Kochbuch: Rock’n’Soul Kitchen | Tobi Stegmann

Tobi Stegmann wäre beinahe Eishockey-Profi geworden. Tatsächlich wurde er erstmal Flugzeugmechaniker, bevor er mit 20 seiner Berufung folgte und eine Kochlehre machte. Manchen von Euch kommt sein Gesicht vielleicht bekannt vor –  er hat 2015 bei „The Taste“ mitgemacht und wurde Zweiter. Nun hat er sich seinen Traum erfüllt und betreibt seit einiger Zeit das Restaurant „Denkma(h)l“ in seiner Heimatstadt Landshut.

Und dann gibt es noch das erste Buch. Das Thema ist spannend. Es geht darum, saisonale, klassische Menüs  in zwei verschiedenen Varianten zu präsentieren – einmal in einer Alltagsversion (freestyle) und einmal in einer gehobenen Variante (on stage). Da wird dann aus dem Frühlingstrio Bärlauchsuppe, Spargel mit Kartoffeln, Schinken und Hollandaise und Erdbeerkuchen entweder Bärlauch-French-Toasts mit Erdapfelkas, Spargelragout mit Speckchips und pochiertem Ei und Vanilleschmand mit Erdbeersalat und Streuseln  – das ist die Alltagsversion –  oder Bärlauchschlutzkrapfen mit Käseschaum und Chips, Spargelsalat mit Wildkräutern und Speckvinaigrette sowie New York Cheesecake mit Erdbeerduett in der gehobenen Variante.

Die Rezepte sind saisonal unterteilt. Für Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter findet man jeweils 3 Menüs in den besagten 2 Varianten. Im Inhaltsverzeichnis ist das Ganze nach den enthaltenen Zutaten aufgelistet. Also zum Beispiel Menü 3 im Herbst  mit Zwiebeln, Kartoffeln, Brot, Blutwurst und Äpfeln. Insgesamt ist das ganz schön viel zum Ausprobieren. Und … ich möchte im Grunde alles essen. Ich muss in der Saison unbedingt die Tomatentortellini mit Parmesanschaum und Petersilienpesto ausprobieren, de süßsauren Möhren mit Möhren-Ingwer-Püree und Pumpernickelerde locken auch, genau wie die Blutwurst-Wan-Tan mit Kartoffel-Zwiebel-Stampf und Apfelchutney. Das waren Rezepte aus dem etwas aufwändigeren Teil. Die Alltagsküche ist aber genauso reizvoll. Da warten Semmel-Pilz-Auflauf mit Schnittlauchsoße, gebratene Pizzette mit Grillgemüsetopping oder Hirschrückensteaks mit Rotkohl-Apfel-Salat und Kartoffelstampf.

Tobi Stegmann ist es wichtig, hochwertige Produkte zu verwenden, die saisonal sind und aus der Region kommen. Und so lässt er die Produkte für sich sprechen – es gibt keine wilden Gewürzmischungen in seinen Rezepten, sondern es werden wenige ausgewählte Gewürze verwendet, die den Eigengeschmack der Produkte unterstreichen.

Die Rezepte sind übersichtlich strukturiert, die Zutaten leicht erhältlich. Einen Wermutstropfen gibt es aber….oder einige Fallstricke. Mal passen die Zutatenmengen nicht so recht, mal die Garzeit und manchmal finde ich die Arbeitsabläufe etwas unpraktisch strukturiert. Es ist sinnvoll, mitzudenken, ob das alles so wie es beschrieben ist, für einen passt oder ob man es lieber anders macht.

Schön ist, dass das ein sehr persönliches Buch geworden ist. Zu jedem Jahreszeiten-Kapitel gibt es eine kleine Einleitung, in der Tobi Stegmann erzählt, was ihm kulinarisch an der entsprechenden Jahreszeit so besonders gut gefällt. Es gibt immer wieder Einschübe, in denen wir erfahren, worauf er Wert legt beim Kochen und was ihn freut. Und Playlists für jede Saison gibt es auch – damit das Kochen noch leichter von der Hand geht.

Kalbspflanzerl sind ein Klassiker – hier kommen sie in einem anderen Gewand daher: an den Pflanzerl ist eine ordentliche Portion Bergkäse; begleitet werden sie von einer Lauchcreme, gebratenen Frühlingszwiebeln und Käsechips. Die im Rezept angegebene Frühlingszwiebelmenge fand ich viel; uns hat die Hälfte gereicht. Und bei den Käsechips muss man ein wenig Geduld mitbringen – die werden in der Pfanne gemacht, und es muss alles wirklich ganz kalt sein, bevor man die Masse wieder aus der Pfanne bekommt.

Für die Rhabarbertarte wird ein Mürbteig geknetet, mit einer Füllung aus Rhabarber, Zucker, Eiern und Sahne gebacken. Dazu gesellen sich Baisertupfen und als Besonderheit ein Rhabarbergel. Die Tarte ist herrlich; von Baiser und Gel ist mir aber sehr viel übrig geblieben. Hier entlang geht es zum Rezept.

Ofenfrikassee mit Spargel – das ist ein Gericht aus dem Freestyle-Teil; entsprechend unkompliziert ist die Zubereitung. Hühnchen wird angebraten und anschließend mit Reis, Champignons und Erbsen im Ofen fertig gegart.

Das Röstbrot mit Möhren ist ein schöner Imbiss oder eine nette Vorspeise: geröstetes Brot wird mit einer Creme aus Frischkäse, Saft und Abrieb von Orangen bestrichen, darauf kommt ein Topping aus ofengerösteten Karotten.

Linsencremesuppe klingt erst mal unspektakulär. Das ändert sich aber, wenn man zu der Suppe knusprige Croutons mit Speck und einen Speckschaum serviert.

Fazit? Ich mag dieses Buch sehr. Und das, obwohl ich beim Kochen manchmal ein wenig grummeln musste. Die Idee, aus saisonalen Zutaten verschiedene Menüs zu kreieren, ist einfach klasse. Die Rezeptideen sind originell, man kann sich viel Inspiration aus dem Buch holen. Wer also mal frischen Wind in die Küchenklassiker bringen will, der wird hier fündig.

  • Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
  • Verlag: ZS Verlag GmbH
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3898836371
  • 22,99
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Erbsenrisotto mit Zitronenricotta und Schinkenchip

Erbsen! Früher, also ganz früher, mochte ich ja keine Erbsen. Das musste wohl daran liegen, dass sie in meinem Elternhaus immer aus der Dose kamen. Die armen Erbsen! Meine Einstellung zu Ihnen hat sich grundlegend geändert, als ich sie „in frisch“ kennengelernt habe. Und ich finde, TK-Ware ist hier ein guter Ersatz.

Das Rezept habe ich in einer Ausgabe der Essen & Trinken erspäht, und die Idee, ein Risotto mit ganzen Erbsen und Erbsenpüree zu machen ist doch klasse. Aber wie das so ist – selbstverständlich ist das Risotto auf dem Zeitschriftenfoto quietschgrün. Manchmal würde mich ja durchaus interessieren, mit was für Tricks da gearbeitet wird….

Dazu Ricottanocken mit Zitrone – das macht das Risotto schön frisch. Im Originalrezept war es das dann auch; es gesellen sich noch gerösteter, gemörserter Koriander dazu und frische Minze. Ich hatte von hier netterweise ein Carepaket mit Prosciutto San Daniele und Grana Padano bekommen udn hatte die Idee, den Schinken aufgeknuspert zum Risotto zu servieren. Das mache ich jetzt öfter :-).

Für 4 Portionen:

Schinkenchips:

  • 4 hauchdünne Scheiben Rohschinken

Risotto:

  • 1 Schalotte
  • 1 l Gemüsebrühe
  • 2 EL Olivenöl
  • 200 g Risottoreis
  • 150 ml Weißwein
  • 300 g Erbsen
  • Schalenabrieb von 1 Bio-Zitrone
  • 200 g Ricotta
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • einige Blättchen Estragon

Für die Schinkenchips die Schinkenscheiben so in eine Pfanne legen, dass sie sich nicht überlappen. Den Herd auf mittlere Hitze stellen und den Schinken langsam knusprig braten. Er ist fertig, wenn er sich etwas dunkler gefärbt hat und es in der Pfanne aufhört, zu knistern. Den Schinken auf Küchenpapier abtropfen lassen; er wird beim Abkühlen knusprig. In mundgerechte Stücke brechen und beiseite stellen.

Für den Risotto die Schalotte schälen und fein hacken. Die Gemüssebrühe erhitzen.

Das Olivenöl in einem Topf erhitzen und die Schalottenwürfel darin glasig anbraten, dann den Reis dazu geben. Mitbraten, bis alle Körner vom Öl überzogen sind und glasig glänzen, dann mit dem Wein ablöschen. Einkochen lassen, dann nach und nach immer wieder Gemüsebrühe angießen. Zwischendurch immer wieder mal umrühren.

100 g Erbsen mit 150 ml heißer Gemüsebrühe pürieren. Den Ricotta mit dem Zitronenabrieb verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Estragonblättchen hacken.

Das Erbsenpüree unter den Risotto rühren und alles weiter einkochen lassen. Kurz vor Ende der Garzeit die ganzen Erbsen ebenfalls zugeben. Den Risotto mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Zum Servieren den Risotto auf tiefe Teller verteilen. Vom Zitronenricotta mit einem nassen Teelöffel Nocken abstechen und auf den Risotto setzen. Mit Schinkenchips und Estragon garnieren und gleich servieren.

 

Kohlrabipfannküchlein mit Halloumi und Speck

Ich hatte ja schon berichtet, dass „Soframiz„* so ein Buch ist, aus dem ich am liebsten alles probieren möchte. Ich bin hingerissen von den Ideen und Aromen.

Trotzdem haben die Rezepte auch ihre Tücken – das liegt zum einen an dem munteren Kuddelmuddel an Angaben in Cups, Unzen und anderen Maßeinheiten. Und manchmal sind die Angaben einfach nicht so ganz stimmig. So wie bei diesen Küchlein. Beim ersten Mal haben die gnadenlos fehlgeschlagen – viel zu wenig Bindemittel.

Ich habe den kleinen Dingern trotzdem eine zweite Chance gegeben. Ich liebe Kohlrabi, aber oft fehlt es mir an guten Ideen. Und die Vorstellung, ihn mit Halloumi, dem geliebten Quietschekäse, zu kombinieren, war einfach reizvoll. Und zum Speck muss ich ja nichts sagen ;-). Und ja, die Küchlein sind toll. Wer keinen Kohlrabi hat oder mag, kann statt dessen auch Zucchini nehmen. Statt des Spinats geht auch Mangold. Aber an Käse geht wirklich nur Halloumi :-).

Für 4 Personen:

  • 600 g Kohlrabi, geschält und gerieben
  • 1 TL Salz
  • 100 g Rächerspeck
  • 1 Schalotte
  • je eine schöne Handvoll Petersilie und Minze
  • 150 g Halloumi
  • 1 Ei (Größe L)
  • 3 EL Joghurt
  • Pfeffer aus der Mühle
  • 2 EL Mehl
  • 1 TL Backpulver
  • 200 g Spinat
  • Olivenöl oder Rapsöl zum Braten
  • Joghurt zum Servieren

Im Originalrezept wird die doppelte Menge Kohlrabi verwendet, aber weniger Joghurt und auch nur ein Ei. Das gab bei mir nur eine lose Masse. Ich habe das Rezept entsprechend umgemodelt.

Den geriebenen Kohlrabi in ein Sieb geben, mit dem Salz vermischen und beiseite stellen, damit er Flüssigkeit ziehen kann.

Den Spinat in eine Pfanne geben, bei großer Hitze zusammenfallen lassen. Dann die Flüssigkeit gut ausdrücken und die Blätter hacken.

Den Speck fein würfeln und in einer Pfanne bei mäßiger Hitze knusprig ausbraten. Auf Küchenkrepp abtropfen lassen und beiseite stellen.

Schalotte schälen und fein hacken, Kräuter zupfen und ebenfalls fein hacken.

Den Halloumi fein reiben.

Kohlrabi gut ausdrücken.

In einer großen Schüssel Kohlrabi, Spinat, Schalotte, die Kräuter und zwei Drittel des Käses vermischen. Mehl mit Backpulver mischen und darüber sieben, dann Ei und Joghurt dazugeben. Alles gut vermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Etwas Öl in einer großen Pfanne erhitzen. Esslöffelgroße Häufchen in die Pfanne geben, zu kleinen Fladen flachdrücken und bei mäßiger Hitze von beiden Seiten goldbraun ausbraten. Die Puffer sind ziemlich fragil, man braucht etwas Geduld, Feingefühl und einen guten Pfannenwender; Ich habe am liebsten diesen hier*. Fertig gebackene Küchlein in Ofen warmhalten.

Zum Servieren die Kohlrabiküchlein mit Speck und übrigem Halloumi bestreuen und mit Joghurt servieren.

 

Oyako-Donburi

Reis spielt eine wichtige Rolle in der japanischen Küche – oder besser gesagt, die wichtigste überhaupt. Solange man keinen Reis gegessen hat, ist die Mahlzeit nicht vollständig. Entsprechend groß ist die Auswahl an Reisgerichten in Kimiko Barbers Buch „Washoku„.

Ich habe mir dieses Donburi ausgesucht: Donburi ist eine klassisch japanische Kombination – eine Schale mit Reis einem Topping (huch – geht das gerade trendige Bowlfood etwas auf eine japanische Idee zurück ? 😉).

Oyako, das bedeutet „ein Elternteil und ein Kind“; immerhin wird das Gericht mit Huhn und Ei zubereitet. Es ist ein sehr bekanntes und beliebtes Donburi-Gericht; und wenn man es probiert hat, dann weiß man auch gleich, warum. Das Gericht ist leicht, macht aber angenehm satt. Und das Aroma ist hinreissend – Dashi, Sojasauce (für ein glutenfreies Gericht Tamari verwenden), Mirin und ein wenig Zucker.

Eins noch: Ihr braucht für dieses Gericht wirklich den japanischen Rundkornreis, der ist der, mit dem auch Sushi gemacht wird. Zum einen schmeckt das Gericht mit anderem Reis nicht. Und man ist empfindlich in Japan, wenn es um Reis geht. Ausländischer Reis wird nicht gegessen, und schon gar kein Langkornreis. Der erinnert an schlechte Zeiten, als man in Japan Reis importieren musste.

Für 4 Portionen:

  • 80 ml Sojasauce (Tamari für ein glutenfreies Gericht)
  • 80 ml Mirin
  • 400 ml Dashi, zur Not Hühnerbrühe
  • 2 EL Zucker
  • 200 g Hühnchenbrust, in dünnen Scheiben
  • 4 Frühlingszwiebeln
  • 4 Eier
  • 800 g Reis, frisch gekocht

Dashi:

  • 1 Stück Kombu, etwa postkartengroß
  • 1 l Wasser
  • 30 g getrocknete bonito-Flocken (katsuobushi)

Zuerst zur Dashi:

Kombu waschen, dann mit dem Wasser in einem Topf ohne Deckel bis kurz vor dem Siedepunkt erhitzen, bis sich kleine Bläschen bilden. Das Ganze dauert ca. 10 Minuten und das Wasser darf nicht kochen.

Sobald Blasen aufsteigen, den kombu aus dem Wasser nehmen. Wasser zum Kochen bringen, Bonito-Flocken hineingeben, 60 ml kaltes Wasser angießen, Topf von der Hitze nehmen und warten, bis die Flocken auf den Boden sinken. Schaum abschöpfen, ein Sieb mit einem sauberen Mulltuch auslegen und die Dashi filtern. Seetang und Bonitoflocken kann man noch für einen zweiten Dashi-Ansatz verwenden. Und hinterher kann man den Kombu auch noch einlegen.

Jetzt aber zum Donburi:

Dafür zunächst Dashi mit Sojasauce, Mirin und Zucker bei mäßiger Hitze zum Kochen bringen. Das Hühnchenfleisch einlegen und ca. 5 min mitköcheln lassen (im Rezept stehen 8 min, das war mir zu viel). Die Frühlingszwiebeln putzen, in ca. 2 cm lange Stücke schneiden und nach 5 min zur Brühe geben. Alles eine weitere Minute kochen lassen.

Jetzt ein Viertel des Topfinhalts in einen kleinen Topf umfüllen und weiterköcheln lassen. . Reis auf vier Schalen verteilen. Ein Ei verquirlen und gleichmäßig über die Hühnchenmischung verteilen. Wenn das Ei an den Rändern zu blubbern beginnt einmal umrühren. Topf vom Herd nehmen, sobald das Ei zu stocken beginnt.

Eimischung auf eine Portion Reis gleiten lassen. Mit den übrigen Portionen Eimischung und Reis ebenso verfahren.

 

Grüne Bohnen und Karotten in weißem Sesam-Dressing

Die kleinen Gemüsegerichte, Vorspeisen und Beilagen aus Washoku, die haben es mir angetan. Deshalb möchte ich Euch unbedingt diesen Salat hier vorstellen. Auch, wenn er nicht so hinreissend aussieht.

Er ist ziemlich simpel, aber gerade das ist es, was mich fasziniert: Wenn aus recht einfachen Zutaten etwas Besonderes entsteht. Die Gemüsebasis sind grüne Bohnen und Karotten; ich kann mir aber auch andere Gemüsesorten vorstellen. Im Buch gibt es ein Rezept, in dem grüner Spargel so zubereitet wird.

Die Sauce basiert auf geröstetem weißen Sesam, der im Mörser zu einer Paste verarbeitet wird. Das erfordert etwas Zeit und Muskelschmalz. Und es geht wohl am besten in einem Suribachi*, dem geriffelten japanischen Mörser. An dieser Stelle ist ein Geständnis fällig: ich habe einen Aufsatz für die Küchenmaschine*. Den habe ich das für mich erledigen lassen, das geht blitzartig.

Für 4 Portionen:

  • 100 g dünne grüne Bohnen
  • 1 mittelgroße Karotte
  • 2 EL Sojasauce
  • 4 EL weißes Sesamdressing

Salz

Für das weiße Sesamdressing:

  • 4 EL helle Sesamsamen, geröstet und abgekühlt.
  • 1 TL Zucker
  • 1 EL Sojasauce

Zuerst das Dressing zubereiten: Sesam und Zucker im Mörser (oder der Küchenmaschine) zu einer Paste verarbeiten, dann die Sojasauce zugeben und alles gründlich mischen. Wenn es allzu dick ist, mit ein wenig Wasser verdünnen.

Von den Bohnen die Enden abknipsen. Die Karotte schälen und in dünne Streifen schneiden.

Bohnen und Karotten getrennt voneinander je 2 min in Salzwasser blanchieren, dann dann kalt abspülen, abtropfen lassen und mit Küchenpapier trocken tupfen.

Das Gemüse in eine Schüssel geben, die Sojasauce zufügen. Mit den Händen vermischen, dabei vorsichtig drücken. Das Aroma der Sojasauce zieht so besser in das Gemüse ein.

Jetzt das Gemüse in eine andere Schüssel geben. Das Dressing zufügen und alles vermischen.

Portionsweise anrichten und servieren.

 

Kochbuch: Washoku – Japanisch Kochen zu Hause | Kimiko Barber

Kimiko Barber wurde in Kobe geboren, lebt aber schon seit 1972 in Großbritannien. Nach ihrem Umzug wurde ihr schnell klar, dass sie unbedingt kochen lernen muss und tat das auch. Später gab sie ihre Karriere als Bankerin auf und machte  das Kochen zu ihrem Beruf. Seither gibt sie nicht nur Kochkurse, sondern schreibt auch Bücher und tritt im Fernsehen auf.  Mit Washoku hat sie sich zum Ziel gesetzt, die japanische Küche zuhause erlebbar zu machen.

Vor mir liegt ein schönes, hochwertig aufgemachtes Buch; ich werfe mal Fadenheftung und Lesebändchen in den Raum. Das Layout ist freundlich mit hellen, angenehmen Farben und ruhigen Schrifttypen. Es gibt viele schöne Fotos, die sich auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich das Essen. Gleichzeit tranportieren sie einem aber auch das richtige Japan-Gefühl nach Hause.

Die Rezepte sind gegliedert nach Vorspeisen,  Suppen, Sashimi und Salaten, kleine Gerichte mit Nudeln, Reis oder Sushi, Hauptgerichten (weiter unterteilt in Fisch, Tofu, Eintöpfe, verschiedene Sorten Fleisch, Eier und Hühnchen), Beilagen und schließlich Nachtisch.

Die Bandbreite der Rezepte ist groß. Beim Stichwort „japanische Küche“ denken die meisten zunächst an Sushi und Sashimi, dann vielleicht an Matcha. In Japan gibt es aber auch die Tradition, sich fremde Einflüsse zu eigen zu machen, sie mit dem lokalen Kochstil zu verbinden und daraus etwas Eigenes zu kreieren. Das ist dann die Yoshoku-Küche, japanische Küche, von fremden Einflüssen inspiriert. Beides ist im Buch vertreten und das Verhältnis von traditionellen und modernen Gerichten finde ich ausgewogen. Aber Ihr wollt sicherlich Beispiele. Nun gut, natürlich sind Sushi, Sashimi und den Eintopfgerichten Donabe jeweils Kapitel gewidmet. Es gibt den klassischen Gurken-Wakame-Salat mit Essig, Sobanudeln in Brühe mit Ente, den von mir geliebten Reis mit Erbsen, es gibt Yakitori, Mapo-Tofu auf japanische Art und Eierstich. Das wären einige der Klassiker. Es gibt aber auch Zwiebelsuppe auf japanische Art (mit Miso), Burger auf japanische Art oder Tofu-Gratin mit Miso, bei dem Parmesan eine Rolle spielt. Ich habe noch verdammt viele Marker in diesem Buch kleben – es beschäftigt einen gut.

Die Rezepte sind gut gegliedert und schlüssig erklärt; ich hatte keine Schwierigkeiten beim Nachkochen. Manches komplexe traditionelle Rezept hat Kimiko Barber ein wenig entschlackt, aber das geht niemals auf Kosten der Authentizität. Bei den Nudel-Rezepten (Ramen, Soba und Udon) wird auf gekaufte Nudeln zurückgegriffen – aber Rezepte zum Selbermachen würden den thematischen Rahmen auch sprengen.

Rezepte sind aber nicht alles – das Buch beginnt mit einer spannenden Einführung in die Ess- und Küchengeschichte Japans. Es gibt aufschlussreiche einführende Worte zu den meisten Rezepten und zu den einzelnen Kapiteln. Und immer wieder gibt es ausführliche Erläuterungen für entscheidende Details – welche Reissorten es gibt und wie man sie kocht (shame on me, mir war tatsächlich nicht klar, dass Mochi-Reis glutenhaltig ist), welche Sorten Tofu es gibt  und wie man am besten damit umgeht und noch vieles mehr.

Ein Wort zu den Zutaten: ohne eine gute Sojasauce, ohne Mirin, Kombu, Miso und japanischen Reis kommt man nicht aus. Dafür reicht aber ein Gang in den Asia-Shop; die Dinge sind ja haltbar und man hat dann einen Vorrat. Vieles gibt es auch im Bioladen (Abteilung: Makrobiotik).

Also, ich habe etwas ausprobiert. Die Auswahl ist willkürlich  und ich habe das unbefriedigende Gefühl, dem Buch nicht gerecht geworden zu sein. Aber gut – hier ist, was ich bisher ausprobiert habe:

Gleich beim ersten Blättern hat mich der Matcha-Wackelpudding angesprungen. Ich hatte alles da, und so war der Wackelpudding aus Matcha und Agar rasch gemacht. Es ist sehr wenig Zucker darin – der Matcha-Geschmack ist das maßgebliche Element. Schmeckt Matcha-Liebhabern, wer klassischen Süßkram erwartet, wird eher enttäuscht sein.

Der Spinatsalat mit Dashi-Dressing ist schlicht genial – das Dressing besteht aus Dashi, aromatisiert mit etwas Sojasauce und Mirin. Darin wird der zuvor in Salzwasser blanchierte Spinat mariniert, bevor er mit Sesam bestreut auf den Tisch kommt. Das Dressing unterstreicht das Spinat-Aroma perfekt.

Donburi – eine Schale Reis mit Topping. In diesem Fall gab es Oyako-Donburi: das Topping besteht aus in mit Mirin und Sojasauce pochierten Hühnchen und ebenfalls in der Brühe gegartem Ei. Echtes Comfort Food!

Wie man merkt, haben es mir die Gemüsegerichte angetan – so auch die grünen Bohnen und Karotten in heller Sesamsauce. Die Sauce besteht aus geröstetem, gemörsertem Sesam  und Sojasauce und macht aus dem blanchierten Gemüse eine richtige Leckerei.

Das Matcha-Eis basiert auf einer klassischen Eismasse, aromatisiert mit Matcha. Es ist nicht zu süß, und das Feinherbe des Matcha harmoniert prima.

Fazit: Mein Daumen zeigt ganz weit nach oben. Dieses Buch ist wunderbar geeignet als Einstieg in die japanische Küche. Es präsentiert eine ausgewogene Mischung von traditionellen und modernen japanischen Gerichten. Alles ist so aufbereitet, dass man es problemlos zu Hause nachkochen kann.

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Hädecke Verlag (24. April 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3775007665
  • 32,00