao-Nibs geben ihr eine ganz besondere Note.

Ich habe die Sauerteig-Pitta zur Suppe serviert; die hat sich im Ofen wunderbar aufgebläht und war dank Sauerteig und Vollkorn-Anteil schön kräftig im Geschmack.

Fazit: Wer ein wenig Zeit mitbringt und Lust hat auf eine naturverbundene Küche mit spannenden Aromakompositionen, für den ist dieses Buch das richtige. Und alle anderen schwelgen einfach in den wunderbaren Fotos.

  • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
  • Verlag: Knesebeck
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3868739855
  • 29,90
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2 thoughts on “Kochbuch: Die grüne Stadtküche | Claudia Hirschberger, Arne Schmidt

  1. Vielen lieben Dank für die tolle Rezension, liebe Susanne! Das freut uns wirklich sehr, dass Dir unser Buch gefällt, und wir hoffen, dass Du noch viel Spaß damit haben wirst. Und dass die Kakao-Dukkah Dir gefallen könnte, habe ich fast geahnt ;-). Liebe Grüße von Arne und mir, Claudia

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