Kochbuch: Detox – Suppen, Smoothies, Tees, Aromawasser & Cocktails | Stéphanie de Turckheim

Halt, nicht wegklicken, nur weil da „Detox“ in der Überschrift steht! Ich gebe ja zu, das Ziel dieses Buches ist es, mithilfe von Getränken und Suppen dem Körper etwas Gutes zu tun. Von einer Detox-Kur ist des öfteren die Rede im Buch. Ich stelle es aber aus einem anderen Grund vor – es geht um Flüssigkeitszufuhr.

Eigentlich habe ich immer mehr als nur ausreichend getrunken; ich bin die, die den ganzen Tag an der Teetasse hängt. Aber in letzter Zeit gibt es Schwierigkeiten – ich kriege meine Tasse nicht mehr leer und stelle am Ende des Tages fest, dass ich zu wenig getrunken habe.  Denn literweise Wasser ist auch nicht so meines…. Es braucht also Motivation und Abwechslung, und genau deshalb stelle ich Euch ganz uneigennützig ein Buch vor, das sich mit Getränken im weitesten Sinne befasst.

Geschrieben hat das Buch Stéphanie de Turckheim. Die gebürtige Elsässerin ist eine leidenschaftliche Köchin und hat schon einige Kochbücher geschrieben; außerdem gibt sie Kinderkochkurse, um die Begeisterung für gutes Essen auch an nachfolgende Generationen weiterzugeben.

Vor mir liegt ein hübsch aufgemachtes Taschenbuch. Das Layout ist hell und fröhlich und motiviert zum Blättern und Lesen. Jedes Rezept hat ein ganzseitiges Foto bekommen; besonders hübsch ist da, dass die Rezeptseiten farblich passend unterlegt sind – also: roter Smoothie, rote Rezeptseite. Das Inhaltsverzeichnis punktet mit einem kleinen Bildchen fürjedes Rezept. Einziger Wermutstropfen: das Buch bleibt nicht aufgeschlagen liegen.

Jetzt zum Inhalt: 70 Rezepte gibt es – das ist eine Menge Stoff zum Trinken. Da gibt es Säfte für den Morgen, Brühen, Smoothies, aromatisiertes Wasser, Tees und Cocktails. Die Bandbreite reicht von Saft aus Roter Bete, Rotkohl, Apfel und Ingwer über Brühe aus Lauch und vier Gewürzen bis hin zu einem Smoothie aus Brokkoli, Banane, Zitrone und Petersilie, Aprikosen-Heidelbeer-Melissenwasser, einem grünen Tee mit Kirschstielen, Anis und Fenchel bis zu einem Cocktail mit Karotte, Ananas und Ingwer.

Bevor es an die Rezepte geht, gibt es eine Einführung. Es wird erklärt, was das Ziel des Buches ist, man kann testen, ob man eine Kur nötig hat, Zutaten und benötigtes Equipment werden erklärt, sogar Menüvorschläge gibt es. Zusätzlich punktet das Buch mit einem Anhang, der in seiner Ausführlichkeit seines Gleichen sucht: es gibt nochmals Menüvorschläge, ein alphabetisch geordnetes Rezeptverzeichnis sowie eine ebenfalls alphabetisch geordnetes Zutatenregister und einen Saisonkalender.

Dass die Rezepte einen nicht vor Schwierigkeiten stellen, versteht sich bei diesem Thema ja fast von selbst, oder? Ausführlich sind sie trotzdem; unter anderem sind  immer die Zubereitungszeit angegeben und das benötigte Equipment, auch Varianten und Alternativen gibt es. Eines aber stört mich: Die Autorin sieht die Rezepte wirklich unter dem Gesichtspunkt einer Detox-Kur; das Wort „Detox“ steht in jeder Kapitelüberschrift und auch bei vielen Rezepttiteln. Dann hätte ich aber doch auch gerne erklärt bekommen, worin genau die Wirkungen der einzelnen Rezepte auf meinen Körper bestehen. Was genau tue ich mir denn Gutes mit einer Brühe aus weißem Spargel und Curry?

Aromawasser finde ich klasse, und zwar schlicht, weil es gut schmeckt und man es daher besser schafft, genügend zu trinken. Ich habe also als erstes das „Detox-Wasser“ mit Orange, Fenchel, Sellerie und Karotte probiert. Ob das nun entgiftet, weiss ich nicht. Geschmeckt hat es jedenfalls gut.

Ich trinke zwischendurch gerne mal eine Tasse Brühe. Im Winter ist eine mit Paprika gewürzte Brühe auf der Basis von Rotkohl eine tolle Idee, und das nicht nur wegen der aufmunternden Farbe. Allerdings: im Original kommen als Gewürze Paprikapulver und eine Prise Zucker an die Brühe; ich musste ein wenig Salz daran machen, sonst hätte ich sie nicht trinken können.

Besonders gut fand ich das Aromawasser mit roten Früchten, Zitrone und Salbei. Es ist frisch und fruchtig, und die leicht herbe Salbeinote gibt den letzten Kick. Beim Obst habe ich auf Tiefkühlware zurückgegriffen; Salbei habe ich immer im Garten.

Bei Verdauungsschwierigkeiten hilft Fenchel. Und das noch besser, wenn man ihn mit Minze kombiniert so wie in diesem Tee mit Fenchel, Minze und Zitrone.

Fazit: Nein, ich habe es nicht so mit dem Detoxen. Wohl aber damit, mir genügend Flüssigkeit zuzuführen. Und dafür liefert dieses Buch mit seinen abwechslungsreichen Rezepten einem gute Ideen an die Hand. Vom Smoothie als kleine Mahlzeit über Tee bis hin zum Cocktail ist alles dabei; auch Kombucha und Wasserkefir gibt es.

  • Taschenbuch: 192 Seiten
  • Verlag: Stocker
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3702017040
  • 14,95
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Kochbuch: a casa | Claudio del Principe

Es ist kein klassisches Kochbuch. Ja, es gibt Rezepte und nicht wenige davon. Aber im Grunde ist das, was ich Euch heute vorstellen darf, eine Liebeserklärung ans Kochen, an gute Zutaten, Langsamkeit (oder soll ich „Entschleunigung“ sagen?) und Hingabe.

Aber von vorn. Wem muss ich Claudio del Principe noch vorstellen? Claudio bloggt seit …, also, schon lange, unter „Anonyme Köche„, und einige Bücher gehen inzwischen auch schon auf sein Konto. Den Vorgänger dieses Buches hier habe ich Euch ja auch vorgestellt. Blog und Bücher schätze ich, einfach deswegen, weil so viel Hingabe und Begeisterung aus ihnen sprechen.

Gut, worum geht es? Vor mir liegt ein Küchentagebuch, ein, wie Claudio sagt, italienisch inspiriertes Kochbuch. 200 Rezepte gibt es, aber es geht um mehr als nur Rezepte. Was macht Kochen eigentlich aus? Soll es nur unseren Magen füllen? Oder möchte man sich etwas Gutes tun? Bei Claudio ist es ganz klar Letzteres. Kochen macht ihm Freude – das geht von der Planung über die Auswahl der Produkte über die Arbeit in der Küche bis hin zum Ergebnis, das dann auf dem Tisch steht und genussvoll verspeist wird. Die wichtigste Zutat? Zeit – und das muss nicht Arbeitszeit sein. Das kann auch die Zeit sein, in der Hülsenfrüchte einweichen oder in der ein Brotteig aufgeht.

Entsprechend sind auch die Rezepte, die wir vorfinden. Das Paradebeispiel für Zeiteinsatz in der Küche ist womöglich selbstgebackenes Brot; in Claudios Fall immer mit dem selbst angesetzten Livieto Madre. Die meiste Zeit geht der Teig von selbst. Die Rezepte sind allesamt ohne Küchenmaschine machbar – eine italienische Nonna hat ja schließlich auch keine. Viel selbstgemachte Pasta gibt es, auch oft gefüllt. Es gibt italienische Klassiker wie Spaghetti Carbonara (mit ultimativer Anleitung) oder Risi e Bisi, aber auch Rösti (mit ultimativer…Ihr wisst schon) oder Linzer Torte. Manche Rezepte brauchen eine lange Kochzeit, für manche, wie die eleganten sardischen Culurgiones, braucht man Zeit und Muse  in der Küche und andere, wie die Ricottagnocchi mit Tomatensauce brauchen einfach nur gute Zutaten und eine halbe Stunde Zuwendung.

Eines haben alle Rezepte gemeinsam – man benötigt beste Zutaten, aber in aller Regel nicht viele davon. Die Zubereitung mag manchmal etwas länger dauern, aber die Gerichte sind immer schnörkellos und konzentrieren sich auf das Wesentliche.

Ich sagte ja – Küchentagebuch. Ein Jahr lang hat Claudio es geführt. Nicht für  jeden Tag gibt es einen Eintrag, aber man wird wunderbar durch das Jahr geführt. An manchen Tagen gibt es ein ausführliches Rezept, an anderen eine Geschichte, und oft genug versteckt sich in der Geschichte auch ein Rezept. Es ist ein sehr persönliches Buch.

Die Optik, ehe ich es noch vergesse: das Buch ist im AT-Verlag erschienen, das impliziert ja schon dass es hochwertig und schön aufgemacht ist. Fadenheftung, ein Einband aus Halbleinen und natürlich ein Lesebändchen. Und natürlich eine Menge Fotos, die Claudio alle selbst gemacht hat. Wie die  Rezepte sind auch die Fotos auf das Wesentliche reduziert – Held ist das Essen ohne viel ablenkendes Drumherum. Genau meins.

Eigentlich wollte ich gar kein Brot backen, aber meine Livieto madre schickte sich an, von ihrem Behältnis aus den Kühlschrank zu erobern.  Also rasch den Teig für das doppelte Sonntagsbürli angesetzt; das ist ein feines Brot, das recht schnell hergestellt ist. Im Buch ist es eher eine kurze Geschichte als ein exaktes Rezept; aber genau das mag ich. Mein Teig hätte noch etwas länger ruhen können, das Bürli ist im Ofen etwas explodiert.

Noch ein Nicht-Rezept: die Knoblauchcreme aus in Olivenöl angerösteten Knoblauchzehen, die in Sahne gargekocht und dann püriert werden. Die Creme ist super zum Abschmecken von zum Beispiel Saucen.

Jetzt aber mal zu einem „richtigen“ Rezept – Karottensalat, genauer gesagt: Karottensalat mit Kabumm. Bissfest gegarte Karotten mit einer Vinaigrette aus Olivenöl, Frühliingszwiebeln, Safran, rotem Kampot-Pfeffer, Honig und Estragon. Gut, dass ich dauernd Karotten in der Abokiste habe….

Ich weiß ja nicht, wie das bei Euch ist, aber bei mir ist Comfort Food immer mit Kohlenhydraten verknüpft. Es ist also klar, was ich von Pasta e Patate halte, oder?

Die Schwärmerei für Bohnen, die auf italienische Art zubereitet werden, kenne ich von meinen Eltern. Dabei ist das eine einfache Sache – Bohnen einweichen und garen, etwas Olivenöl mit Knoblauch und Salbei aromatisieren, dann die Bohnen darin noch eine Weile weiterköcheln lassen. Dazu braucht man eigentlich nichts weiter….

Es hat schon seine Vorteile, Kochbücher zu rezensieren. Auf diese Art kriege ich hin und wieder den Hintern hoch und probiere Dinge, zu denen ich bisher nicht gekommen bin. Ricotta-Gnocchi zum Beispiel. Es ist fast schon peinlich, aber das hier ist mein Erstversuch. Aber garantiert nicht der letzte.

Fazit: „Achtsamkeit“ ist zur Zeit ein viel strapazierter Begriff. Wie Claudio koche auch ich meist zwei mal am Tag. Fündig wurde ich sowohl für das Mittagessen, das eher rasch auf dem Tisch stehen sollte, bei uns als auch für das entspannte Kochen am Abend. Ein großer Lesespaß ist das Buch auch; die Begeisterung, die aus dem Buch spricht, macht einfach Freude.  Wenn man Claudios Blog liest oder ihm auf Facebook oder Instagram folgt, findet man allerdings einiges wieder, das man schon kennt.

  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: AT Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3038009702
  • 39,90

Kochbuch: Schnell mal was Gutes | Alexander Herrmann

„Ach, ich komme so spät von der Arbeit heim und bin so erledigt, zum Kochen reicht das nicht mehr, das dauert immer so lange.“ Also lieber Fertiggerichte oder der Lieferservice? Oder doch lieber Rezepte, die recht fix einen ausgewogene Mahlzeit auf den Teller bringen? Ich bin für letzteres. Denn ich finde, eine ausgewogene, liebevoll (wenn auch schnell) zubereitete Mahlzeit sorgt einfach für mehr Wohlgefühl und Zufriedenheit als die Pizza vom Lieferservice. Ganz abgesehen davon, dass sie auch wesentlich gesünder ist. Meine Patentlösung war früher immer etwas fix Pfannengerührtes aus dem Wok.

Aber nun verspricht ausgerechnet Alexander Herrmann Abwechslung bei der schnellen Feierabendküche. Das würde man auf den ersten Blick vielleicht nicht so erwarten, denn normalerweise investiert er ja etwas mehr Zeit und Mühe in seine Gerichte. Aber mit dem vorliegenden Buch verspricht er uns, dass wir mit wenig Aufwand etwas Besonderes auf den Tisch bringen können. Funktionieren soll das dank toller Zutaten und einem Rezept, das das Beste aus ihnen herausholt. Und danke der einen oder anderen Abkürzung – die Aromen bleiben, aber die Rezepte werden vereinfacht. Gut – schauen wir mal:

Es gibt ja so Gerichte, da hebt es schon die Stimmung, wenn man nur daran denkt – Pizza zum Beispiel. Alexander Herrmann sortiert das unter „Seelenfutter“ ein und lockt uns mit Spaghettoni mit Ofentomatensauce, Kalbsrahmbolognese oder Weißweinrisotto mit zweierlei Rucola. Und dann gibt es so Gerichte, die wecken Erinnerungen, weil sie schmecken wie bei Oma. Gebackener Blumenkohl zum Beispiel, oder ein Kaiserschmarrn, der in diesem Fall herzhaft daherkommt. Manchmal möchte man etwas Besonderes auf dem Tisch haben, hat aber ein kleines Zeitfenster. Dann bieten sich Hähnchen-Minutensteaks mit scharfem Karottenmangosalat und Erdnüssen an oder Pulled Salmon mit Kräuter-Zitrusmarinade und Schmand-Spaghettoni. Und wer zum Beispiel gerade vom Sport kommt, hat vielleicht einen Bärenhunger, möchte aber nicht die Erfolge zunichte machen und lieber etwas Gesundes essen. Da bietet sich zum Beispiel fix gebratener Raddicchio mit Rote-Bete-Saft und Linsenvinaigrette an oder auch Kichererbsenpüree mit gebratenen Egerlingen und Chili-Aprikosen. Entspannungsküche gibt es auch noch –  wenn man mal mehr Zeit hat und genüsslich länger in der Küche werkeln möchte.

Die Rezepte sind durchweg für zwei Personen berechnet. Man kann sie problemlos für mehr Leute machen, braucht dann aber unter Umständen etwa länger, weil man mehr schnibbeln muss. Die Rezepte sind übersichtlich aufgebaut und verwenden Zutaten, die man überall bekommt. Ich hatte keinerlei Schwierigkeiten beim Nachkochen. Und: alles stand wirklich fix auf dem Tisch. Abgesehen davon wandeln  die Rezepte fantasievoll, haben gerne einen besonderen Dreh und machen einfach Spaß – sowohl beim Kochen als auch beim Essen.

Rosenkohl, geröstet und mit Nüssen angerichtet, dazu eine wirklich geniale Polenta – die wird aromatisiert mit etwas Orangenabrieb und einer Paste aus Petersilie und Olivenöl. Im Rezept wird Instant-Polenta verwendet; die bestreike ich. Aber auch mit herkömmlicher Polenta stand das Gericht fix und unkompliziert auf dem Tisch.

Diese knusprigen Hühnchenstreifen haben eine asiatische Note: das Fleisch wird in Honig und Sojasauce mariniert, bevor es einen Mantel aus Panko bekommt und gebraten wird. Dazu gibt es Chinakohl, der ebenfalls mit Sojasauce gewürzt wird und außerdem eine Portion Sweet-Chili-Sauce und Koriandergrün abbekommt. Das war nicht so sehr fein, sondern stand auch erstaunlich fix auf dem Tisch.

Schnell mal was Feines? Fisch im Speckmantel drängt sich da auf, und dazu ein „Risotto“ aus Kartoffeln. Das Ganze dauert etwas länger als 30 Minuten, was an der Garzeit der Kartoffeln liegt; es ist ein Rezept aus dem Teil, der Entspannung in der Küche bieten soll –  und ist die Zubereitung auch ganz  entspannt und das Ergebnis hat uns alle überzeugt.

Auch das Geröstel mit Cabanossi und Rahmgurken verlangt einem nicht viel ab. Es ist aber ein schönes Beispiel für die kleinen Tipps und Ideen, die dafür sorgen, dass das Buch richtig Spaß macht: so werden die Kartoffeln zum Kochen halbiert, damit das Kümmelaroma und das Salz im Kochwasser auch was bringen. Und für das Dressing des Gurkensalates wird die Flüssigkeit, die die Gurken nach dem Einsalzen abgeben, gleich mitverwendet.

Die Pilzsuppe macht auch Spaß. Sie wird klassisch hergestellt aus verschiedenen Pilzen, Weißwein, Brühe und Sahne. Der Clou ist das Topping aus karamellisierten Pilzen mit Estragon. Im Original gibt es dazu noch mit Frischkäse bestrichenes geröstetes Brot; da fand ich die Bezeichnung „Bruschetta“ etwas hoch gegriffen. Wir haben einfaach Brot pur dazu gegessen.

Fazit:  Man findet schöne Rezeptideen für Tage, an denen nicht so viel Zeit zum Kochen da ist. Und eigentlich auch für alle anderen Tage, denn die Rezepte haben oft einen besonderen Dreh und machen einfach Spaß. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es aber: für Vegetarier ist das Buch eher unergiebig. Und: ein wenig fehlt die klare Linie, die Rezepte wollen wohl alle möglichen Situationen und Vorlieben abdecken, das wirkt ein wenig gewollt.

  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Dorling Kindersley
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3831034505
  • 19,95

Wärmender Gurkensalat, Five-Spice-DIY und TCM-Küche für alle

Ich hänge keiner bestimmten Ernährungsphilosophie an, außer, man stuft „Von ois a bissl“ als solche ein. Ich bin einfach der Überzeugung, dass man gut fährt, wenn man sich ausgewogen ernährt, sich nichts verbietet und es auch mit nichts übertreibt. Ich bin aber auch ein neugieriger Mensch und und interessiere mich für traditionelle Ernährungsformen wie Ayurveda oder auch die Ernährung nach den 5 Elementen, die aus der klassischen chinesischen Medizin kommt – die übrigens auch ein sehr spannendes Thema ist.

Wer hin und wieder mit Chinesen am Tisch sitzt, der weiß, dass der Gedanke, dass Lebensmittel nicht einfach nur Energie liefern, sondern auch andere Wirkungen haben, in der chinesischen Kultur tief verwurzelt ist. Man kann sich da beim Essen den einen oder anderen interessanten Vortrag anhören.

Man könnte sehr viel schreiben über die Traditionelle chinesische Medizin – aber wenn ich das nun mache, komme ich heute gar nicht mehr auf den Punkt. Ich empfehle einfach mal diesen Artikel hier, der bringt alles gut auf den Punkt. Bei der Ernährung geht es ganz kurz ausgedrückt darum, die Lebensenergie „Qi“ am fließen zu halten. Oder auf Deutsch: um ein gutes Bauchgefühl.

Beatrice Trebuth befasst sich seit mehr als 30 Jahren mit TCM. Sie ist Physiotherapeutin und Heilpraktikerin und Spezialistin für Akupunktur und chinesische Arzneimittel. Sie hat bereits mehrere Bücher über die TCM-Küche verfasst, dieses hier hier nun hat sie zusammen mit ihrer Tochter Franziska geschrieben. Die beiden wollen es uns ermöglichen, die Prinzipien der TCM-Küche in unseren Alltag einzubauen.

Das Ziel ist es nicht, irgendwelche starren Konzepte zu befolgen. Es geht ganz einfach darum, zu erkennen, was einem ganz persönlich gut tut und dieses dann in der Küche umzusetzen. Dazu startet das Buch mit einer gründlichen Einführung, die erklärt, was tatsächlich wichtig ist, wenn man sich gesund ernähren möchte. Es werden einem auch mit einfachen Grundregeln und Typbeschreibungen Werkzeuge an die Hand gegeben, mittels derer man herausfinden kann,  was man gerade braucht.

Dann geht es auch schon an die Rezepte, unterteilt in Getränke, Frühstück, Mittagessen, Snacks und Abendessen. Wir trinken Kardamomtee, frühstücken gekochte Hirse mit Ei, essen zu Mittag Rosenkohl mit Kokossauce, machen uns für zwischendurch einen Bratapfel und beschließen den Tag mit Mangoldküchlein. Zu jedem Kapitel gibt es ein Einführung, die erklärt, was für die jeweilige Tageszeit wichtig ist und natürlich gibt es auch bei den Rezepten Erläuterungen, wie sie wirken. Kleine Icons kennzeichnen zudem,  ob es sich um spezielle Heilnahrung handelt, ob das das Essen gut zum Mitnehmen ist, ob etwas besonderes schnell geht und anderes. Die Rezepte sind absolut alltagstauglich und setzen keine besonderen Zutaten voraus.

Ich habe Euch ein Rezept-Beispiel mitgebracht. Einen Gurkensalat. Gurken gelten ja im Grunde eher als kühlend und erfrischend. Also eigentlich nichts, was man in der kalten Jahreszeit dauernd essen möchte. Nicht umsonst haben sie im Hochsommer Saison. In meiner Abokiste findet sich aber auch außerhalb der Saison hin und wieder eine Gurke, und so habe ich sie in diesem Salat verarbeitet. Ein kleiner Kniff ändert die Qualität des Salates  – durch das klassische chinesische Fünfgewürz wird der Bauch gewärmt und der Stoffwechsel angeregt. Das Gewürz sorgt außerdem für eine leichtere Verdaulichkeit der Speisen; wer bei Hülsenfrüchten oder Kohlgerichten mit Blähungen reagiert, der sollte es bei diesen Gerichten auch mal mit Five Spice versuchen.

Ach so – was mit am Wichtigsten ist: der Salat schmeckt. Süß-Sauer, schön würzig und die Cashews sorgen für Biss.

Five-Spice:

  • 4 Nelken
  • 2 TL Sichuan-Pfeffer
  • 1 EL Fenchelsaat
  • 1 TL Zimtpulver (Ceylon)
  • 2 Sternanis

Nelken, Sichuan-Pfeffer und Fenchel in einer kleinen Pfanne trocken anrösten, bis die Gewürze zu duften beginnen. Abkühlen lassen, dann zusammen mit Zimt und Sternanis im Blitzhacker pulverisieren.

Salat:

  • 1/2 frische Chilischote
  • 1 Salatgurke (bio)
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 1/2 TL Ingwer, frisch gerieben
  • 2 EL Cashewkerne
  • eine Handvoll Koriandergrün
  • 30 g Rohrohrzucker
  • 1/2 TL Five-Spice
  • Salz
  • 150 ml Weißweinessig

Die Chilischote in feine Ringe schneiden. Original wird sie auch noch entkernt. Knoblauch schälen und fein hacken. Gurke in dünne Scheibchen hobeln und in eine Schüssel geben. Koriander zupfen. Cashews hacken, in einer Pfanne trocken rösten, bis sie zu duften beginnen, dann beiseite stellen.

Den Zucker in einem kleinen Topf erhitzen und köcheln lassen, bis er schmilzt. Knoblauch, Chili und Ingwer zugeben und mit dem Essig ablöschen, Five Spice zugeben und rühren, damit sich der Zucker auflöst. Einmal aufkochen lassen, dann über die Gurkenscheiben gießen. Salat mit Koriander und Cashews garnieren und servieren.

  • Taschenbuch: 144 Seiten
  • Verlag: BLV Buchverlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3835416901
  • 20,00

Kochbuch: Pacific Food * Heidi Köster, Claus Hiltner

Habt Ihr Lust auf eine Reise? So von Chile über Kolumbien bis Los Angeles, dann weiter Richtung Tonga, Australien, Singapur und Hongkong und dann noch über Hawaii nach San Francisco? Dann kommt mal mit.

Südsee, ein magisches Wort und ein Reisetraum für viele. Die begeisterte Köchin Heidi Köster und der Zeichner Claus Hiltner haben für sich diesen Traum wahrgemacht. Und mit dem vorliegenden Kochbuch teilen sie ihn mit uns. Jahrelang sind die entlang des Pacific Rim gereist, ein Gürtel von Vulkanen der sich den Pazifik lang  über vier Kontinenten erstreckt. Sie haben mit vielen Menschen gesprochen, viel gegessen und in viele Kochtöpfe geschaut.

Die Rezepte sind geordnet nach den besuchten Orten. Und es gibt viel auszuprobieren – wie wäre es mit Brathähnchen mit Auberginenfüllung aus Chile, biergeschmortem Rind mit grünem Pfeffer aus Ecuador, kolumbianischen Fischeintopf mit Yuca und Mais, tropischem Auberginensalat nach Tonga-Art oder knusprigem Schweinefleisch mit Pflaumensauce, wie es in Australien serviert wird? Es ist alles da.

Der geografische Raum, der von den Rezepten abgedeckt wird, ist riesig. Dennoch ziehen sich bestimmte Zutaten wie ein roter Faden durch die Rezepte – Kochbananen, Fisch, Kokos und Cassava sind allgegenwärtig. Auch für manch andere Zutat lohnt sich der Gang in den Asia-Shop. Die etwas „exotischeren“ Zutaten sind in einem Glossar ausführlich erklärt – mit Einkaufstipps, und, wo es möglich ist, Ersatzmöglichkeiten.

Wenn man die Zutaten eingesammelt hat, funktionieren die Rezepte einwandfrei; es ist alles wunderbar erklärt. Was es auch noch gibt, ist ein nach Zutaten und Gerichten alphabetisch sortiertes Register – man findet da problemlos, was man sucht.

Nun ist das ja ein Reisekochbuch – entsprechend gibt es nicht nur Rezepte. Es gibt zu jeder besuchten  Region eine schöne Einführung, die uns mitnimmt in die Region. Da gibt es spannende Geschichten rund um Land und Leute, Fotos, die das Fernweh zu wecken verstehen. Eingebaut sind auch viele Zeichnungen von Claus Hiltner. Für mich hätte es da gerne ein bisschen weniger sein dürfen; das Layout wirkt etwas unruhig. Aber das ist ja immer Geschmackssache.

Ich startete mit Beef Kovu; das ist ein Gericht aus Tonga. Ganz ursprünglich kommt das Rezept aus Papua-Neuginea. Rindfleisch wird in Bananenblätter gewickelt und im Erdofen gegart. Das mit dem Erdofen ist hierzulande etwas schwierig, und so müssen Bräter und Backofen herhalten. Das Aroma kommt von Zitronengras, Sternanis, Kokoscreme und Chili; außerdem werden Kochbananen mitgeschmort.

Überhaupt sind Kochbananen ein fester Bestandteil der pazifischen Küche. Sie werden nicht nur mitgeschmort, es gibt sie in Form von salzigen Chips gerne auch immer wieder als Beilage zu verschiedenen Gerichten. Dafür werden Bananenscheiben gewässert, abgetrocknet, in Kurkuma gewendet und in der Pfanne gebraten. Das ist einfach und passt zu allem.

Hähnchen mit Pandanusblätter – dieses Gericht aus Singapur war unser Highlight; das Aroma ist umwerfend; dank  Pandanblättern, einer Würzpaste aus Zitronengras, Chili, Ingwer, Schalotten und Knoblauch, süßer Sojasauce und Tamarinde. Hier geht es zum Rezept.

Für den sautierten Römersalat wird eine Creme aus Ricotta, Joghurt, Zitronensaft, Dill und Senf gerührt. Darauf wird in Blätter zerteilter, sautierter Römersalat angerichtet. Eine schöne Art, Salat zu essen, die aus Chile kommt.

Marshmallows wollte ich schon immer mal machen – und voilà, hier sind welche: Als flüssige Basis dient Kaffee, das ist richtig klasse.

Fazit: Ich mag das Buch sehr. Mit seinen Rezepten und Geschichten nimmt es uns mit in eine Traumgegend. Die Rezepte sind vielfältig, aber doch aus einem Guss. Was mir besonders gut gefällt, ist dass man auch mit der Küche von Gegenden vertraut gemacht wird, über die man sonst kaum etwas findet. Wo sonst kann man schon auf dem Teller nach Tonga oder Yap reisen?

  • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
  • Verlag: GRÄFE UND UNZER Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3833861574
  • 32,00

Kochbuch: The Chef and The Slowcooker | Hugh Acheson

Ich muss gestehen, dass der Slowcooker in letzter Zeit ein Schattendasein bei mir gefristet hat. Das hat sich nun geändert, und ich bedanke mich dafür bei Hugh Acheson. Hugh Acheson ist in Kanada geboren. Er begann recht früh mit dem Kochen; ein Studium der politischen Philosophie brach er ab, um in italienischen und französischen Restaurants zu arbeiten. Heute lebt er in den USA und betreibt mehrere Restaurants in Georgia. Er tritt außerdem im Fernsehen auf und hat bereits mehrere Kochbücher veröffentlicht, einige davon preisgekrönt.

Der Mann kann übrigens nicht nur kochen, sondern hat auch ein komisches Talent – wenn Ihr mal schauen wollt:

Jetzt aber zum Buch. Ich habe darin geblättert und ob der 70er-Jahre-Optik in der Aufmachung erst mal leicht schmerzvoll die Stirn gerunzelt. Dann habe ich die Einführung gelesen – und zack, Hugh Acheson hatte mich. Er hält da eine ebenso flammende wie lustige Rede für die Benutzung des Slowcookers:

Warum nicht einfach im Schmortopf kochen? Ach, wo fange ich an…diese schönen Töpfe wiegen mehr als ein V-8-Motor und sind in einem normalen Spülbecken schwierig zu säubern. Auf dem Herd die richtige Temperatur, bei der alles nur simmert,  zu finden und zu halten, ist ungefähr so, wie Fermats letzten Satz zu verstehen, und möglicherweise schafft man es gar nicht. Der Slowcooker hat ein Thermostat, das das erledigt. Der Slowcooker muss nicht auf dem Herd stehen, und folglich muss man ihn nicht bewachen um zu verhindern, dass das Haus abbrennt.  Der Slowcooker ist ein Gerät, das Dein Leben produktiver und vergnüglicher macht, in dem es Dir Zeit schenkt, andere Dinge zu tun.

Also los: das Buch beginnt mit eben diesem Vorwort, in dem auch noch ein paar technische Hinweise gegeben werden. Die Rezepte selbst sind unterteilt in Grundrezepte für Brühen und ähnliches, Suppen, Hülsenfrüchte, Gemüse, Schweinefleisch, Hähnchenrezepte und Eier, Gerichte mit Rind, Lamm und Ziege, Fischgerichte und Marmeladen und Chutneys. Ich habe da noch viel, das ich ausprobieren möchte. Die Pho-Brühe zum Beispiel mit der zugehörigen Pho mit Rib-Eye, Hoppin‘ John mit Augenbohnen und Reis, Hühnersuppe mit Chili, Kokosmilch und Limette, Tomatenconfit, Shrimp-Pilaw, Pochierte Eier in Romesco-Sauce, und, und, und.

Die Rezepte sind gut aufgebaut und funktionieren. Zu jedem Rezept wird angegeben, für welche Slowcooker-Größe es berechnet ist, wie viele Personen davon satt werden und wie lange die Vorbereitungszeit und Garzeit sind. Was es leider nicht gibt, ist eine alternative Zeitangabe zu den Garstufen, das habe ich ein wenig vermisst. Will sagen, wenn ein Gericht auf „high“ gegart wird, gibt es keinen Vorschlag, wie viel länger man es auf „low“ garen müsste und umgekehrt. Zu jedem Rezept gibt es auch eine persönlich geschriebene Einführung. Wie erwähnt – Hugh Acheson hat Humor, und so macht auch das Lesen der Rezepte Spaß. Die einen oder andere Pointe ist da eingebaut.

Wir haben es mit einem amerikanischen Buch zu tun – und folglich mit Unzen, Quarts und Cups. Und bei dem einen oder anderen Rezept auch mit schwer erhältlichen Zutaten  – so würde ich nur zu gerne die Tortilla-Suppe machen, aber bislang konnte ich keine hominy grits, also nixtamalisierte Maisgrütze  auftreiben.

Die Rezepte machen richtig Spaß. Gerade bei amerikanischen Slowcooker-Büchern ist es ja leider oft so, dass sie allzu simpel gehalten sind; gerne werden auch mal verschiedene Fertigprodukte zu einer Mahlzeit zusammengeworfen. Nicht so bei Hugh Acheson, er holt das beste aus den Zutaten heraus: die Zutaten werden meist erst mal angebraten, es gibt schöne Beilagen, das fertig gekochte Gericht wird gerne mit Kräutern oder anderen Zutaten aufgewertet. Das bringt es mit sich, dass manche Rezepte ein paar Arbeitsschritte mehr erfordern, aber das lohnt sich.

Noch ein Wort zur Optik: das Rezept-Layout ist klassisch. Auf einer Buchseite das Rezept, auf der gegenüberliegenden Seite ein ganzseitiges Food-Foto. Die Fotos konzentrieren sich ohne großes Drumherum auf das Essen. Zwischendurch ist die Aufmachung dann hin und wieder etwas schräg; da gibt es viele putzige Grafiken mit bunten Slowcookern, die offensichtlich in den 1970ern auf dem Markt waren. In jedem Kapitel gibt es außerdem  ein Foto von Hugh Acheson, wie er einer Beschäftigung nachgeht – Lesen, in der Badewanne liegen…mit im Bild ist auch da jeweils ein originell aussehender Slowcooker. Die Fotos sind etwas gewöhnungsbedürftig, vermitteln aber eine Botschaft: Nutzt den Slowcooker, dann habt Ihr mehr Zeit für anderes.

Ich habe mich erst mal über das Kapitel mit den Brühen hergemacht. Hühnerbrühe im Slowcooker, das ist ja nichts Neues. Aber da gibt es eine dunkle Hühnerbrühe, die habe ich ausprobiert. Für die Brühe wird das Huhn zerlegt und erst mal gründlich angebraten. Das gibt einerseits ordentlich Aroma. Gleichzeitig wird aber das ausgetretene Fett abgegossen, und man hat gleich eine weniger fette Brühe. Ein zusätzlicher Geschmackskick wird durch Tomatenmark erreicht.

Das in Kimchi geschmorte Hühnchen ist klasse – die Hühnchenteile werden gebraten, dann in Hühnerbrühe und Kimchi 4 Stunden auf „low“ geschmort. Das Ergebnis ist saftiges Hähnchenfleisch in einer Sauce mit ordentlich Pep.

Die Bohnen auf Südstaaten-Art werden in einer Mischung aus Hühnerbrühe und Essig gegart. Dazu gesellen sich ausserdem gebratener Speck, Chiliflocken und Thymian. Sie werden dabei etwas tarnfarben – schmecken aber fantastisch.

Linsensuppe – Gemüse braten, Gemüsebrühe erwärmen, drei Stunden auf High garen. Dann Grünkohl braten und zur Suppe geben, alles ebenso einfach wie fein.

Fleischbällchen gehen immer, jedenfalls bei uns.Und diese hier in einer würzigen Tomatensauce, sind eine besonders feine Sache. Wunderbar fluffig sind sie dank Ricotta in der Bällchenmasse.

Fazit: wer einen Slowcooker hat, des Englischen mächtig ist und spannende Rezeptideen sucht, der wird dieses Buch mögen. Es ist eine Fundgrube an Rezepten und Ideen, die Spaß machen. Hugh Acheson holt das Beste aus dem Slowcooker heraus und hat den einen oder anderen Tipp auf Lager.

Euer Buchhändler bestellt das Buch gerne für Euch. Alternativen wären amazon* oder bücher.de

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Clarkson Potter
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-13: 978-0451498540