Wie bei netmedia ortsunabhängig gearbeitet wird I Bianca Gade als Head of Corporate Communications im Interview

Wir begreifen uns selbst als Begleiter für die digitale Zusammenarbeit und arbeiten für international agierende, mittelständische Organisationen und Großkonzernen aus allen erdenklichen Branchen.

Steckbrief netmedianer GmbH Unternehmen: netmedianer GmbH Mitarbeiterzahl: 20Modell: Full Remote – komplett ortsunabhängig innerhalb Deutschlands und Saarbrücken als HeadquarterInterviewpartner: Bianca Gade, Head of Corporate Communications & RecruitingBianca, wie genau sieht euer flexibles Arbeitsmodell aus? Wir haben schon viele Jahre ein Büro in Saarbrücken, das unsere “Base” ist. Vor allem unsere Entwickler schätzen die räumliche Nähe, ohne dass sie es immer müssten. Alle anderen, die Geschäftsführung, Verwaltung, das Marketing und Recruiting sowie unsere BeraterInnen arbeiten oft bis ausschließlich remote – und verteilt in ganz Deutschland. Mit welchen Tools arbeitet ihr? Dreh- und Angelpunkt ist unser Yammer-Netzwerk (Microsoft), in dem wir Fachliches und Persönliches sehr rege austauschen. Als Microsoft Office 365 Experten nutzen wir alle darin enthaltenen Tools wie OneNote, Teams, SharePoint, Skype for Business und einige mehr. Mit engen Partnern nutzen wir aber auch Slack, Zoom oder was sonst noch praktisch für die digitale Zusammenarbeit ist – eben auch außerhalb der Microsoftumgebung. Und natürlich haben wir auch für die Projektarbeit Tools wie beispielsweise Wrike. Da wir gerne experimentieren, kommt mal ein Tool dazu oder fällt weg. Für uns zählt bei der Toolwahl primär, dass wir ortsunabhängig und effizient arbeiten können. Dafür optimieren wir regelmäßig unsere IT-Landschaft, u. a. achten auch darauf, dass die Informationen im Kontext zueinander stehen. Das ist extrem wichtig, um nicht den Überblick zu verlieren.
Warum habt ihr euch dafür entschieden, mit eurem Team ortsunabhängig zu arbeiten? Das hatte drei Gründe:
Wir möchten unseren Kunden zeigen, dass wir das leben was wir beraten. Und dadurch, dass wir das tun, können wir in unseren Projekten aus langjähriger Erfahrung schöpfen. Wir sind an der Stelle sehr authentisch, was nicht jeder Dienstleister in unserem Themenumfeld ist.Wir stehen mit Saarbrücken in direkter Fachkräfte-Konkurrenz mit attraktiven, deutschen Großstädten. Und weil für unsere Geschäftsführung ein kompletter Umzug (und vermutlich großer Verlust an KollegInnen) nicht in Frage kam, wurde Stück für Stück mehr ortsunabhängiges Arbeiten zugelassen. Mit großem Erfolg!Ein weiterer, nicht unwesentlicher Grund, ist, die Mitarbeiterzufriedenheit: Als mein Kater einmal länger krank war und ich ihn nicht alleine lassen wollte, konnte ich ihn während der Arbeit im Home Office neben mich legen und ihn beobachten. Auch war es kein Problem, als sich meine Mutter ihren Fuß brach und Hilfe brauchte: Ich konnte zu ihr nach Frankfurt fahren und von dort arbeiten. Wenn einer der Kids unserer Kollegen krank ist und nach Hause muss, dann fällt er/sie nicht zwingend den ganzen Tag aus, sondern kann trotzdem wichtige Besprechungen mit KollegInnen und Kunden wahrnehmen. Diese Flexibilität hat für uns Mitarbeitende einen großen Wert, weshalb wir, im vergleich zu anderen Agenturen, alle überdurchschnittlich lange für netmedia tätig sind. Stolz bin ich auch darauf, dass wir auf kununu als Top-Arbeitgeber und Open Company gelistet sind und von Focus in diesem Jahr unter den Top-Arbeitgeber Mittelstand ausgezeichnet wurden.Arbeitet ihr (nur) ortsunabhängig oder auch zeitunabhängig? Zeitunabhängig arbeiten wir weitestgehend dort, wo es möglich ist. Gebunden sind wir dabei an unsere Verträge, die wir mit unseren Kunden haben. Zum Beispiel müssen wir bei einem Supportfall innerhalb kürzester Zeit reagieren. Aber wir sind trotzdem sehr flexibel: Hat jemand morgens aber einen Termin, muss länger in die Mittagspause oder Abends früher gehen, macht er/sie das einfach, wenn es teamseitig nicht zu Problemen führt. Die Zeit wird dann irgendwann nachgeholt. Umgekehrt natürlich genauso. Seit ich nebenher als Outdoor- und Reisebloggerin selbständig bin, lernte ich diese Kernarbeitszeit aber sehr zu schätzen. Sie strukturiert meinen Alltag, denn da weiß ich, dass ich nur für netmedia da bin. Als Bloggerin gelingt mir das noch nicht so gut aber ich arbeite in kleinen Schritten daran 🙂
Welche Startschwierigkeiten hattet ihr mit der Einführung des flexiblen Arbeitsmodells? Was ist euer größtes Learning aus der Umstellungsphase? Das witzige ist: wir hatten nie eine Umstellungsphase. Zumindest keine bewusste. Als ich vor knapp 10 Jahren bei netmedia anfing, war noch alles so, wie man es kennt: Von 9 – 18 Uhr mussten wir am Platz sitzen. Da gab´s kein Wenn und kein Aber. Im Gegensatz zu damals haben wir uns jedoch um 180 Grad gewandelt. Aus meiner Sicht hat die größte Veränderung die Geschäftsführung gemacht: zunächst bei sich selbst, denn mit dem “Kontrollverlust” muss man sich erst anfreunden. Dann hat sie uns über die Jahre immer wieder ermutigt, eigene Entscheidungen zu treffen und war für Fragen wie “Darf ich heute 30 Minuten früher gehen?” oder “Kann ich heute von Zuhause aus arbeiten?” nicht mehr zuständig. Diese Zuständigkeit wurde auf jeden persönlich, oder, bei größeren Entscheidungen, auf die Teams gelegt. Alle entscheiden das gemeinsam. Welchen Vorher-Nachher Effekt hat die Einführung des ortsunabhängigen Arbeitens bei euch? Auf der wirtschaftlichen Seite betrachtet, bieten wir unseren Kunden heute einen sehr viel besseren Service: Da unsere BeraterInnen in ganz Deutschland leben, gibt es immer eine(n) KollegIn, der/die in der Nähe ist, um auch kurzfristig vor Ort beim Kunden zu sein.
Dann können wir heute sehr viel besser auf den Fachkräftemangel eingehen, da sich unser Suchradius erweitert hat. Dazu kommt die hohe Mitarbeiterzufriedenheit durch das ortsunabhängiges Arbeiten – beides spart Zeit und Geld im Recruiting.
Kurz gesagt: Die Kunden sind zufriedener und wir sind es auch 🙂
Mit welchem Vorurteil werden ortsunabhängige Teams oft konfrontiert und wie würdest du es entkräften? Ganz weit vorne ist die Sorge der ständigen Erreichbarkeit Wie oben erwähnt: unsere Tools sind alle modern und somit auch mobil bedienbar. Die digitale Arbeitswelt pusht jede Nachricht direkt auf´s Smartphone, was nicht nur schlecht für die Konzentration ist: Wer ständig jeder Nachricht hinterherswiped, könnte stressbedingt erkranken. In der “alten” Arbeitswelt ist das leider noch so, dass von Mitarbeiter erwartet wird, jede Nachricht abzuarbeiten. Doch in der “neuen” Welt ist das anders: hier entscheidet jeder selbst was, wann gelesen und bearbeitet wird. Entkräften kann ich das Vorurteil nicht überall, denn wie so oft “kommt es drauf an”: Darauf, wie die Führungskraft tickt und welche Erwartungshaltung es innerhalb der Teams gibt. Und ganz klar ist das auch eine Frage, ob genug MitarbeiterInnen an Board sind.
Mitarbeiter nutzen die Freiheit aus Es hat schon immer MitarbeiterInnen gegeben, die weniger tun als andere, das ist kein Phänomen von ortsunabhängigem Arbeiten. Doch wer sich darüber sorgt, kann darüber nachdenken wie es sich ergebnisorientierter arbeiten lässt. Als bei uns das Home Office so langsam aufkam, lieferte ich immer gerne ein Ergebnis ab und machte das transparent: Sei es einen fertigen Blogbeitrag, einen Konzeptentwurf für die neue Website oder auch mal “nur” einen Projektstatus. Damals hatte ich meine Ergebnisse noch öfter an die Geschäftsführung kommuniziert, heute ist das Vertrauen längst da. Transparent mache ich wichtige(re) Punkte über unser internes Netzwerk. Zusammengefasst: MitarbeiterInnen, können diese Freiheit ausnutzen, doch das würden sie auch tun, wenn sie im Büro sitzen 😉
Es ist nicht kontrollierbar, wenn jemand zu viel arbeitet. Auch das höre ich immer wieder mal, vor allem aus den Reihen der Betriebsräte und Gewerkschaften. Diese Sorge kann ich wirklich nicht entkräften, solange ein Kontrollinstrument erwartet wird. Ein Kontrollinstrument ist jedoch für viele erstmal eins: Etwas, was man umgehen muss. Heißt: Egal was man kontrolliert, es wird immer jemanden geben, der sich Gedanken darum macht, der Kontrolle zu entfliehen und somit ist auch das kein Phänomen ortsungebundener Arbeit – schließlich könnte ich auch noch im Büro die Stechuhr bedienen oder die Zeiterfassung schließen und trotzdem weiter arbeiten.
Privat und Beruf lassen sich nur noch schwer trennen. Ein gutes Beispiel hierfür sind Unternehmensbotschafter in den sozialen Medien, also Ambassadoren, die sich auf ihren persönlichen Profilen als MitarbeiterIn des Unternehmens ausgeben und (indirekt) dafür werben: Sind sie noch privat oder schon beruflich auf Facebook, Twitter, Xing und LinkedIn? Ich arbeite im Marketing auf allen Plattformen beruflich und bin zudem privat und für meinen Blog aktiv – und finde das – für mich! – völlig in Ordnung. Ich kann aber auch akzeptieren, wenn das nicht jeder möchte. Nur wer freiwillig über seine private Kanäle kommuniziert, kann authentisch sein. Und für die, die das nicht möchten, lässt sich Beruf und Privat sehr gut voneinander abgrenzen. Übrigens: Bei netmedia unterstütze ich jeden aktiv, wenn er/sie sichtbar(er) in den sozialen Medien werden möchte, zwinge aber auch niemanden dazu. Erstens darf ich das nicht und zweitens würde es auch nichts bringen.
Drei gute Gründe, warum mehr Unternehmen ihr Team ortsunabhängig(er) aufstellen sollten? Viele Kunden schätzen es, wenn der Dienstleister in der Nähe ist. Das ist ein direkter Wettbewerbsvorteil.Den Mitarbeitenden tut Ortsunabhängigkeit gut, weil sie ihre Arbeit in ihr Leben integrieren können – und nicht umgekehrt. Ein großes Plus für die Mitarbeiterbindung.Unternehmensnetzwerke werden sehr viel größer (Beispielsweise über regionale Konferenzen, CoWorking-Spaces etc.), was bedeutet: Es gibt viel mehr Möglichkeiten, neue Partnerschaften einzugehen und frische Ideen zu generieren. Langfristig können so zukunftsorientierte Konzepte entstehen.Welchen Tip hast Du für Leute mit dem Wunsch nach einer ortsunabhängigen Festanstellung? Komm zu uns! 🙂 Aber gut, wenn das nicht geht – klein anfangen. Vier Möglichkeiten:
Anfragen und Ergebnis(se) liefern Wie wäre es mit einem Deal bei der/dem Vorgesetzten: Frag nach einem oder einem halben Home Office Tag und versprich ihm/ihr ein Ergebnis, das Du Zuhause erarbeiten wirst. Begründe auch, warum es Zuhause besser ist: zum Beispiel weil Du da mehr Ruhe hast und dadurch ein schnelleres und besseres Ergebnis erzielst (Versprechen dann auch einhalten!). Vielleicht kommt Dir ein Projektgeschäft zugute und Du kannst einen Handwerkertermin wahrnehmen, ohne Urlaub einreichen zu müssen. Am Projekt lässt sich auch arbeiten, wenn der Schornsteinfeger die Zahlen abliest, oder?
Einfach machen und schauen was passiert Für die, die sich etwas mehr trauen, rate ich: einfach machen. Verboten ist schnell, entschuldigt ist leichter 😉 Vielleicht überrascht Du und lieferst ein gutes Ergebnis ab? Wer könnte da böse sein? Wenn das gut ging, machst Du es bei der nächsten Gelegenheit wieder.
Probezeit für Home Office Auch möglich wäre, einen festen Home Office Tag auszuhandeln – und zunächst mal nur als “Pilotprojekt” für 3 Monate. Wenn der/die Vorgesetzte Dich nicht verlieren möchte, könnte er/sie darauf eingehen und ihr trefft Euch nach dieser “Probezeit” auf eine Feedbackrunde.
Die Situation “ausnutzen” Ein Projekt läuft aus dem Ruder, verlangt noch vor dem Launch nach intensiver Betreuung? Erledige das erfolgreich Zuhause und mach das transparent! Wenn der Kunde dann noch ein Danke schickt, ist das Vertrauenskonto um weitere Punkte gestiegen.
Besser nicht…! Wozu ich niemals raten kann, ist, zu drohen: Mit Kündigung beispielsweise. Auch auf sein Recht zu pochen ist in den meisten Fällen kontraproduktiv und schürt nur böses Blut.
Und immer daran denken:  Auch der/die Vorgesetzte darf dazu lernen. Es sind schließlich auch “nur Menschen”. Vielen Dank für das Interview, liebe Bianca! Aktuelle Stellenanzeigen bei netmedia Ähnliche Artikel

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