Kochbuch: Palomar – Kreative israelische Küche

Israelische Küche – was verbindet Ihr denn damit? Für mich ist sie unglaublich reizvoll, was nicht zuletzt daran liegt, dass so viele verschiedene Einflüsse in ihr zusammenkommen und zu etwas Neuem, Einzigartigen zusammengefügt wurden.

Man kann diese Küche auch in London genießen. Dort betreiben nämlich einige junge Israelis das (preisgekrönte) Restaurant „The Palomar„. Die Mannschaft war nicht immer in London – angefangen hat alles in Jerusalem, dort hatten die Gründer des heutigen Palomar mehrere Restaurants, bevor sie nach London kamen. Restaurant und Buch sind ein gemeinschaftliches Projekt  der Crew.

Es gibt eine Menge zu entdecken in diesem Buch: los geht es damit, was man so vorrätig haben sollte, wenn man kochen möchte wie im Palomar. Das ist eine längere Liste, aber, wie Tomer Amedi, der Restaurantchef, der für die Rezepte verantwortlich ist, anmerkt, die Zutaten sind lange haltbar. Und wenn man sie einmal da hat, kann man sich entspannt ans Kochen machen. Die Rede ist von Dingen wie Dattelsirup, Rosenwasser oder Bulgur. Einen Spaziergang durch den Gewürzschrank gibt es auch – aber dass man ein paar Gewürze vorrätig haben sollte, wenn man sich der israelischen Küche widmen möchte, ist ja nur zu klar. In diesem Kapitel gibt es dann auch Rezepte für Gewürzmischungen wie Ras-El-Hanout, oder Hawaij. Und dann gibt es noch eine kleine Abhandlung über Nüsse mitsamt einer Anleitung zum Rösten.

So. Vorräte haben wir. Dann können wir uns ja mal ans Kochen machen. Oder an eine Vorstufe davon. Im nächsten Kapitel geht es nämlich um das „Essen vor dem Essen“. Die Rezepte sind bunt gemischt. Da gibt es zum einen Grundrezepte, auf die später im Buch zurückgegriffen wird: eingelegte Zitronen und ein Püree davon zum Beispiel, Harissa oder Labneh. Es gibt aber auch Kleinigkeiten, die man einfach so essen kann – gewürzte Oliven mit Rosenblättern und Balsamico zum Beispiel oder Karotten und Fenchel mit Harissa und eingelegter Zitrone.

Langsam arbeiten wir uns zu weiteren Mahlzeiten vor –  es gibt Rohkost. Damit ist durchaus nicht nur Salat gemeint. Austern mit Harissa-Öl, Sashimi mit marinierten Zwiebeln und Ingwer-Vinaigrette, aber auch Frühlingssalat mit Kohlrabi, Fenchel und Brunnenkresse-Pesto wollen entdeckt werden.

Jetzt aber zu den Hauptgängen: ein paar Grundrezepte wie Gemüsefond sind da auch versteckt, aber es gibt auch Polenta Jerusalem Style  – im Glas, mit Spargel und Pilzragout – Bourekas, also kleines Blätterteiggebäck mit Aubergine, Feta und Mangoldeintopf oder Okto-Hummus; das ist Hummus gegartem Oktopus, Tomatenconfit, Petersiliendressing und zerdrückten Kichererbsen. Ich muss unbedingt auch noch die „Kreplach des schlechten Juden“ probieren – das sind Teigtaschen mit Schweinefleisch – und die Roten Bete mit Lammfleischfüllung. Positiv aufgefallen sind mir auch die vielen Rezepte mit Innereien.

Im letzten Kapitel geht es in die Bäckerei. Die Rezepte sind bunt gemischt – Brot, Kuchen, Nachtisch. Mich lockt da noch das Tahin-Eis, zu dem es eine Filo-Waffel gibt und außerdem Crème Anglaise mit Kardamom und karamellisierte Feigen. Der Stilton-Käsekuchen klingt auch gut und natürlich muss ich endlich mal das jemenitische Kubaneh-Brot probieren.

Die Rezepte sind logisch strukturiert und funktionieren gut. Oft sind ein paar Komponenten und einige Arbeitsschritte mehr zu befolgen, so dass wir nicht von der ganz schnellen Feierabendküche sprechen. Es gibt immer kleine, aber wichtige Hinweise in den Rezepten, die wirklich ausschlaggebend für das Ergebnis sind – sie führen dazu dass aus einem guten Gericht ein hervorragendes wird.

„Kreative israelische Küche“ – so lautet ja der Untertitel. Und das Buch wird ihm gerecht. Es gibt von vielen klassischen Gerichten modernisierte, originelle Versionen. Als Teigtaschenfan greife ich einfach mal die Kreplach heraus. Da gibt es ein Grundrezept, die oben erwähnten Kreplach mit Schweinefleisch und außerdem Labneh-Kreplach-Tortellini, die in Borschtsch serviert werden.

Ein Wort noch zum Salz: es wird auf koscheres Salz zurückgegriffen. Das ist grobkörniges oder -flockiges Meersalz ohne Zusätze. Wenn man feinkörniges Salz nimmt, tut man gut daran, weniger zu nehmen. Aber das merkt man ja beim Abschmecken.

Ich liebe Shakshouka. Die Basisversion mit Tomaten steht hier regelmäßig auf dem Tisch. Dass sie es noch nicht in den Blog geschafft hat, liegt schlicht und ergreifend daran, dass sie zwar herrlich schmeckt, aber ganz und gar unherrlich aussieht. Ausgefranstes Eiweiß…. In Palomar gibt es zwei Versionen von Shakshouka: eine klassische, schnelle auf der Basis von vorher hergestellter Matbutcha. Und Shakshouka auf neue Art  – ohne Tomaten, dafür mit verschiedenen Gemüsesorten. Diese Version habe ich probiert. Und es gibt einen sehr einfachen Trick, der dafür sorgt, dass das Eiweiß nicht ausfranst, sondern sich wunderbar mit der Sauce verbindet – einfach einmal mit der Gabel durchrühren.

Zur Shakshouka passt Pitta-Brot. Das habe ich schon oft gebacken, aber noch nie mit einer derart detaillierten Anleitung. Die Brote bestehen aus einem einfachen Hefeteig. Sie sind Ofen schön hochgegangen und hatten innen den erwünschten Hohlraum. Nur mit den allzu kurzen Gehzeiten war ich nicht einverstanden; die habe ich verlängert.

Das Blumenkohlsteak mit Labneh war klasse. Es besteht aus ein paar Komponenten mehr und braucht etwas Vorbereitung. Es werden halbierte Blumenkohlköpfe im Ofen gebacken, am Ende mit einer Zitronenbutter bestrichen. Serviert werden sie auf einem Bett von Labneh und mit einem Topping aus geriebenen Mandeln. Man muss vorweg Zitronen einlegen, um das benötigte Zitronenpüree herstellen zu können und Joghurt abtropfen lassen für das Labneh. Wenn man die Vorbereitungszeit investiert hat, dann fügt sich am alles recht einfach zu einem harmonischen Ganzen.

Freekeh war noch da, also gab es zum Blumenkohl einfaches Freekeh. Im Prinzip ist das ein Pilaw, nur eben auf der Basis von Freekeh.

Kabeljau-Chraymeh – dieses Gericht habe ich schon einmal für eine Rezension gekocht. Es ist interessant, die Unterschiede zu merken. Die erste Version war sehr scharf. Hier wird eine Tomatensauce mit reichlich roter Paprika, etwas Harissa und Chili gekocht. Beiden Versionen ist gemeinsam, dass dann der Fisch in der Sauce pochiert wird. Geschmeckt hat jede Version, aber meiner Familie ist die mildere Variante lieber ;-).

Fazit: Die israelische Küche ist ja auf dem Vormarsch, und das nicht zuletzt dank Yotam Ottolenghi. Und wem diese Art zu Kochen gefällt, der wird an diesem Buch seine Freude haben. Es gibt klassische Rezepte und frische Ideen, allesamt gut umsetzbar. Ein wenig Zeit und ein paar Arbeitsschritte mehr muss man oft einplanen, aber es lohnt sich. Auch Vegetarier werden fündig.

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Dorling Kindersley
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3831031702
  • 24,95

 

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Ofenspargel mit Ei und Sahne

Ich bin total unterspargelt! Die Saison ist in vollem Gange, und es gab hier erst ganz selten Spargel. Das ist bedenklich und muss geändert werden.

Kein Wunder, dass mich dieses Rezept gleich angesprungen hat – es hat nicht lange gedauert, bis ich es nachgekocht habe. Gelesen, Spargel gekauft, und zack – stand es auf dem Tisch.

Mit einigen kleinen Änderungen – ich habe die Spargelmenge verdoppelt. Und ich habe statt verschiedener Kräuter nur Estragon genommen. Ich liebe Estragon, und ich habe viel davon im Garten. Diese Gelegenheit nutze ich gern.

Für 2 Personen:

  • 250 g grüner Spargel
  • 125 ml Sahne
  • eine kleine Handvoll Estragon
  • 1/2 TL Dijonsenf
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • 2 Eier (Größe L)

Ofen auf 180 °C Ober- und Unterhitze vorheizen.

Vom Spargel die holzigen Enden abbrechen. Die Spitzen abschneiden. Den Rest mit einem Sparschäler in dünne, lange Streifen schneiden. Zwei kleine Auflaufförmchen (meine hatten 14 cm Durchmesser) mit den Spargelstreifen auslegen, die Spitzen des Spargels auf den Streifen verteilen.

Die Sahne mit Senf, Salz und Pfeffer verrühren. Estragon zupfen, die Blättchen hacken und ebenfalls zur Sahne geben. Gut die Hälfte der Mischung über den Spargel geben.

Jeweils eine Mulde in den Spargel machen, die Eier aufschlagen und vorsichtig in die Mulden gleiten lassen. Die restliche Sahnemischung über die Eiweiße geben.

Alles im heißen Ofen ca. 10 bis 14 min backen, bis die Eier die gewünschte Konsistenz haben.

 

Ofengeröstetes Aloo Gobi

Blumenkohl-Kartoffel-Curry – das war lange Zeit ein Standardgericht in unserem Haushalt. Sozusagen die Standard-Lösung für den Blumenkohl aus der Abokiste und immer gern gegessen. Irgendwann muss es wohl zu viel gewesen sein – denn nun stand das Gericht schon sehr lange nicht mehr auf dem Tisch.

Bis neulich. „Schuld“ daran ist im weitesten Sinn Juliane. Nein, Curry gab es bei ihr keines. Sie hat aber immer wieder begeistert erwähnt, wie gerne sie Zeitschriften über Readly liest. irgendwann habe ich mich dann auch damit befasst. Ich bin so jemand, dem beim Einkaufen immer wieder Kochzeitschriften in den Einkaufswagen springen. Meist ist es dann so, dass ein bis zwei Rezepte als interessant herausgefiltert werden, die restliche Zeitschrift landet im Papiermüll. Da ist die App tatsächlich eine kostengünstige Lösung. Und der Papiermüll wird auch etwas geschont.

Es gibt bei Readly eine riesige Auswahl an Zeitschriften. Ich wusste das vorher nicht, aber mir hat es ganz besonders die BBC Good Food angetan; die lese ich mit leuchtenden Augen. Und dieses Rezept habe ich in der Ausgabe vom März gefunden.

Ich habe ja ohnehin eine Vorliebe für ofengeröstetes Gemüse, und so hat das Rezept mich gleich angsprungen. Blumenkohl und Kartoffeln werden dafür mit Gewürzen im Ofen geröstet. Die Sauce wird separat gekocht und am Ende alles zusammengeführt. Die Röstaromen verleihen dem Gericht zusätzlich Tiefe – es ist toll.  Das Oringinalrezept ist mit einem Teelöffel Cayennepfeffer und 2 Chilis chön charf – Ihr könnt das an Eure Gewohnheiten anpassen. Also los:

Für 4 Personen:

  • 1 Blumenkohl
  • 400 g Kartoffeln
  • 1 EL Kreuzkümmelsaat
  • 2 TL Koriandersaat
  • 2 TL Schwarzkümmelsaat
  • 1 TL Zimtpulver
  • 1 TL Kurkuma
  • 1 TL Cayennepfeffer
  • 4 EL neutrales Öl
  • 8 Curryblätter
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 2 Dosen Tomaten (zu je 400 g)
  • 1 TL Zucker
  • Saft einer Limette
  • Joghurt und Schwarzkümmelsaat zum Servieren.

Ofen auf 180°C vorheizen.

Die Kartoffeln schälen und in mundgerechte Würfel schneiden. Würfel in einen Topf geben, mit Wasser bedecken. Alles zum Kochen bringen, eine Minute kochen lassen, dann abgießen und abtropfen lassen.

Den Blumenkohl in Röschen zerteilen. Den Strunk schälen und in mundgerechte Würfel schneiden. Blumenkohl und Kartoffel auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben. Mit Kreuzkümmel, Koriander, Schwarzkümmel, Zimt, Kurkuma, Cayennepfeffer und 2 EL Öl vermengen, salzen und im heißen Ofen 45 min backen. Nach der Hälfte der Zeit einmal umrühren.

Inzwischen kann man die Sauce vorbereiten: Dafür die Knoblauchzehen schälen und hacken. Die Chilis mit einem spitzen Messer an mehreren Stellen einstechen.

Das restliche Öl in einem großen Topf (Blumenkohl und Kartoffeln müssen später auch noch hineinpassen) erhitzen. Curryblätter darin kurz anrösten, Knoblauch zugeben, kurz durchrühren. Dann Tomaten, Chilis, Limettensaft und Zucker zugeben. Salzen und alles 15 min köcheln lassen.

Das geröstete Gemüse in die Sauce geben. Alles noch 5 min köcheln lassen. Wenn die Sauce zu dick ist, kann man einen Schuss Wasser dazugeben. Das Gericht mit Salz abschmecken und mit Joghurt und Schwarzkümmel auf Tellern anrichten. Dazu passt Basmati-Reis.

 

Schokoladentarte mit Grießcreme

So viel Süßes gibt es hier ja nicht, und Tartes sind erst recht Mangelware. Aber diese Tarte hier, die uns Emiko Davis* vorstellt,  hat gleich einen Haben-Wollen-Reflex ausgelöst.

Emiko Davies erzählt, dass diese Tarte in dem meisten Konditoreien zu finden ist. Sie wird gerne im Ganzen gekauft und als Mitbringsel verwendet.

Wir haben sie selbst gegessen – der Kontrast zwischen knackigem Mürbteig und weicher Grießcreme ist klasse, und Schokolade geht ja ohnehin immer, oder?

Das Rezept ist für eine runde Tarteform von 23 cm Durchmesser berechnet, ich habe statt dessen eine eckige genommen.

Teig:

  • 65 g kalte Butter in kleinen Stückchen
  • 125 g Mehl (ich hatte Dinkel 630)
  • 40 g Zucker
  • etwas Schalenabrieb einer Bio-Zitrone
  • 1 Ei, Größe S

Grießcreme:

  • 500 ml Milch
  • 1 Prise Salz
  • 85 g feiner Hartweizengrieß
  • 75 g Zucker
  • Schalenabrieb von 1 Bio-Zitrone
  • 1 Ei

Ganache:

  • 75 g Sahne
  • 150 g dunkle Schokolade

Für den Teig Mehl und Zucker in eine Schüssel geben. Butter zugeben und alles mit den Fingern zu Streuseln verreiben. Alternativ kann man das auch im Blitzhacker erledigen. Zitronenschale und Ei zugeben und alles rasch zu einer glatten Teigkugel verkneten. Flach drücken, in Frischhaltefolie wickeln und für 30 min in den Kühlschrank stellen.

Backofen auf 180°C Ober- und Unterhitze vorheizen.

Den Teig auf der leicht bemehlten Arbeitsfläche etwas größer als die Tarteform ausrollen, dann in die Form geben und dabei einen Rand hochziehen. Teig mit Backpapier belegen und mit Hülsenfrüchten oder Backgewichten bestreuen. Im heißen Ofen 15 min backen, dann herausnehmen. Hülsenfrüchte und Backpapier entfernen und den Teig auskühlen lassen.

Milch mit 1 Prise Salz aufkochen. Temperatur reduzieren, den Grieß unter dauerndem Rühren einrieseln lassen. Weiterrühren, bis der Grieß aufgequollen ist. Das dauert ca. 8 bis 10 Minuten. Vom Herd nehmen, Zucker und Zitronenabrieb einrühren. Abkühlen lassen, dann das Ei einrühren.

Masse auf dem Teigboden verteilen und im heißen Ofen ca. 45 min backen. Die Tarte soll schön goldgelb sein und auf Fingerdruck leicht nachgeben. Tarte ganz auskühlen lassen.

Für die Ganache die Sahne in einem kleinen Töpfchen aufkochen. Die Schokolade in die heiße Sahne geben und rühren, bis die Schokolade sich komplett aufgelöst hat. Warme Ganache auf der Grießmasse verstreichen.

Tarte vor dem Servieren komplett abkühlen lassen.

Fenchel-Frittata

Ich habe es ja schon erwähnt – Fenchel führt hier leider ein Schattendasein. Irgendwie bin ich (immer noch) die einzige, die dieses Gemüse zu schätzen weiß. In der Abokiste ist er trotzdem hin und wieder, und so freue ich mich immer über neue Inspiration.

Noch mehr freut mich dann, wenn der Fenchel trotz Vorurteilen seitens der Tischgesellen gut ankommt – und bei dieser Frittata aus Emiko Davies Buch „Florenz* war das der Fall. Und es ist ein wirklich einfaches Rezept. Im Grunde ist es ein Drei-Zutaten-Rezept: Fenchel, Eier, Parmesan.

Emiko Davies liefert noch eine kleine Warenkunde; sie erzählt uns, was sie beim Einkaufen auf dem Markt gelernt hat: sie wollte nach schönem, hellgrün leuchtenden Fenchel greifen, wurde aber von der Marktfrau eines Besseren belehrt. Diese drückte ihr eine dicke, runde Knolle in die Hand. Das wäre eine männliche Knolle, meinte die Marktfrau. Die wären weniger fasrig und würden süßer schmecken als die weiblichen. Also, kauft dicke Fenchelknollen 😉 .

Jetzt aber zur Frittata. Das ist ein einfaches, etwas rustikales Omelette. Mit etwas Brot und einem grünen Salat gibt sie ein schönes Essen ab. Ihr braucht dazu eine ofenfeste Pfanne.

Für 4 Personen:

  • 500 g Fenchel
  • 2 EL Olivenöl
  • 4 Eier
  • 35 g Parmesan
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle

Den Backofen auf 180°C Ober- und Unterhitze vorheizen.

Im Originalrezept wird eine große Fenchelknolle von 500 g verwendet. Man schneidet Wurzelansatz und Spitze ab (das Grün aber unbedingt aufheben!) und schneidet die Knolle dann längs in Achtel. Ich hatte zwei kleinere Fenchelknollen (puh, die waren bestimmt weiblich; ich muss mal mit denen von der Abokiste reden 😉 ) und habe sie jeweils geviertelt.

Fenchelstücke in einen Topf mit kaltem Wasser geben, 1 Prise Salz zufügen und alles aufkochen. 15 min köcheln lassen, dann abgießen und abkühlen lassen.

Die Eier verquirlen. Den Parmesan reiben. Das Olivenöl in einer ofenfesten Pfanne erhitzen. Den Fenchel hineingeben, salzen und pfeffern und mit den Eiern übergießen. Die Pfanne etwas schwenken, damit sich alles gleichmäßig verteilt. Alles bei schwacher Hitze garen, bis das Ei nahezu fest ist.

Dann die Pfanne ca. 5 min in den Backofen stellen. Der Käse soll schmelzen und an der Oberfläche soll sich eine leichte Kruste bilden.

Fenchelgrün hacken, darüber streuen und die Frittata servieren.

 

Kochbuch: Florenz | Emiko Davies

Ich bin ja bekennender Kochbuch-Junkie, aber an diesem Buch wäre ich beinahe vorbei spaziert. Und dann blitzte in meinem Gedächtnis kurz etwas auf…Emiko Davies? Das war doch die Dame, auf deren Blog ich seinerzeit fündig wurde bei meiner fast schon verzweifelten Suche nach einem Rezept des historischen Kochbuchautors Artusi. Und war das nicht spannend zu lesen, was sie da macht?

Ja, es ist spannend zu lesen. Das liegt sicherlich nicht zuletzt an der Lebensgeschichte von Emiko Davies. Sie ist je zur Hälfte Japanerin und Australierin. Aufgewachsen ist sie in Peking, um dann in den USA und in Australien Design zu studieren. Nun lebt sie mit ihrer Familie in der Nähe von Florenz. Sie schreibt regelmäßige Kolumnen für Food 52, den Corriere della Sera und andere. „Florenz“ ist ihr erstes Kochbuch.

Hübsch ist es geworden. Mit seinem gefleckten Einband und dem roten Schnitt erinnert es auf den ersten Blick an alte Notizbücher. Das Buch ist großformatig und besticht mit Fadenbindung und mattem, leicht grauem Papier. Das Layout ist schön übersichtlich: in einer schmalen Spalte am Rand stehen Zutaten und Küchentipps, daneben die Arbeitsanleitung. Fotos? Gibt es, und zwar nicht wenige. Nicht jedes Gericht hat ein Food-Foto bekommen, aber dafür gibt es viele schöne Fotos aus Florenz. Und bei schwierigeren Gerichten findet man auch mal Step-by-Step-Bilder.

Jetzt aber zu den inneren Werten: Die Rezepte sind unterteilt in die Orte, an denen man die Gerichte typischerweise isst. Da gibt es als erstes die Konditorei, in der man Leckereien wie Cornetti oder süße frittierte Reisbällchen findet. In der Bäckerei geht es weiter mit dem toskanischen Brot ohne Salz oder mit Rosmarin-Sultaninen-Brötchen. Auf dem Markt finden wir – genau, Gemüse: Artischockensalat, weiße Bohnen in Olivenöl, Dinkelsalat und noch viel mehr gibt es zu entdecken. Danach gehen wir in die Trattoria  und nehmen ein kleines Mittagessen oder ein primo zu uns. Mini-Gnocchi zum Beispiel, oder Papardelle mit Entenragout. Das Fleisch gibt es logischerweise beim Metzger. Mir gefällt, dass da viele Gerichte mit Innereien gibt – frittierte Kuttelbällchen zum Beispiel. Aber auch Tagliata und Bistecca kommen nicht zu kurz. Das letzte Kapitel heißt „In Giro“, also unterwegs. Es gibt Streetfood. Lampredotto zum Beispiel, verschiedene Panini und Crostini und Eis.

Die Rezepte sind gut aufgebaut und problemlos nachkochbar. Zu jedem Rezept gibt es eine persönlich geschriebene Einleitung, in der man oft auch etwas über die Geschichte des Gerichts erfährt. Oft gibt es auch noch kleine Küchentipps und Ideen, wie man Zutaten ersetzen kann. Das ist aber nicht alles. Es gibt auch ganz viele Beiträge über die Geschichte des Essens in Florenz. Zunächst einmal in den Einführungen zu den einzelnen Kapiteln. Da wird wunderbar erklärt, was den Markt oder die Trattoria ausmacht. Es gibt aber auch immer wieder kleine Einschübe. Wir lesen über Esskultur in der Renaissance, über versteckte Bäckereien, über die Bedeutung des Brotes im Mittelalter und vieles mehr. Außerdem im Programm: ein ausgefeiltes Rezepte-Register, Empfehlungen von Konditoreien, Bäckereien, Märkten, Trattorien und vielem mehr für den Besuch in Florenz und ein ausführliches Glossar.

Ich habe ein bisschen was ausprobiert – bin aber noch lange nicht fertig.

Penne Strasciate – also Penne mit Hackfleischsauce. Na, werdet Ihr denken, da hat sie ja was ganz ungewöhnliches ausprobiert. Das Gericht ist tatsächlich ungewöhnlich. Da wird zunächst die Hackfleischsauce gekocht. Die braucht viel Zeit. Es kommt sehr viel Flüssigkeit daran – allein ein halber Liter Rotwein. Wenn dann nach 3 Stunden alles eingekocht ist, hat man eine dunkle, aromatische Sauce. Die Penne werden kurz in Wasser vorgekocht, dann in der Sauce fertiggegart. Dabei muss man  immer wieder rühren, damit sich nichts ansetzt – und strascicare heißt schleppen oder schleifen. Daher hat das Gericht seinen Namen. Die Pasta verbindet sich wunderbar mit der Sauce.

Es gibt eine Menge Gemüsegerichte  in dem Buch, die ich noch ausprobieren möchte. Den Anfang machte eine Frittata mit Fenchel. Ebenso einfach wie fein – und noch ein Gericht, das die Fenchelhasser hier im Haushalt überzeugen konnte.

Zur Frittata gab eine Schiacciata – Foccacia auf toskanisch. Die Foccacia verortet man vielleicht nicht unbedingt in Florenz, aber die Version ist auch speziell. In den Teig kommen statt Olivenöl Milch und Schweineschmalz, das gibt eine spezielle Konsistenz.

Es gibt viel süßes Gebäck unter den Rezepten. Ich habe die Schokoladentarte mit Grießcreme ausprobiert. Wir sprechen von einem Mürbteigboden. Auf den kommt …Grießbrei, anders kann ich es nicht sagen. Und die fertig gebackene Tarte wird dann mit einer Ganache überzogen. Das ist wirklich toll. Die Komponenten harmonieren auf das Feinste.

Fazit? Daumen hoch! In diesem Buch findet man nicht nur typische Rezepte aus Florenz. Es gibt auch viele Hintergrund-Informationen und Geschichten. Man merkt beim Blättern und Lesen deutlich, dass es sich um ein Herzensprojekt der Autorin handelt.

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Dorling Kindersley
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3831032624
  • 26,95