Süßkartoffel-Sandwichbrot

Ich habe nicht mehr parat, wer es war, aber neulich wurde von einem Süßkartoffel-Sandwichbrot geschwärmt, das es neuerdings von einer Großbäckerei käuflich zu erwerben gibt. Ich gebe es ja zu, ich stand schon vor dem Regal und überlegte, ob ich es mal probieren soll, aber naja – kleine Packung, großer Preis. Und dann die Zutatenliste…“färbendes Lebensmittel, Natriumacetate“ –  und satte 4,8 % Süßkartoffel. Das macht auf die Packung weniger als 20 Gramm.

Da backe ich mein Sandwichbrot lieber selbst. Und nehme genügend Süßkartoffel, in etwa so viel wie Mehl, dann muss ich auch nichts einfärben. Und Zucker brauche ich auch nicht, die Süßkartoffel trägt ihren Namen ja nicht zu Unrecht.

Ich habe ein von uns heiß geliebtes Sandwichbrot-Rezept verwendet und den Großteil der Flüssigkeit durch Süßkartoffelpüree ersetzt. Das war es schon. Wer mag, kann noch etwas Zimt zugeben, der Großbäcker tut das.

Für einen Laib:

  • 1 Süßkartoffel (ca. 400 g)
  • 150 g Dinkel 630
  • 150 g Weizenvollkornmehl
  • 150 g Lievito Madre, aufgefrischt
  • 50 g Sahne
  • 10 g Salz
  • 50 g Butter, Zimmertemperatur

Die Süßkartoffel schälen, in Würfel schneiden und in einem Dämpfeinsatz über kochendem Wasser ganz weich dämpfen. Herausnehmen, gut abdampfen lassen, mit einer Gabel zu Püree zerdrücken und abkühlen lassen. Wir brauchen für das Brot 320 g Püree.

Die Mehlsorten zusammen mit 320 g Süßkartoffelpüree in die Schüssel der Küchenmaschine geben. Den Lievito Madre dazu zupfen und die Sahne ebenfalls zugeben.  Die Maschine kurz laufen lassen, bis sich alles zu einem groben Teig verbindet.

Das Salz auf den Teig streuen und die Butter in Stückchen ebenfalls darauf geben. Die Maschine kneten lassen, bis ein elastischer Teig entsteht, der sich vom Rand der Schüssel löst. Schüssel gut abdecken und den Teig 3 Stunden ruhen lassen.

Teig auf der leicht bemehlten Arbeitsfläche in 4 Stücke teilen. Jedes Stück zu einem langen Streifen ausrollen und diesen zu einer Schnecke aufrollen. Die Schnecken mit der offenen Seite zum Rand und mit der Nahtseite nach unten in eine gut gefettete Kastenform geben; meine ist 20 cm lang. Gut abdecken und weitere 3 Stunden ruhen lassen. Wer mag, kann den Teig an dieser Stelle auch über Nacht in den Kühlschrank geben.

Ofen auf 220° Ober- und Unterhitze vorheizen. Das Brot hineingeben, die Temperatur sofort auf 200°C reduzieren und das Brot ca. 35 min backen. Aus dem Ofen holen, auf ein Kuchengitter stürzen und auskühlen lassen.

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Foodblogbilanz 2017

Schon fast vorbei dieses Jahr. Wie war Euer Jahr? Mein 2017 war irgendwie … durchschnittlich; ich könne nicht sagen, ob es besonders gut oder besonders schlecht war. Einige schöne Highlights, ein paar Stressfaktoren.. Bevor wir in ein paar Stunden schauen, was 2018 so bringt, mache ich auch dieses Jahr wieder mit bei der Foodblogbilanz, die Sabine dankenswerterweise wieder organisiert. Bei Ihr findet Ihr auch die Links zu allen anderen, die mitmachen.

1. Was war 2017 dein erfolgreichster Blogartikel?

Das fällt in die Abteilung Oldies, but Goodies – es sind die Spinat-Pici vom letzten Jahr. Jamie O. ist halt eine sichere Bank :-).

2. Welche drei deiner eigenen Blogartikel aus diesem Jahr haben dir persönlich am meisten bedeutet?

Ach, das finde ich schwierig zu beantworten – im Grunde habe ich sie alle gleich gern.

3. Und welche drei aus anderen Blogs haben dich am meisten inspiriert?

Ich lese viele Blogs. Ein paar sind dieses Jahr weggefallen, mehr neue dazugekommen. Ich kann mich unmöglich auf drei Artikel festlegen. Ich habe aber ein paar Blogs auf der Liste, die mir dieses Jahr besonders viel Spaß gemacht haben: die Frau Brüllen zum Beispiel, bei deren Artikel sich meine Stimmung augenblicklich hebt. Und ministry of curry mit den tollen Ideen für den Instant Pot. Ein solcher wohnt nämlich seit einiger Zeit hier.

4. Welches der Rezepte, die du 2017 veröffentlicht hast, hast du selbst am häufigsten gekocht – und warum?

Wie immer – keines. Ich koche wirklich selten etwas zweimal; die Auswahl und die Möglichkeitenn sind einfach zu vielfältig. Was ich öfter koche, ist ganz simple Alltagsküche, schnelle Dinge für die Kinder zu Mittag. Verbloggt habe ich davon aber nichts.

Oder wartet…zählt das als Kochen? Das Popcorn, das haben wir tatsächlich regelmäßig geknabbert. Das ist einfach eine himmlische Knabberei.

5. Was hat dich im Zusammenhang mit Kochen, Essen oder deinem Blog 2017 beschäftigt und warum?

Nachdem ich letztes Jahr ein wenig mit meiner Bloggerei gehadert habe, war dieses Jahr alles in trockenen Tüchern. Was mich persönlich etwas stört, ist, dass die Welt der Foodblogs immer mehr kommerzialisiert wird. Die Blogs werden sich immer ähnlicher, ein Werbeartikel jagt den anderen; ich finde das langweilig und mag es nicht lesen. Ich würde mir wieder etwas mehr Individualität und Herzblut wünschen.

6. Was war deine größte kulinarische Neuentdeckung dieses Jahres – welches Lebensmittel, welches Rezept, welche Küchentechnik, welcher Geschmack hat dir eine völlig neue Welt eröffnet?

Ich hatte dieses Jahr das Glück, bei einigen tollen Köchen essen zu dürfen, unter anderem bei Hans Stefan Steinheuer und Heiko Antoniewicz. Man isst da nicht nur wunderbar – man kann auch etwas lernen. Besonders angetan hat es mir das Sous-Vide-garen, damit möchte ich mich endlich näher befassen.

7. Was war der beste (oder lustigste) Suchbegriff, über den Besucher auf dein Blog gekommen sind?

Was ist nur los mit diesem Internet? Die Suchbegriffe werden jedes Jahr langweiliger….Wobei „Corned beef vegetarisch“, das hat ja schon eine gewisse Komik. Und was „ottolenghi zitrone wunsch tatar“ ist, ist mir auch eher unklar.

8. Was wünschst du dir und deinem Blog für 2018?

Dass ich mit Spaß weitermache. Ich habe es gestern schon angekündigt: hier soll endlich regelmäßig chinesisch gekocht werden, darauf freue ich mich. Und mit Sous Vide möchte ich mich auch endlich näher befassen; beides wird sich bestimmt auch im Blog niederschlagen.

Und jetzt – habt es schön und kommt gut rüber!

Tradition und Moderne in der Pfistermühle

München hat seine Traditionsgaststätten. Die Pfistermühle  am Platzl ist eine davon. Ursprünglich wurde sie am alten Hof als Hofmühle betrieben – der Name weißt darauf hin, dass das vermahlene Getreide dort auch gleich zu Brot verbacken wurde – , nach einem verheerenden Brand wurde sie dann im 16. Jahrhundert an der Stelle wieder aufgebaut, an der sie auch heute noch zu finden ist. Nach einer wechselvollen Geschichte ist die Pfistermühle seit 1988 ein Restaurant.

In diesem Jahr hat man sich entschlossen, nicht nur das Gebäude zu renovieren, sondern gleichzeitig  auch das gastronomische Konzept zu überarbeiten. Auf beiden Gebieten hat man eine sanfte Modernisierung vorgenommen. Was die Inneneinrichtung angeht, hat man sich entschlossen, den ursprünglichen Stil beizubehalten, aber alles etwas lichter und heller zu gestalten. So wurden beispielsweise die dunklem Wandverkleidungen nicht entfernt, sondern gelaugt und wiederverwendet. Die Inneneinrichtung hat man durchdacht und detailreich gestaltet, so erinnern zum Beispiel Lampenschirme aus alten Mehlsäcken an die Herkunft des Gebäudes als Mühle.

Und das Essen? Man hat sich gehobene bayerische Küche auf die Fahnen geschrieben, mit einem Fokus auf regionale Produkte. Und man erinnert immer wieder an die Herkunft des Gebäudes als Mühle und Bäckerei.

Ich habe mich sehr gefreut, als ich die Einladung bekommen habe, einen Abend in der Pfistermühle zu verbringen und den Köchen über die Schulter zu schauen; aber da gab es ein Wort in der Einladung, das mich geradezu magisch anzog und zwar… „Brotkonzept“. Man bezieht drei Sorten Brot von der Brotmanufaktur Schmidt, die dann im Restaurant aufgebacken werden – und das ist verdammt gutes Brot. Ich bin da ja heikel, aber in diesem Falle musste ich mich daran erinnern, dass es auch noch etwas anderes zu essen gibt. Auch durch die Gerichte zieht sich Brot als Leitfaden, sei es als Sud, als Brösel  – irgendwo ist immer eine Reminiszenz.

Was natürlich auch lockte, war ein Blick in die Küche. Der Reihenfolge nach seht Ihr auf den Fotos Kürbis mit Vanille und Affilia-Kresse, eine konfierte Lachsforelle aus regionaler Zucht in einem Brotsud mit Schinken und Petersilienöl und eine  – ebenfalls regional erzeugte – Entenleber mit Portweingel, Feigen und Bitterschokolade. Was Ihr nicht seht, sind die spannenden und lustigen Gespräche mit den Köchen 😉.

Natürlich gab es einen Einblick in die Speisekarte:

Getrüffelte Kartoffelsuppe|Trüffelschnee|Petersilienöl|Trüffelkartoffel

In Orangenbutter gebratenes Saiblingsfilet|Geschmorter Topinambur|Babyspinat|Safran-Vanilleschaum

Pfistermühlenweihnachtsmüsli|Joghurt|Beeren|Glühweinsorbet

Ich mochte diese modern interpretierte Version der klassisch bayerischen Küche. Mir hat besonders gut gefallen, dass man wirklich sehr stark auf regionale Produkte zurückgreift und gleichzeitig immer wieder Verweise auf die Tradition des Lokals als Mühle und Bäckerei einbaut.

Noch ein kurzer Blick in die Küche bei laufendem Betrieb….

Und dann machen wir noch einen Abstecher in die Bar. Der Familie Inselkammer, die die Pfistermühle betreibt, gehört nämlich auch das Platzl Hotel, und selbstverständlich gibt es da eine Hotelbar.

Auch hier liegt man Wert auf Regionalität.  Auf das Konto des Bartenders Daniel Bruns gehen nicht nur der Hausaperitif „Spatzl“, ein Spritz mit selbst angesetztem Orangen-Chili-Likör, Chocolate Bitter und Riesling Sekt, sondern auch einige Neuinterpretationen klassischer Cocktails mit Spirituosen aus der Region – für einen entspannten Ausklang des Abends ist also gesorgt.

Ich hatte großen Spaß an diesem Abend – und gut gegessen habe ich auch. Das moderne, aber gemütliche Ambiente und die frische, bayrisch inspirierte Küche haben mir gut gefallen.  Wer also in München ist und gehobene bayerische Küche in entspannter Atmosphäre  genießen will, der ist in der Pfistermühle am richtigen Platz.

A Couple of Taste – AEG Taste Academy mit Heiko Antoniewicz

Wenn ich die Gelegenheit bekomme, Heiko Antoniewicz beim Kochen über die Schulter zu schauen und anschließend noch sein Essen verkosten, dann gibt es nur eins – nichts wie hin!

Heiko Antoniewicz ist jemand, der sehr systematisch und präzise an das Kochen herangeht; vielleicht wäre wissenschaftlich sogar ein passender Begriff dafür. Er hat einen  Hang zur Molekularküche und zum Fermentieren  und arbeitet gern mit technischen Mitteln wie Sous Vide. Und: er weiß nicht nur viel, sondern ist auch ein fröhlicher, zugänglicher Mensch, dem es sichtbar Spaß macht, sein Wissen weiterzugeben. Das gleiche gilt auch für seinen Mitstreiter Adrien Hurnugee – die beiden sind ein Dreamteam in Punkto Wissen und Spaß.

Was mich auch immer freut, ist, dass bei Heiko Antoniewicz nicht so eurozentrisch gekocht wird. Heiko reist gerne und nimmt von überall her Eindrücke mit. Der Gang in den Asienladen ist selbstverständlich für ihn. Adrien kommt übrigens ursprünglich aus Mauritius und benennt als sein Lieblingsgewürz Chili. Für Schwung ist also gesorgt.

Und was gab es denn nun zu erfahren und zu essen? Einen Teil davon habe ich Euch hier bereits vorgestellt, aber es lohnt sich, etwas ins Detail zu gehen. Es geht um vielschichtige Geschmackbilder; Vertrautes und Exotisches werden spannend kombiniert. Und dann braucht man ja auch noch ein harmonisches Zusammenspiel, damit das Ganze nicht in Überforderung endet.

Büsumer Krabbe | Aprikose | Sesam | Chicorée | Oliven

Spricht das nicht für sich selbst? Krabben, süßes Aprikosenpüree, bitterer Chicorée und Olivenpulver.

Gelierter Borschtsch |Sauerrahm |Prasselkohl |Apfelessig |Livarschwein

Heiho kommt aus dem Ruhrgebiet, da gibt es viele Menschen osteuropäischer Abstammung. Klar, dass man Borschtsch auf die Karte setzt. Der Borschtsch kommt als Gelée daher, begleitet von mit etwas Chiliöl aufgepepptem Sauerrahm, gezupftem Schweinefleisch und Wirsingchips. Kohlchips sind ja derzeit ganz chic; wenn Ihr die selbst machen wollt, ist es eine gute Idee, den Kohl vor dem Dörren zu blanchieren, damit der Kohlgeschmack nicht zu dominant ist.

Schellfisch |Bak Kut Teh Sud |Edamame |Paprika

Das ist ein tolles Beispiel, wie man Einflüsse aus anderen Länderküchen in seine Gerichte intergrieren kann – gab es da nicht ganz früher etwas, das sich Fusion Cuisine nannte? Der Schellfisch wird gegart in einem Sud aus Schweinerippchen, wie er für Singapur typisch ist. Dazu gesellen sich Edamame und eine Garnitur aus Pork Floss, also gegartem, gezupften Schweinefleisch, das zusätzlich mit etwas süßer Sojasauce und Chili aromatisiert wird. Alles zusammen überrascht – und harmonisiert wunderbar. Und Ihr bekommt Küchentipp Nummer 2: Fisch immer erst ca. eine Stunde in Salzlake  (40 g Salz auf 1 L Wasser) einlegen, so behält er beim Garen immer seine Form.

Lamm |Linsen |Senfkörner |Bumbu Besebgek

Was mich immer freut, ist, wenn ein Produkt in verschiedenen Konsistenzen auf den Teller kommt. Hier sind es die Linsen; diese werden sowohl  im Ganzen gegart und als Pürée serviert. Bumbu Besebgek ist eine Currypaste – so mild und ausgewogen, man könnte sie auch löffeln.

Geröstete Gerste |Kaffee |Malz | Rinderbug

Hier ist es an Zeit, ein paar Worte über Kaffee zu verlieren. Immerhin ist der mehr als „nur“ der Wachmacher am Morgen. Kaffee ist auch ein wunderbarer Geschmacksverstärker. Wenn Euch also bei einem Gericht ein eher unbestimmbares „Etwas“ fehlt – Kaffee, in Form von zum Beispiel Kaffeesalz oder Kaffeeöl könnte die Lösung sein.

Süße Kirschtomaten |Mandeleis |Minze |Gewürzsud

Nachtisch! Süßkram ist nicht mein Favorit, aber hier schon. Ja, Tomaten gehen wunderbar in Süß. Vor allem, wenn sie mit Bedacht mit Sternanis, Nelken, Vanille, Zimtblüte und Macis gewürzt werden. Das Eis erspare ich Euch 😉. Die Rezeptur ist einfach, aber die geniale Textur kommt aus dem Paco Jet.

Ihr seht, es war ein toller Abend. Genussvoll, lehrreich und auch lustig. Die AEG Taste Academy ist eine Sache, die ich Euch gerne weiter empfehle. Ein paar Termine gibt es dieses Jahr noch.

 

Hinter den Kulissen: Hans Stefan Steinheuer

Hans Stefan Steinheuer arbeitete nach seiner Ausbildung zum Koch unter anderem im Restaurant Erbprinz in Ettlingen und in den Schweizer Stuben in Wertheim. Dann tat er etwas Mutiges: er ging nach Hause nach Heppingen und übernahm dort den Landgasthof seiner Eltern. Heute zählt sein Restaurant „Zur Alten Post“ zu den 10 besten Restaurants Deutschland. Seine zwei Michelin-Sterne hält er seit 1999.

Und bald erscheint im Tre Torri Verlag sein inzwischen drittes Kochbuch. Wurzeln soll es heißen. Meine Freude war groß, als Tre Torri und sein Verleger Ralf Frenzel einige Blogger, mich eingeschlossen, einlud, einen Tag im Restaurant von Hans Stefan Steinheuer zu verbringen und hinter die Kulissen von Restaurant und Kochbuchproduktion zu schauen.

Nach einer kurzen Begrüßung und einem Gang durch Kochschule und Restaurant ging es auch schon ab in die Küche. Hans Stefan Steinheuer legt naturgemäß großen Wert auf Qualität und Regionalität. Das tolle Gemüse, das er verarbeitet kommt so weit als möglich direkt aus der Gegend – ein älterer Herr aus dem Ort baut es für das Restaurant an. Und wenn ungewöhnliche Wünsche geäußert werden, dann versucht er diese auch zu erfüllen.

Wir bekamen nicht nur erzählt, sondern durften auch selbst mit Hand anlegen. In der Küche wurden einige kleine Kostproben zubereitet. ich habe mich sehr gefreut, dass Hans Stefan Steinheuer sein Wissen gern mit uns geteilt hat. Ein Beispiel – ich weiß jetzt, dass man aus Birnenblüten Sirup machen kann. Das Aroma ist hinreissend. Nächstes Jahr im Frühjahr werde ich das mit Apfelblüten ausprobieren.

Es gab noch viele andere Kostproben, die allesamt wunderbar waren. Meinen absoluten Favoriten seht ihr auf dem größeren Bild links Galerie: Burrata auf Zitrone mit einer Vinaigrette, in der ich am liebsten versunken wäre.

Und dann war da noch ein kleiner, vielversprechender Ausblick auf den Abend: wir sollten ja ein Menü bekommen, das aus der Feder von Hans Stefan Steinheuer stammt. Gekocht hat das an diesem Tag das Team unter der Leitung von Küchenchef Christian Binder (linke Seite im Bild). Es ist toll, wenn man nicht nur Essen darf, sondern auch noch erklärt bekommt, wie die Speisen entstehen. gekocht wurde die Vorspeise – und der Patissier erzählte begeistert über das Dessert unten rechts im Bild).

Aber halt. Sagte ich nicht etwas von einem Buch? Was wir an diesem Nachmittag und Abend vorgestellt bekommen haben, wird sich alles in Stefan Steinheuers neuem Kochbuch finden lassen. Zu einem Kochbuch gehören  – jedenfalls meistens – auch Bilder. Diese kommen in diesem Fall von Peter Schulte. Ein Dessertteller wurde also nach nebenan getragen und Peter Schulte zeigte uns, wie er das so macht mit den Fotos – es sah überraschend einfach aus. Ein Tisch, ein Untergrund, ein Spiegel, ein Reflektor.

Und jetzt mache ich Euch noch einmal den Mund wässrig und erzähle Euch ein wenig über das schöne Menü, das wir am Abend geniessen durften. Leider ist die Fotoqualität eher mäßig, denn ich hatte den Fotoapparat auf dem Zimmer gelassen und es war etwas dunkel.

Gänsestopfleber mit Kaffee und Milch: die Aromenkomposition ist recht klassisch, aber da ist eine Art gefüllter Praline dabei. Und Ihr könnt sicher sein, dass ich bald den Milchchip ausprobiere, der aus Milch und Milchpulver hergestellt wird.

Wolfsbarsch  mit Sauce Choron und Zucchini- und Sepianudeln – Ihr kennt Sauce Choron? Im Grunde ist das eine Béarnaise, in die zusätzlich Tomatenmark eingearbeitet wird. Bei Steinheuers spielt zusätzlich Dashi mit, die Basis ist ein weißer Tomatenfond und es gibt etwas Chiliöl dazu – himmlisch.

Rehrücken mit Spitzkohl und Chorizo-Öl: die Rezepte sind aufwändig und komplex. Man schmeckt das und man sieht das. Hier zum Beispiel gab es ein Zwiebelpüree auf dem Teller, darauf eine kleine Rolle aus Spitzkohl mit einem Topping aus Olivenwürfeln und Pfifferlingen. Dazu den Rehrücken, garniert mit Chorizo-Öl und Rehjus. Was mich angeht, ist das etwas, das ich tatsächlich lieber auswärts esse, nachbasteln in der eigenen Küche ist nicht so leicht. Aber….so kleinere Komponenten wie das Chorizoöl oder das Olivenpulver, die werde ich bestimmt machen.

Der Nachtisch trägt den zurückhaltenden Namen „Gewürzzwetschge“. Ich bin im Grunde kein so großer Fan von Nachtisch – die Käseplatte geht immer vor. Aber die Kombination aus geliertem Zwetschgenröllchen, Financier-Chip, Honigcreme, Zwetschgengel, Crumble und Zwetschgeneis, die fand auch ich unwiderstehlich.

Es gab eine Weinbegleitung zum Menü. Ich weiß, dass das nicht von jedem gern gesehen wird. Aber Steinheuers Weinkeller ist legendär. Und ich fand es wunderbar, wie Weine und Essen korrespondierten.

Ihr seht schon – ich hatte einen tollen Tag. Lehrreich, lustig und außerordentlich wohlschmeckend. Ich kann Euch nur ans Herz legen, bei Steinheuers zu essen.  Ihr bekommt nicht nur exzellente Gerichte, sondern esst auch in ganz entspannter Atmosphäre bei einem aufmerksamen, aber unaufdringlichem Service. Und dann wäre da noch die Kochschule – Hans Stefan Steinheuer teilt sein Wissen gerne und großzügig. Und dann hätten wir noch das kommende Buch; ich stelle es Euch nach dem Erscheinen vor.

White Plate – Kochen und Kunst

Köche sind Künstler. Aber im Gegensatz zu Malern, Bildhauern oder Musikern sind ihre Werke vergänglich. Wunderbare angerichtete Teller verlassen die Küche und das Kunstwerk verschwindet rasch in den Bäuchen der Gäste. Was treibt diese Menschen an, täglich solche Höchstleistungen zu erbringen? Und könnte man daraus nicht doch etwas Bleibendes erschaffen?

So in etwa war der Gedankengang von Klaus Einwanger. Das brachte ihn auf die Idee, das Wort Kochkunst einmal wörtlich zu nehmen und mit 14 Spitzenköchen aus Großbritannien und Deutschland bleibende Kunstwerke zu schaffen – das Kunst und Kulturprojekt White Plate kam ins Werden.

Klaus Einwanger reiste durch Großbritannien und Deutschland, um Spitzenköche für sein Projekt zu gewinnen. Letzlich zusammengearbeitet hat er mit Köchen wie  Vivek Singh, Adam ByattJörg Sackmann oder Christian Lohse.

Jeder Koch suchte sich ein Thema aus, das ihn und seine Motivation am besten darstellt. Gemeinsam schufen Koch und Fotograf dazu ein Ausstellungsstück. Entstanden sind so sehr unterschiedliche, spannende und anrührende Statements von ganz unterschiedlichen Spitzenköchen – aber immer einer großen Begeisterung für hochwertige Nahrungsmittel, exzellente Verarbeitung und das Bewirten von Gästen.

Ein kleines Beispiel für echte Kochkunst habe ich hier im Bild – es ist das legendäre Dessert Honeymoon von Otto Koch. Vielen Dank an Dorothée für das Überlassen der Bilder.

Ich hatte die Freude, bei einer Werkschau in München dabei sein zu dürfen. Gezeigt wurden erste Eindrücke der geschaffenen Ausstellungsstücke sowie kurze Porträts der beteiligten Köche. Mit von der Partie war da auch Otto Koch, der ebenfalls einen Beitrag zu dem Kunstprojekt beigesteuert hat. Als Thema ausgesucht hat er sich  „EssenZen“, denn seiner Meinung nach hat Kochen und Essen sehr viel mit Zen zu tun. Seine Ausstellungsstück befasst sich mit den vier Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft, die er in Gerichten inszeniert hat.  Auf der Website des Kunstprojektes findet Ihr einige Filme, die die Entstehung der Kunstwerke dokumentieren – hier könnt Ihr sie Euch ansehen. In den Film über Otto Koch gibt es auch einen Teil über das Honeymoon-Dessert.

Nicht nur Theorie und etwas zum Anschauen gab es bei der Werkschau – sondern von Montag bis Freitag auch jeweils einen Mittagstisch. Gekocht wurde nach Rezepten von Christl und Gabriele Kurz. Die beiden vegetarischen Spitzenköchinnen nehmen als einzige Frauen an dem Kunstprojekt teil. Ihr Thema ist: Elemente des Lebens. Getreu dem Motto, dass das, was wir essen ja auch immer eine Wirkung auf uns hat, stand jeder Mittagstisch auch unter einem Motto – von einem fröhlichen Anfang am Montag bis zum Klar-Schiff-Machen am Freitag. Mir hat das Essen   –  es war Donnerstag und Konzentration das Motto –  ausnehmend gut gefallen. Es war leicht und aromatisch – genau richtig für einen Mittag. Kohlrabi-Salat mit Apfel, Erbsensuppe mit Kerbelschaum, Polenta mit Zucchini-Spaghetti und Paprikasauce sowie geeiste Avocado-Creme enthalten ausserdem Lebensmittel, die die Konzentration stärken.

Ich finde dieses Projekt wirklich faszinierend. Die Werkschau hat einen tollen Überblick gegeben und Lust auf mehr gemacht. Nur gibt es die Ausstellung leider noch nicht zu sehen. Man ist weit gekommen, aber um die Ausstellung Realität werden zu lassen, braucht man noch Sponsoren. Geplant ist der Ausstellungsbeginn für 2018.  Geplant sind jeweils 4 Wochen zunächst in München, Berlin und London. Also: Stay tuned. Bis es soweit ist, könnt Ihr Euch auf der schönen Website des Projekts einstimmen. Dort gibt es nicht nur tolle Informationen zur Ausstelullung selbst, sondern auch zu der parallel stattfindenden Akademie, die in Kursen Spaß an gesunder Ernährung vermitteln möchte.

Und: wer in München wohnt und neugierig ist – die Werkschau ist noch bis ersten April geöffnet. Veranstaltungsort sind die Wiedemann Werkstätten in der Hohenzollernstraße 47.