Kochbuch: Täglich Früchte | Hugh Fearnley-Whittingstall

Esst mehr Obst! Das ist das Motto des neuen Buches von Hugh-Fearnley-Whittingstall. Das heißt, ganz so neu ist es nicht. Das britische Original gibt es schon länger, aber nun ist auch eine deutsche Übersetzung erschienen.

Hugh findet, dass wir zu wenig Obst essen und es zu phantasielos verarbeiten. Und was mich angeht, so hat er ganz klar recht. Das meiste Obst landet einfach pur in meinem Magen. Ab und zu backe ich damit, mache Eis oder koche Marmelade. Ganz schön langweilig im Grunde. Gut, dass Abhilfe in Sicht ist….

Das Buch kommt vom AT-Verlag, und wie man es von dort gewohnt ist, ist es hochwertig aufgemacht: Fadenbindung, festes, mattes Papier. Passsend zum Thema „Obst“ ist das Layout ein bisschen bunt: die Rezepttitel sind zweifarbig gedruckt. Einführungen zu den einzelnen Kapiteln sind auf farbigen Papier gedruckt und starten mit einer hübschen, thematisch passenden Grafik. Die Rezepte nehmen jeweils eine Doppelseite ein: eine Seite für das geschriebene Rezept, die gegenüberliegende Seite für das Foto. Die Fotos von Simon Wheeler sind hübsch arrangiert, haben aber ganz klar das Essen im Focus.

Die Rezepte sind geordnet nach Obstsorten: es gibt Sommerbeeren, Rhabarber, Steinobst, Äpfel, Birnen und Quitten, Wildfrüchte, Feigen, Melonen und Ähnliches, Tropische Früchte, Zitrusfrüchte und Trockenobst. Das Buch sprüht vor Ideen – ich hätte besser die Rezepte markiert, die mich nicht interessieren. Es warten noch Panzanella mit Erdbeeren, Wurstsandwich mit Stachelbeer-Ketchup, Fischpäckchen mit Rhabarber, Hagebutten-Apfel-Sorbet, Brathühnchen mit Granatapfel und vieles mehr.

Einiges habe ich schon ausprobiert. Logischerweise habe ich mich an den Obstsorten orientiert, die gerade saisonal verfügbar waren. Beeren und Steinfrüchte müssen leider noch warten. Und noch etwas: ich habe herzhafte Gerichte ausprobiert. Es gibt gibt auch viel Süßes in dem Buch – Kuchen, Obstsalat, Sirup, Eiscreme, Obst-Desserts….aber ist ja genau das, was ich ohnehin dauernd mache. Also habe ich das Obst in herzhafte Gerichte gesteckt – für’s Erste ;-).

Die Rezepte sind gut umsetzbar – da gibt es keine Tücken. Ich mag besonders gern, dass es zu jedem Rezept eine kleine, charmant und persönlich geschriebene Einführung gibt. Auch die einzelnen Kapitel haben eine eine Einleitung – man erfährt alles über Kauf, Lagerung und Anbau der einzelnen Obstsorten. Und dann gibt es da noch ein nach Zutaten geordnetes Register; für mich ist so etwas wichtig.

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Erst mal ein Salat, und zwar einer mit gegrillten Orangen und Karotten. Orange und Karotte sind ja ein bewährtes Team und auch hier hat die Kombination gut funktioniert. Die Orangenscheiben zerfallen beim Grillen etwas. Das sieht nicht so schön aus, aber sie geben dadurch ihr Aroma noch besser an die übrigen Zutaten ab. Eigentlich hätte noch gegrillter Halloumi dazu gehört, aber wir haben das Ganze ohne den Käse als Salatbeilage gegessen.

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Noch eine Gemüsebeilage: Wirsing mit Apfel. Vorgedämpfte Wirsingstreifen werden in der Pfanne mit Apfel und Kümmel gebraten. Das Ganze harmoniert wunderbar; besonders toll fand ich die Kümmel-Note, die rundet alles perfekt ab.

Früchtepizza klingt wilder, als es in Wahrheit ist. Auf meiner Pizza waren Spinat, pikant marinierte Birne und Blauschimmelkäse. Mit hat es gut gefallen. Die Kombination Birne-Blauschimmelkäse ist ja ein Klassiker und hat auch auf der Pizza gut funktioniert. Es gibt auch alternative Vorschläge für Beläge – zum Beispiel Rote Bete, Apfel, Cheddar, was bestimmt ebenso gut schmeckt.

Kedgeree ist das klassische anglo-britische Reisgericht mit Curry und geräuchertem Fisch. Hier kommt zusätzlich noch gebratene Banane mit hinein. Dank Vollkornreis und selbst angemischtem Currypulver ist das Ganze etwas monochron geworden, hat aber sehr gut geschmeckt. Der Reis wird schön aromatisch, weil er in der Flüssigkeit gegart wird, in der zuvor der Fisch pochiert wurde.

Ausnahmsweise mal ein Bild vom ungegarten Gericht – ich fand die Farben so hübsch. Geschmorte Kartoffeln, Äpfel und Karotten sind eine schöne Idee. Wir haben das Ganze als Beilage zu einem Fleischgericht gegessen. Ich könnte mir das Gericht aber mit einem Salat dazu auch als leichtes Hauptgericht vorstellen.

Fazit? Hugh Fearnley-Whittingstalls Plädoyer für mehr Obst in unseren Mahlzeiten ist gelungen. Das Buch steckt voller gut umsetzbarer Ideen, was man mit Obst alles kochen kann – jenseits von Kuchen und Obstsalat. Die Rezepte sind gelingsicher. Vegetarier werden bei den herzhaften Gerichten allerdings nicht so ganz fündig.

Wer sich für andere Sichtweisen auf das Buch interessiert: hier könnt Ihr die Meinung von Becky nachlesen. Und da lest Ihr, was Ira von dem Buch hält.

  • Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: AT Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3038009269
  • 28,00
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Kochbuch: Polska – Die neue polnische Küche | Zuza Zak

Wenn ich mich so rechts und links schaue, habe das Gefühl, dass derzeit das Interesse an der osteuropäischen Küche steigt. Für mich ist das Neuland. Ich schaue gern über den Tellerrand und Landesgrenzen hinaus, aber Polen zum Beispiel hatte ich bisher nicht richtig  im Visier.

Gut, dass sich das mit diesem Buch von Zuza Zak nun geändert hat. Zuza Zak ist in Polen aufgewachsen. Essen und Kochen hat sie schon immer interessiert – schon als Kind stand sie mit ihrer Mutter in der Küche und schaute sich viel von ihrer Großmutter ab. Heute lebt Zuza Zak in London, arbeitet als Fernsehproduzentin und Food-Journalistin und kocht gerne die Gerichte, die sie an ihre Heimat erinnern.

Ich fange mal von außen an: das ist ein hübsches Buch. Schon das Cover in seinen polnischen Nationalfarben ist ein echter Blickfang. Innen geht es weiter mit einem aufgeräumten, übersichtlichen Layout, das zum Blättern einlädt. Neben den Rezepttiteln finden wir eine Grafik mit einer roten Blume, die uns das Cover in Erinnerung ruft. Sonst ist das Layout angenehm zurückhaltend. Es gibt viele, schön gemachte Fotos: nicht alle Gerichte haben ein Bild bekommen, aber dafür gibt es viele stimmungsvolle Aufnahmen von Landschaften und Situationen, was mir im Grunde auch lieber ist. Essen kann ich mir beim Lesen der Rezepte vorstellen. Stimmung schaffen aber eher Bilder von Menschen, Landschaften, Produkten.

Jetzt zu den inneren Werten: Das Buch startet mit einer wirklich ausführlichen Einführung zur Geschichte Polens, seinen Regionen, zu den Besonderheiten der Jahreszeiten und den verwendeten Zutaten. Da war für mich viel Neues und Wissenswertes dabei. Mir war zum Beispiel gar nicht klar, wieviele Einflüsse aus anderen Länderküchen die polnische Küche im Laufe der Zeit absorbiert hat.

Die Rezepte sind unterteilt in Frühstück und Brot, Suppen, Fleisch, Fisch, Gemüse, Hülsenfrüchte und Kascha, Teigtaschen und Klöße, Partysnacks, Kuchen und Desserts sowie Cocktails. Wenn ich mir die Klebezettelchen in meinem Exemplar so anschaue, dann wartet da noch einiges darauf, probiert zu werden. Rote-Bete-Butter zum Beispiel. Oder die Tomatensuppe mit Putenfleisch und Reis, der große Placek (Kartoffelpuffer) mit Gulasch, die geschmorte Lammleber mit Rote-Bete-Salat, das Erbsen-Karottengemüse (mit einer Mehlschwitze, wo gibt es denn sowas 😉 ). Der Mohnkuchen mit Mandeln klingt toll, genau wie der Blechkuchen mit Mürbteigboden, Salzkaramell und Pekannüssen. Spannende Drinks gibt es auch: eine Rosmarin-Thymian-Aperitif mit Bisongras-Wodka zum Beispiel, oder die Caiprioska mit Heidelbeeren.

Die Rezepte sind gut nachzukochen, auch wenn einige nicht unbedingt super-exakt sind. Die Zutaten sind leicht überall erhältlich. Das Kochbuch stellt klassische polnische Gerichte vor, aber manche Klassiker haben auch einen modernen Anstrich bekommen; die Mischung ist gut gelungen, finde ich.

Was ich besonders gelungen finde: zu jedem Kapitel gibt es eine Einleitung, in der über die Lebensmittel oder Mahlzeiten des Kapitels erzählt wird. Und auch jedes Rezept hat ein kleines, persönlich geschriebenes Vorwort bekommen. Abgerundet wird das Buch durch ein Register, in dem man findet, was man sucht.

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Brotrezepte ziehen mich magisch an. Klar, dass ich das Roggenbrot mit Kürbiskernen ausprobieren musste. Das Rezept ist sehr einfach, es werden alle Zutaten kurz verrührt, dann kommt der Teig zum Gehen für 10 Stunden in eine Kastenform. Triebmittel sind lediglich 2 Esslöffel Sauerteig. Herausgekommen ist dabei ein sehr aromatisches, deftiges  Brot mit einer etwas kompakten Krume.

kartoffelkuchen

Manchmal ist das mit dem Essen fotografieren wirklich ärgerlich. Zum Beispiel bei diesem diesem masurischen Kartoffelkuchen. Sieht schrecklich aus, oder? Hat aber phänomenal geschmeckt. Der Kuchen besteht aus geriebenen Kartoffeln, Speck und Zwiebel, zusammengehalten von Ei und Eischnee.

zrazy

Zrasy sind Rindsrouladen, gefüllt mit Paprika und Gewürzgurke. Die Sauce besteht aus Rotwein, altbackenem Roggenbrot und Pilzen. Das Ganze hat eine lange Schmorzeit – mit dem Ergebnis von butterzartem Fleisch und aromatischer Sauce.

Kleine Hufe – nein, das ist nichts vom Pferd. Im Grunde sind es kleine Knödel aus Kartoffelteig, nur dass sie nicht rund gerollt werden, sondern schräg von der Rolle geschnitten, so dass sie aussehen wie  – genau, kleine Hufe. Serviert werden sie mit gebratenem Speck und Zwiebeln, ein echtes Wohlfühlessen. Ich gestehe, dass mich das Rezept etwas grummeln ließ….“drei große Kartoffeln“ soll man verwenden. Ich hatte keine großen Kartoffeln, glaube ich zumindest. Ich habe eine willkürliche Menge gewählt und bin gut damit gefahren. Aber gerade bei Knödeln können solche Angaben rasch schiefgehen, finde ich.

Als vorläufig Letztes habe ich die Hirse-Falafel ausprobiert. Falafel ist nicht ganz der richtige Ausdruck, finde ich. Es handelt sich um kleine Bällchen aus gegarten, pürierten Kichererbsen und Hirse. Das Ganze wird in der Pfanne vorgegart und dann mit Käse überbacken. Im Buch gibt es dazu einen interessanten Salat aus Tomaten und Gewürzgurken, den ich in der Tomatensaison unbedingt mal ausprobieren muss. Ich habe statt dessen Rote-Bete-Salat mit Joghurt aufgetischt.

Fazit: Wer Lust hat, sich die polnische Küche einmal näher anzuschauen, der tut mit diesem Buch einen guten Griff. Es bietet klassische und moderne polnische Rezepte in einer guten Mischung. Und es erzählt viele interessante Geschichten über die polnische Geschichte und Esskultur.

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Knesebeck 
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3868739589
  • 29,95

Kochbuch und Verlosung: Alpenküche vegetarisch | Cornelia Schinharl

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Mit der Küche der Alpen verbindet man eher deftige Genüsse – oft fleischhaltig. Und ich weiß nicht, wie es Euch geht – für mich sind die Berge ein echter Sehnsuchtsort, ich freue mich jedes Mal, wenn ich hinfahre. Mann kann ja nicht dauernd in die Berge fahren – aber mit diesem Buch kann man sich zumindest die typische Küche nach Hause holen. Und das ganz ohne Fleisch.

Geschrieben hat das Buch Cornelia Schinharl. Ich bin mir sicher, jeder von Euch wird das eine oder andere Buch von ihr zuhause haben, denn sie ist eine fleißige Autorin. Über 50 Bücher gibt es schon von ihr. Die Themen sind sehr unterschiedlich, aber immer legt sie Wert auf eine moderne, unkomplizierte Küche mit hochwertigen Zutaten.

Ich hatte die Freude, bei der Präsentation des Kochbuches in München dabei zu sein. Es gab nicht nur Kostproben aus dem Buch, sondern auch nette Unterhaltungen mit Frau Schinharl. Eine zugängliche, sympathische Frau, die liebt, was sie tut.

Jetzt wieder zum Buch. Vor mir liegt ein hochwertiges Hardcover mit Fadenbindung und ganzseitigen Fotos. Das Layout ist schön übersichtlich: Am Rand der Seiten steht jeweils fett gedruckt die Zutatenliste, daneben die Arbeitsanleitung. Es gibt sehr viele Fotos. Nicht jedes Gericht hat ein Foto bekommen, aber mir ist das auch nicht so wichtig. Statt dessen freue ich mich über schöne Aufnahmen von Landschaften, Menschen und Produkten. Die Foodfotos, die es gibt sind appetitlich ins Bild gesetzt und nicht überdekoriert.

Die Rezepte sind unterteilt in Brotzeit und Jause, Suppen, Knödel, Pasta und Ähnliches, deftige Ofengerichte und natürlich Mehlspeisen und Gebäck. Das ist eines jener Bücher, in denen noch viele Klebezettel darauf warten, abgearbeitet zu werden. Ich muss noch den grünen Flan mit Käsesauce probieren, den dicken Käse-Buchweizen-Pfannkuchen Chisiöl, die Bärlauchsuppe mit Graupennockerl, das Rotweinrisotto mit Ziegenkäse, und, und, und…..Die Rezepte sind gut strukturiert und funktionieren. Sie sind alltagstauglich und verlangen keine besonderen Zutaten. Mir gefällt besonders gut, dass sehr viele Kräuter – oft auch Wildkräuter- verwendet werden. Oft gibt es auch noch zusätzliche Küchentipps, Rezeptvarianten oder Extra-Rezepte in den Anmerkungen.

Das Buch beschränkt sich aber nicht auf Rezepte. Cornelia Schinharl ist durch die Alpen gereist und hat uns Foto-Reportagen mitgebracht. Wir schauen einer jungen Sennerin über Schultern, erfahren, wie Enzian gebrannt wird. Es gibt ein Kapitel über Wildkräuter und einen Besuch bei einer südtiroler Sterneköchin. Auch einige typische Produkte wie Buchweizen, Maronen oder Käse haben ihren Auftritt bekommen.

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Gleich das erste ausprobierte Rezept war ein Treffer. Die Älplersuppe ist eine Kartoffelsuppe, in die außerdem noch Sahne, Käse und viele frische Kräuter wandern. Cremig, aromatisch und sättigend – sehr schön.

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Etwas zu Knabbern ist hier immer willkommen, und so habe ich die Buchweizen-Grissini ausprobiert. Der Teig ist gut zu bearbeiten und die Grissini sind dank langer, kalter Gare schön aromatisch.

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Risotto – mag ich. Das ist eines der Gerichte, dass so variantenreich ist, dass man es oft auf den Tisch bringen kann. Diesmal gab es eines mit Apfel und Fontina. Ich habe Boskop verwendet, der hat sich gut eingefügt.

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Nochmal Buchweizen: Manfriguli sind gefüllte Buchweizenpfannkuchen. Die Füllung besteht aus altbackenem Brot, Käse und Kräutern. Einfach und fein.

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Zum Abschluss gab es selbstgemachte Pasta mit einem Anteil Kastanienmehl und einer üppigen Sauce auf Basis von Walnüssen und Käse. Ich war da ein wenig misstrauisch; ich finde die Verwendung des leicht süßen Kastanienmehls gar nicht so einfach. Aber es hat alles gut harmoniert.

Fazit: Dieses Buch macht richtig Spaß. Es holt die Küche der Alpen zu uns nach Hause. Mit Rezepte, die alltagstauglich sind und aus wenigen guten Zutaten das Beste herausholen. Auch Kochänfänger werden mit den Rezepten schöne Ergebnisse erzielen. Eine kleine Einschränkung gibt es: Veganer werden eher nicht fündig. In der Alpenküche setzt man auf Käse und andere Milchprodukte.

Und jetzt zur Verlosung: ich habe auf der Buchvorstellung ein Exemplar des Buches zum Verlosen bekommen. Und, noch besser – es ist signiert. Wer also dieses Exemplar gewinnen möchte, der teilt mit das unter diesem Beitrag in einem Kommentar mit. Einsendeschluss ist der Mittwoch, der 05.04.2017, 23.59.

Und das Kleingedruckte: Mitmachen kann jeder, der das 18.Lebensjahr vollendet hat. Rechtsweg und Barauszahlung sind ausgeschlossen. Der Gewinner wird unparteiisch von der hausinternen Losfee ermittelt.

 – Die Verlosung ist geschlossen. –

  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: ZS Verlag GmbH
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3898836326
  • 24,90

Kochbuch: Microgreens – Microleaves | Manuela Rüther

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Als Gärtnerin bin ich eine Niete. Eigentlich merkwürdig, bin ich doch mit einem Selbstversorger-Garten aufgewachsen. Trotzdem, so richtig gedeihen will bei mir das Wenigste. Aber ich gebe nicht auf, irgendwann wird das. Da ist es eine gute Idee, klein anzufangen. Mit Microgreens zum Beispiel.

Was ist das denn? Im Prinzip sind das junge Pflanzenblättchen. Und ja, es ist ein Trend – natürlich aus den USA. Wir sprechen von den ganz jungen Blättern verschiedener Pflanzen – von Kräutern bis Brokkoli ist alles möglich. Es sind sozusagen Baby-Pflänzchen. Zum ersten Mal darüber gestolpert bin ich vor langer Zeit hier bei Petra. Und finde die Idee seither faszinierend. Es gibt jederzeit frisches Grün. Das ist übrigens auch etwas anderes als Sprossen. Sprossen isst man, wenn der Samen anfängt zu keinem. Microgreens werden gezüchtet, bis die ersten grünen Blättchen kommen. Microgemüse, sozusagen. Und die kleinen Pflänzchen sind nicht nur vollgepackt mit Vitalstoffen, sondern sie schmecken auch ganz deutlich wie ihre erwachsenen Verwandten. (Plus: sie werden gegessen, bevor mein brauner Daumen die Chance hat, die Ernte zu vermasseln).

Geschrieben hat das Buch Manuela Rüther. Nach dem Abitur hat sie eine Ausbildung zur Köchin gemacht und in verschiedenen Sterne-Restaurants gearbeitet. Heute arbeitet sie als Foodfotografin und Autorin.

Schön ist das Buch geworden. Wie man es gewohnt ist vom AT-Verlag ist die Gestaltung hochwertig – Hardcover, Fadenbindung, Papier, das sich gut anfühlt. Manuela Rüther hat eine Menge Fotos beigesteuert. Die liegen durchaus auf der Linie dessen, was gerade angesagt ist, manche ein wenig dunkel, gerne etwas Vintage-Style. Aber im Mittelpunkt stehen ganz klar Essen und Produkte und nicht das Drumherum. So mag ich das.

Jetzt aber zum Inhalt. Der ist zweigeteilt. Zunächst gibt es einen großen Theorie-Teil. Darin wird erklärt, was Micro-Leaves eigentlich sind und wie man sie kultiviert. Es gibt Informationen zu allem: Saatgut, Erde, Töpfe, Standort, Pflege, Ernte, Lagerung und Hygiene. Und natürlich gibt es auch ein Kapitel zum Gesundheitsaspekt. Das Prinzip ist einfach: das Saatgut wandert in kleine Töpfchen mit Erde, wird mit Frischhaltefolie abdeckt, um ein Gewächshaus zu simulieren und täglich mit etwas Wasser besprüht. Ich habe nach dieser Anleitung Microgreens gezogen. Und wenn das bei mir klappt, dann klappt das bei Euch auch.

Im nächsten Kapitel gibt es Sortenportraits. Von Alfafa bis Wirsing werden Inhaltsstoffe, Geschmack und Verwendung und Anbautipps aufgelistet. Eine wahre Fundgrube!

Gut, wir haben fleissig gezüchtet, jetzt kochen wir. Da gibt es ein Kapitel über Haltbarmachung: Trocknen, Würzsalz, Essig, Pesto, Buttermischung – alles da, um die kleinen grünen Schätze zu konservieren. Der eigentliche Rezeptteil ist dann unterteilt in Salate, Wraps und Sandwiches, Dips, Saucen  und Dressings, warme Gerichte zum Sattwerden, Smoothies und Desserts. Im Prinzip werden die Micro-Greens dabei verwendet wie frische Kräuter.

Die Rezepte sind ordentlich strukturiert und funktionieren. Immer gibt es auch alternative Ideen zu den verwendeten Microgreens. Ich muss gestehen, dass ich mich beim Nachkochen nicht ganz an die vorgeschlagenen Sorten gehalten habe. Manchmal habe ich auch einfach Leaves aus dem gezogen, was ich gerade vorrätig hatte.

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Erstversuch war ein Sandwich. Mit gegrillten Süßkartoffeln, Halloumi, einer Ajvar-Creme und natürlich Micro-Greens. Ich hatte Linsen und Buchweizen – ich hatte versuchsweise einfach Greens aus Körnern gezogen, die ich ohnehin da hatte.

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Es gibt einige Rezepte für Dips oder Buttermischungen. Ich habe den Frischkäsedip ausprobiert. Schön abgeschmeckt mit Senf und Limette, dazu eine Handvoll Greens für die Frische. Im Rezept ist es Winterkresse; ich habe Brokkoli verwendet. Fein.

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Mein Liebling unter den Microgreens sind die Erbsen – sie haben ein wirklich feines Erbsenaroma, und sie sind außerdem so hübsch. Die Greens wandern, in etwas Zitrone mariniert in eine grüne Minestrone. Eine Suppe, die gut schmeckt und gut tut.

Fazit: Microgreens sind eine spannende Alternative, wenn man gerne frisches Grün in sein Essen einbaut, es aber an Platz mangelt. Die Pflänzchen lassen sich wirklich auf jeder Fensterbank ziehen und mit den Anleitungen aus dem Buch klappt das auch hervorragend. Auch die Rezepte sind reizvoll und funktionieren ohne Wenn und Aber. Letztendlich habe ich mich aber doch ein wenig schwer getan. Ich werde wohl nur ab und zu Micro Greens ziehen. In den Rezepten werden oft sehr viele verschiedene Greens verwendet, da muss sich schon fast den ganzen Balkon mit Töpfen vollstellen. Und irgendwie finde ich es auch etwas verschwenderisch, so viele Pflänzchen heranzuziehen und dann nur einen Bruchteil davon zu essen.

  • Gebundene Ausgabe: 152 Seiten
  • Verlag: AT Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3038009481
  • 24,00

 

Kochbuch: Hand in Hand

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….Spitzenköche und Flüchtlinge gemeinsam am Herd, so der Untertitel des Buches.

Das ist eine tolle Idee, die vier Studenten der Hotelfachschule Heidelberg im Frühjahr 2016 hatten. Sie wollten etwas beitragen zum Brückenschlag zwischen den Kulturen und hatten die Idee, das über das Kochen und Essen zu tun. Sie haben Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern mit Spitzenköchen zusammengebracht.  Das Ganze war ursprünglich als kleines Studienprojekt gedacht, aber das Echo war großartig, und so wurde ein Buch daraus.

Es geht in diesem Buch nicht nur um das Kochen, auch wenn man viele Rezepte darin findet. Für mich geht es hauptsächlich  die Menschen. Vorgestellt werden Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, aus Afghanistan und Pakistan, aus Nepal, Marokko und Gambia. Zunächst gibt es zu jedem Land ein ausführliches Portrait: Lutz Jäkel stellt die Länder mit Ihrer Geografie, ihrer Geschichte und ihrer Esskultur vor. Pro Land kommen bis zu drei Flüchtlinge zu Wort: sie erzählen von ihrem Leben in der Heimat, warum sie dort nicht mehr bleiben konnten und wie ihre Flucht verlief. Die Fluchtgeschichten sind zum Teil dramatisch – ich habe mehr als einmal schwer geschluckt. Es macht einen Unterschied, ob man solche Geschichten in den Nachrichten hört oder ob man sie von tatsächlich Betroffenen erzählt bekommt. Die Not bekommt ein Gesicht – und ich glaube, das ist bitter nötig.

Es konnten sehr viele Köche für das Projekt gewonnen werden – 50 an der Zahl sind es. Die Bandbreite ist groß  – sie reicht von Joannis Malathounis über Frank Oehler und Sonja Baumann bis hin zu Nils Henkel. Jeder Koch wird kurz vorgestellt, erzählt von seiner Motivation, an dem Buch mitzuwirken, und von seiner Beziehung zu Flüchtlingen. Und steuert natürlich ein Rezept bei.

Was für ein gelungener Übergang zu den Rezepten 😉 . Jeder Flüchtling präsentiert ein Rezept aus der Heimat. Das sind klassische, einfache Gerichte. Halt das, was man vermisst, wenn man weit weg ist von Zuhause. Ich kenne das von früher: ich habe im internationalen Studentenwohnheim gewohnt. Die Mitbewohner von weit her waren die, die immer in der Küche standen, weil sie das Essen von Zuhause so vermisst haben. So manch einer hat da Kochen gelernt, was er zuhause wohl eher nicht getan hätte. Im Buch gibt es Kibbeh aus Syrien, nepalesische  Momos, oder Biryani aus Pakistan.

Eine andere Hausnummer sind die Rezepte der Köche. Man hat Zutaten und Ideen aus den Ländern der Flüchtlinge genommen und sich inspirieren lassen. Da gibt es Schaumgefrorenes vom Arrak, eine Inspiration aus Syrien. Makrele Marrakesch von Nils Henkel mit Aubergine, Kichererbsencouscous und Paprika, oder afghanisch inspiriertes Schwarzfederhuhn im Halbmond mit Lakritze und zweierlei Rundkornreis. Die Gerichte haben einen gewissen Anspruch und sind nicht unbedingt ohne weiteres nachkochbar. Es ist aber spannend zu sehen, wie die Köche die Ideen der Länderküchen umgesetzt haben.

Jetzt habe ich noch gar nichts zur Optik gesagt. Das ist ein schönes, hochwertig gemachtes Buch geworden. Das Layout ist hell, freundlich und übersichtlich. Es gibt sehr viele Bilder: die Foodfotos sind schön, aber ohne allzu Großes Drumherum. Und  es gibt ganz viele Portraits von den Flüchtlingen, Bilder vom  gemeinsamen Kochen und Portraits der Köche. Die vielen Länderfotos hat Lutz Jäkel gemacht.

Ich habe mir überlegt, dass ich je zwei Gerichte, die von Flüchtlingen präsentiert werden, versuche und zwei, die von den Köchen vorgestellt werden.

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Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass Gerichte aus Schwarzafrika bisher noch nicht den Weg auf unsere Teller gefunden haben. Deshalb war mir aber schon beim ersten Durchblättern des Buches klar, dass ich ein Gericht aus Gambia ausprobieren muss: Domoda ist ist ein einfacher Eintopf aus Hähnchenschenkeln und Gemüse, der mit Erdnussbutter abgerundet wird.

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Kabsah ist ein einfacher Eintopf mit Lamm und Reis aus Syrien. Die Würze kommt von Baharat und getrockneten Limetten.

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Das Rezept für das Shahi Paneer Korma kommt von Boris Rommel. Meine Version sieht nicht ganz so elegant aus, hat uns aber gut geschmeckt.

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Hachis Parmentier ist eigentlich ein französischer Klassiker: Hackfleisch oder Bratenreste werden mit Kartoffelpüree überbacken. Die marokkanisch inspirierte Version von Michael Szofer ist etwas komplexer: das Fleischragout wird auf Humus gebettet, darüber kommen mit Olivenöl gestampfte Kartoffeln, eine Gremolata und knusprig frittierte Kichererbsen.

Fazit? Ich finde, Ihr solltet dieses Buch kaufen. Die Rezepte sind spannend. Und ich finde es wichtig, dass den Menschen und ihren Geschichten Raum gegeben wird. Und noch ein Grund, das Buch zu kaufen: von jedem verkauften Buch werden 4 € an Flüchtlingsorganisationen gespendet.

Wer sich für weitere Meinungen interessiert: Wili hat das Buch ebenfalls rezensiert: klick.

  • Gebundene Ausgabe: 424 Seiten
  • Verlag: ars vivendi verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3869137179
  • € 34,00

Kochbuch: Tainá Guedes | Die Küche der Achtsamkeit

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Tainá Guedes ist Brasilien geboren. Die Familie Ihrer Mutter stammt ursprünglich aus Japan. Die Autorin ist ausgebildete Köchin. Dem Begriff „Mottainai“ begegnete sie, als nach Japan reiste, um dort die Kochkunst des Shojin Ryori, die japanische buddhistische Küche, zu erlernen.

Mottainai, das bedeutet, einfach gesagt,  achtsam und respektvoll mit den Dingen umzugehen, Dinge wiederzuverwenden  und nichts zu verschwenden.

Das Buch ist in zehn Kapitel unterteilt.  Jedes Kapitel befasst sich mit einem Aspekt von Mottainai. Tainá Guedes erklärt in einer kurzen, persönlichen Einführung, worum es geht und liefert dann zum Thema passende Rezepte. Ich fange einfach mal an: im ersten Kapitel geht es darum, Erinnerungen zu bewahren. Und so stellt uns Tainá Guedes Rezepte vor, die sie an ihre Kindheit erinnern. Ihre Mutter kochte eine fröhliche Mischung aus japanischer und brasilianischer Küche, der Vater hielt sich an die Regeln der Makrobiotik. Wir finden also  eine Bohnensuppe mit Carioca-Bohnen ebenso wie ein japanisch inspiriertes Nudelgericht mit frischen Sprossen oder einen Palmherzenkuchen. Das nächste Kapitel widmet sich der Achtsamkeit mit einigen typischen Rezepten aus der Shojin Ryori. Danach geht es um Harmonie, wie die Autorin sie in Japan kennengelernt hat – es warten japanische Rezepte wie Okonomiyaki oder Pudding mit schwarzem Sesam. In dieser Art geht es weiter – zwei Kapitel befassen sich damit, Lebensmittel auch wirklich aufzubrauchen  – da gibt es Ideen für altbackenes Brot und zum Fermentieren. Es geht um nachhaltige Landwirtschaft, um Essen und Kunst, um die Vermeidung von Zucker und die Verwertung von Nahrungsmitteln, die gerne mal im Müll landen, wie Karottenschalen oder überreife Bananen. Und schließlich darum, was Tainá Guedes kocht, um ihren Sohn glücklich zu machen.

Die Rezepte sind allesamt vegetarisch. Tainá Guedes Küche folgt bestimmten Prinzipien: ganz vorne steht Mottainai. Das Essen soll aber auch Körper und Geist nähren – Essen soll sättigen, aber auch glücklich machen.  Es stehen täglich Getreide und Vollkornprodukte auf dem Speisezettel, ebenso wie verschiedene, saisonale Sorten Obst und Gemüse, am besten aus Biolandwirtschaft. Dabei herausgekommen sind kreative Rezepte, die sich gut umsetzen lassen und Spaß machen – beim Kochen ebenso wie beim Essen. Die Rezepte funktionieren gut, sind manchmal aber etwas knapp formuliert. Zu jedem Rezept gibt es außerdem noch etwas Lesestoff – eine kleine, persönlich geschriebene Einführung. So etwas mag ich sehr gerne. Inzwischen ist es ja so, dass man sich bloße Rezepte aus vielen Quellen zusammensuchen kann. Deshalb finde ich, dass Kochbücher heutzutage über bloße Rezeptsammlungen hinausgehen müssen.

Im Anhang des Buches gibt noch nützliche Hinweise und Tipps: wir finden Grundrezpte, zum Beispiel für Gemüsebrühe und Tonkatsu-Sauce, Bezugsquellen für brasilianische und makrobiotische Lebensmittel, ein ausführliches Glossar sowie Tipps zu Einkauf und Lagerung von Lebensmitteln. Auch ein nach Zutaten geordnetes Stichwortverzeichnis fehlt nicht.

Tainá Guedes ist nicht nur Köchin, sondern auch Künstlerin, und so hat dieses Buch eine ganz eigene Bildsprache. Es gibt nicht von jedem Gericht ein Bild, aber wenn es eines gibt, ist es oft doppelseitig gestaltet: auf der einen Seite ein Bild des fertigen Gerichts, auf der gegenüberliegenden Seite sind die verwendeten Zutaten so arrangiert, dass das Ganze wie eine Grafik aussieht. Auch beginnt jedes Kapitel  mit einer ganzseitigen Grafik. Das Layout ist schön hell und klar, und die Food-Fotos widmen sich der Hauptsache – dem Essen.

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Torta verde – eine mit Gemüse gefüllte Pastete auf der Basis von Blätterteig ist das. In der Füllung sind Spinat, Eier und Parmesan – und gegarter Reis. Ein schönes Rezept, um Reis-Reste aufzubrauchen. Und genau das habe ich auch getan.

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Ja, Bananenschalen kann man essen. Zum ersten Mal bin ich in „Leaf to Root“ darauf gestoßen und ich gebe zu, ich habe der Sache nicht getraut. Nachdem es hier aber wieder ein Rezept mit Bananenschale gab, habe ich mich daran gewagt. Das hier ist panierte Bananenschale, ausgebacken wie ein Schnitzel. Und? Schmeckt!

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Yakisoba sind gebratene Nudeln  – die fanden wir richtig klasse. Viel knackiges Gemüse darf mitmachen – das Gericht ist flexibel, man kann verwenden, was da ist. Pep bekommt das Ganze durch Tonkatsu-Sauce; die ist nach dem Rezept im Grundrezepte-Teil rasch zusammengerührt.

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An dieser Stelle sollten eigentlich Reisbällchen zu sehen sein, serviert mit einem süß-sauer-scharfen Gurkenrelish. Dass Ihr nur das Relish seht, liegt daran, dass die Reisbällchen nichts geworden sind. Sie wollten einfach nicht zusammenhalten. Woran es lag? Ei und Mehl habe ich genug daran getan. Vielleicht waren Reis und Getreide nicht weich genug gekocht. Das Relish ist jedenfalls klasse.

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Die Rote-Bete-Suppe ist einfach zu kochen und bringt jede Menge Geschmack mit. Neben Rote Bete und Karotte kommt auch ein Apfel hinein, was nochmal nette Geschmacksnuancen gibt.

Fazit? Dieses Buch ist mehr als „nur“ ein Kochbuch. Es enthält schöne, gut umsetzbare Rezepte – alle vegetarisch, viele auch vegan. Darüber hinaus ist es aber auch ein sehr persönliches Buch, das viele Denkanstöße und Ideen für eine Küche liefert, die achtsam mit den Zutaten umgeht, darauf achtet, dass nichts verschwendet wird und das alles genüsslich auskostet.